Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 457 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian vor 1645 Juni 4

Beschreibung

Wappenplatte des Offizials Johann Anton Gassner. Im äußeren nördlichen Seitenschiff am vierten Pfeiler von Osten an der Westseite. Roter Kalkstein. In der oberen Hälfte die zentriert gesetzte Inschrift in einem links, rechts und unten aus langgezogenen Voluten gebildeten Rahmen, oben einfache Rahmenleiste. In der unteren Hälfte das Vollwappen in einem Kranzmedaillon mit Rollwerk, in den Zwickeln je eine Blüte. An den Rändern ist die Platte leicht überputzt.

Maße: H. 165 cm, B. 67 cm, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 457 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – vor 1645 Juni 4

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. · D(EO) · O(PTIMO) · M(AXIMO) · / IOANNES ANTONIVS / GASSNER · S(ACRO) S(ANCTAE) · T(HEOLOGIAE) · DOCTOR / HVIVS ECCL(ESI)AE CANONICVS / SCHOLAST(ICVS) ET OFF(ICIA)LIS · / SIBI HOC MONVMENTVM / VIVVS FIERI FECIT / VIXIT AN(NOS) LXVI. / OBIIT. IV IVNII. / MDCXLV.a)

Übersetzung:

Dem besten und größten Gott. Johann Anton Gassner, Doktor der heiligen Theologie, Kanoniker dieser Kirche, Scholaster und Offizial, ließ sich dieses Denkmal zu Lebzeiten setzen. Er lebte 66 Jahre. Er starb am 4. Juni 1645.

Wappen:
Gassner1).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXVI.

Nach Ausweis der Inschrift wurde die Platte zu Lebzeiten des Verstorbenen angefertigt, doch läßt der Schriftduktus keine Abweichungen erkennen, die für einen Nachtrag der Lebens- und Sterbedaten sprechen.

Johann Anton Gassner stammte aus Dillingen. Nach Studien an der dortigen Universität 15882) und in Siena 16003) hielt er sich 1600 und 1601 am Collegium Germanicum in Rom auf4), erlangte 1611 ein Kanonikat in Freising und wurde 1614 Domkapitular5). 1632 wählte man ihn zum Vorstand der Domschule6). Seit 1633 war er als Offizial tätig7). Er ließ den Leonhardsaltar, in dessen Nähe auch seine Grabstätte liegt8), neu herstellen (s. Nr. 413). Sein Nachlaßinventar hat sich erhalten9).

Außer der Grabplatte gab es beim Leonhardsaltar auch eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit folgender Inschrift: JO(HANN) ANTONIUS / GASSNER DOCTOR / CAN(ONICUS) ET SCHOL(ASTICUS) / O(BIIT) A(NNO) 1645 / [4.] IU[NII]10). Die Platte wurde wohl im Zuge der Neupflasterung 1842 in die untere Domsakristei versetzt.

Textkritischer Apparat

  1. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BayA1 139 (Tafel 144).
  2. Matrikel Dillingen I 177, 1588 Nr. 97.
  3. Matrikel Siena I 151 Nr. 3187, 24. September 1600.
  4. Schmidt, Collegium Germanicum 246 Matrikel Nr. 1/957.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 16r.
  6. Deutinger, Schulwesen 513f.
  7. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 16r; Deutinger, Schulwesen 513f.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 16r; Weinhart, Renovation 15f.
  9. AEM DK 159.
  10. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 26; AEM H 76 p. 316, 317; AEM H 61 p. 220; Schlecht, Inschriften VI 88 Nr. 10.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 30; BSB Cgm 1717 p. 306; AEM H 482a p. 302, 309; BSB Cgm 1718 p. 125, 1 nach p. 129; AEM H 76 p. 315 Nr. 40, p. 338; AEM H 61 p. 220; AEM H 465 fol. 78r, 82r; Deutinger, Schulwesen 514; Schlecht, Inschriften I 64 Nr. 60; Weinhart, Renovation 15f.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 457 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0045709.