Inschriftenkatalog: Gandersheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 2: Kanonissenstift Gandersheim (2011)

Nr. 61 Bad Gandersheim, Stiftskirche 1682

Für eine aktualisierte Fassung dieser Katalognummer, siehe DI96 G1 Nr. 61.

Beschreibung

Archivschrank.1) Holz. Der als ein alter tannener Doppel-Schrank mit vier Türen und insgesamt 19 Schubladen beschriebene Schrank2) stand bis 1811 auf der „Vision“3), dem südlichen Nebenraum der Westempore, wo das Stiftsarchiv untergebracht war. Bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1995/97 wurden die bis heute erhaltenen Teile dieses Schranks auf dem Dachboden der Stiftskirche entdeckt. Zu diesem Fund gehören: ein an der rechten Seite um wenige Zentimeter verkürztes Seitenbrett, eine querrechteckige Klappe, ein Türflügel und 16 Schubladen.4) Die Reste des Schranks sind heute wieder auf der „Vision“ ausgestellt. Inschrift A auf dem Seitenbrett, Inschriften B–Q auf den Schubladenfronten, die Numerierung in Bleistift auf der Rückseite. Inschrift R auf der Klappe des Schranks. Die Inschriften sind mit heller Farbe auf das dunkle Holz gemalt.

Maße: H.: 210 cm; B.: 375 cm; T.: 41 cm;5) Bu.: 3–4 cm (A–Q), 7 cm (R, Kapitalis), 3 cm (R, humanistische Minuskel).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis-Versalien.

Gandersheim, Nr. 61 - Bad Gandersheim, Stiftskirche - 1682

 Portal zur Geschichte e.V., Bad Gandersheim [1/1]

  1. A

    A(nn)o 1682 SumptiBus Capituli AutoRe et Compilato[Re]a) Anastasio BiitneR[o]

  2. B

    1 // ReLiQviae VaRiORUm / SanctoRum

  3. C

    2 // Inventaria et / MisceLLanea

  4. D

    3 // CORPORa S(anctorum)b)/ Anastasiic) et / Innocentii

  5. E

    4 // SigiLLa et Statuta

  6. F

    5 // MaRtŸRium:d)

  7. G

    6 // CORPUS S(ancti) Primitinie)

  8. H

    8 // Donationes

  9. I

    9 // ELectiones

  10. J

    10 // CapituLationes

  11. K

    11 // ObLigationes

  12. L

    12 // TRansactiones

  13. M

    13 // Praesentationes

  14. N

    14 // ConFiRmationes

  15. O

    15 // Concessiones

  16. P

    16 // Diuisiones

  17. Q

    18 // Contentiones

  18. R

    Exodi. 15 v.17 / SANCTUARIUM Tuum Domine. / QUOD FIRmaueRunt Manus tuae6)

Übersetzung:

Im Jahr 1682 auf Kosten des Kapitels von Anastasius Büttner angelegt und zusammengestellt. (A)

Reliquien verschiedener Heiliger. (B)

Inventare und Vermischtes. (C)

Die Leiber der Heiligen Anastasius und Innocentius. (D)

Siegel und Statuten. (E)

Reliquien der Märtyrer. (F)

Der Leib des heiligen Primitivus. (G)

Schenkungen. (H)

Wahlen. (I)

Wahlkapitulationen. (J)

Schuldverschreibungen. (K)

Vergleiche (Verträge). (L)

Anträge auf Aufnahme in das Stift. (M)

Bestätigungen. (N)

Bewilligungen. (O)

Teilungen. (P)

Streitsachen. (Q)

Exodus 15, Vers 17 dein Heiligtum, Herr, das deine Hände gemacht haben. (R)

Kommentar

Der Schrank wurde 1682 von Anastasius Büttner (vgl. Kommentar zu Nr. 56), der mit der Neuordnung des Stiftsarchivs betraut war, eingerichtet (A).7) Die Inschriften der Schubladen (B–Q) zeigen, daß in der nachreformatorischen Zeit des Stifts neben den Urkunden auch die mittelalterlichen Reliquien, obwohl liturgisch nicht mehr benötigte Objekte der katholischen Heiligenverehrung, nun in gewissermaßen säkularisierter Sichtweise als wichtige Dokumente der eigenen Tradition bewahrt und wertgeschätzt wurden. Durch eigene, mit Inschriften versehene Schubladen (D, G) besonders herausgehoben wurden dabei die Reliquien der Gründungsheiligen Anastasius und Innocentius sowie die Reliquien des selten belegten Primitivus.8)

Textkritischer Apparat

  1. Compilato(Re)] Compilato Hoernes, Heilmann; das Kürzungszeichen fehlt.
  2. Befund: S. S.
  3. Anastasii] Vor den beiden i eine Lücke für den Schubladengriff.
  4. MaRtŸRium:] Statt MaRtŸRum: (?).
  5. Primitini] Statt Primitiui.

Anmerkungen

  1. Alte Inv. Nr. 209; neue Inv. Nr. 042.
  2. Vgl. Wolfenbüttel, Staatsarchiv, 11 Alt Gand Fb. 1, I, Nr. 22, zitiert nach Heilmann, Aus Heiltum wird Geschichte, S. 89.
  3. Nach Steinacker (Kdm. Kreis Gandersheim, S. 103) wird der Raum deshalb so bezeichnet, weil Herzog Liudolf an dieser Stelle eine Vision gehabt haben soll, aufgrund derer das Stift von Brunshausen nach Gandersheim verlegt worden ist.
  4. Angaben zum ursprünglichen Standort und zur Wiederauffindung nach Heilmann, Aus Heiltum wird Geschichte, S. 89 mit weiteren Ausführungen; zum Ort des Stiftsarchivs Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 57. Zum Inhalt des Schranks vgl. F. Brakebusch, Inventar 1892, S. 19–21; vgl. Heilmann, Aus Heiltum wird Geschichte, S. 92 und Heusinger, Zwei Hauptstücke, S. 13, Anm. 20.
  5. Rekonstruierte Maße des gesamten Schranks nach Hoernes, Ein Schrank voller Geschichte, S. 70.
  6. Ex. 15,17.
  7. Zu Anastasius Büttner vgl. Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 468.
  8. Vgl. Kommentar zu Nr. 3; s. a. Röckelein, Gandersheimer Reliquienschätze, hier S. 45–69; s. a. Heilmann, Aus Heiltum wird Geschichte, passim, speziell zum Archivschrank S. 92.

Nachweise

  1. Hoernes, Ein Schrank voller Geschichte, S. 69f. (Abb.).
  2. Heilmann, Aus Heiltum wird Geschichte, S. 89f. (Abb.).

Zitierhinweis:
DIO 2, Kanonissenstift Gandersheim, Nr. 61 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio002g001k0006103.