Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 463 München, Bayerisches Nationalmuseum 1649

Beschreibung

Grabplatte für Maria Franziska Grembs. Im Depot. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Johannes Baptist auf der Südseite an der Wand1), wohl bald nach 1803 ausgebaut und im Dombereich verwahrt, die Platte im Oktober 1879 über das königliche Landbauamt an das Bayerische Nationalmuseum abgegeben2) (Inv.-Nr. R 6811). Heller Kalkstein. Schrifttafel mit zentriert gesetzter Inschrift, unten der von Rollwerk umgebene Wappenschild. Am Oberrand und an den oberen Längsseiten leicht beschädigt. Unten zwei ausgearbeitete Stellen für Wandhalterungen.

Maße: H. 65,5 cm, B. 59 cm, Bu. 2,0-2,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 463 – München, Bayerisches Nationalmuseum – 1649

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. NOBILISa) HIC VIRGOa), MARIAa) FRANCISCAa) GREMBSIAa) / EXa) FEBRILI CALORE, HVC̀ DEPOSITA EST, VIATORa); / SEDa) AESTV VIRGINEO NON EXTINCTA: / VIRGINIa) ENIM̀ CASTAEa) NON FVMVSa), SED IGNISa) INEST, / VTa) POTÈ PVRITATISa) GENVINVS AC INDELEBILIS VINDEXa), / VESTALISa) QVIPPÈ HIC̀ VÍRGOa) EST, / QVAEa) PERENNE SIBI FOVEBAT LVMEN, / LVMENa), INQVAM, FESTIVVMa) IMMORTALITATISa): / NAM̀a) HAEC PIAa) SEMPER̀, CASTAa), ET PRVDENSa) / ACCENSA(M)a) TENVIT, CV(M) CONSORTIBVSa) ILLIS, LAMPADEM SVA(M), / QVÂa) BENÈ PARATÂ, COELESTI SPONSOa) SVO OBVIA(M) IRET SECVRA. / TVa) ERGO VIATORa), / NEa) OLEVM ET OPERAM PERDAS, / ETa) HVNC PRAECLARVMa) TIBI CVSTODITO IGNEM. / A(NN)Ob) M.DC.XLIX. DIEa) XX. SEPTEM(BRIS)a) / AETATISa) SVAE. XXI. / SOR(OR)Ic) FRAT(ER) FERDI(NANDVS)d) // G(REMBS)a) S(ACRO) S(ANCTAE) T(HEOLOGIAE) D(OCTOR) E(T) C(ANONICVS) F(IERI) C(VRAVIT)

Übersetzung:

Die edle Jungfrau Maria Franziska Grembs hier ist infolge fiebriger Hitze hierhin bestattet worden, Wanderer. Aber die jungfräuliche Glut wurde nicht ausgelöscht, einer keuschen Jungfrau nämlich wohnt nicht Rauch inne, sondern Feuer, gleichsam als natürlicher und unzerstörbarer Beschützer der Reinheit. Jetzt ist sie allerdings eine Vestalische Jungfrau, die sich beständig das Licht bewahrte, sage ich, das festliche Licht der Unsterblichkeit. Denn hierzu hielt sie stets fromm, keusch und klug ihre Lampe angezündet mit ihren Gefährtinnen, um mit ihr wohl vorbereitet dem himmlischen Bräutigam sicher entgegengehen zu können. Du aber, Wander, damit weder dein Öl noch dein Tun umsonst ist, bewahre auch dir dies strahlende Feuer. Im Jahre 1649 am 20. Tag des September (starb sie) in ihrem Alter von 21 (Jahren). Seiner Schwester ließ der Bruder Ferdinand Grembs, Doktor der allerheiligsten Theologie und Kanoniker, (dieses Monument) errichten.

Wappen:
Grembs3).

Kommentar

Der Text enthält Anspielungen auf das biblische Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen (Mt 25, 1-13). Die Verstorbene wird hier als kluge Jungfrau charakterisiert, die sich auf den ungewissen Zeitpunkt der Ankunft des Bräutigams gut vorbereitet hat. Das Gleichnis wird hier sinnbildlich auf den Augenblick des Todes und das erwartete Jüngste Gericht übertragen. Eine weitere Anspielung im Text – VESTALIS QVIPPÈ HIC VIRGO EST – verweist auf Vesta, die römische jungfräuliche Göttin des Herdfeuers, und ihre Priesterinnen, die das ewige Feuer hüten.

Maria Franziska Grembs war laut Inschrift die Schwester von Ferdinand Grembs, dem Stifter des Grabmals. Dieser studierte 1624 bis 1631 am Collegium Germanicum in Rom4) und erlangte 1626 durch päpstliche Verleihung ein Freisinger Domkanonikat, das er 1632 in Besitz nahm5). Später war er auch Pfarrer zu Asbach6). 1645 ist er als Thesaurar, 1662 als Offizial belegt. Am 20. März 1643 wurde ihm das Palatinat verliehen7). Grembs starb im März 1673 und wurde wie schon seine Schwester in der Stiftskirche St. Johannes Baptist begraben8). Als Vater beider Geschwister ist der herzogliche Leibarzt und Rat Dr. Georg Grembs zu vermuten, der von Kaiser Rudolf II. am 9. Januar 1610 die Bestätigung des rittermäßigen Adelsstandes und ein Diplom über das Palatinat verliehen bekam und in diesen Rechten von Kaiser Ferdinand II. am 30. Januar 1620 bestätigt wurde9).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. O kreisförmig und stark verkleinert hochgestellt.
  3. Vergrößerter Versal, I verkleinert hochgestellt.
  4. Vergrößerter Versal. Nachfolgende Unterbrechung durch den Wappenschild.

Anmerkungen

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 237.
  2. BNM Erwerbungsakten ER0558 (Kasten 12).
  3. BayA2 54 (Tafel 35).
  4. Steinhuber, Germanikum I 446.
  5. BayHStA Personenselekt Cart. 51 Grembs; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 16r.
  6. AEM H 61 p. 112; Asbach, Gde. Rotthalmünster, Lkr. Passau, NB.
  7. BayA2 54.
  8. AEM Nachlaß Boegl Nr. 34 (Domherren 4).
  9. BayA2 54.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 237.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 463 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0046304.