Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 454 Neustift, Pfk. St. Peter und Paul 1644

Beschreibung

Gedenktafel mit Stifterinschrift des Propstes Johann Baptist Weber (Textor). In der Sakristei an der Nordwand1). Adneter Kalkstein. Stark querformatige Tafel mit zentriert gesetztem Text. Stellenweise leicht beschädigt, in der Mitte vertikaler Bruch.

Maße: H. 36,5 cm, B. 125,0 cm, Bu. 2,0-2,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 454 – Neustift, Pfk. St. Peter und Paul – 1644

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. MEMORIAEa) SACRVMa). / Sa). MARINVSa) SCOTVSa) EPISCOPVSa) E[T] Sa): TECLANVSa) DIACONVSa) IPSIVS PEREGRINATORES RELIGIONIS ER=/GO FRISINGAEa) MORTVI, ET IN CAPEL[LA]a) HVIVS LOCI TERRAE MANDATI (QVORVM MERITIb) ET MORTEM IN CONSPE=/CTV D(OMI)NIa) PRECIOSAM INPENSAc) HVC SVP[P]LICANTIBVSa) PATROCINIA ET MIRACVLA MVLTIS RETRÒ SAECVLISa) TESTAN=/TVR) 1632 . À SEPTENTRIONALIa) HOST[A]Ea) BARBARA TEMERITATE EFFOSSI; AC DEMVM A(NN)Od) 1634 . AB EODEM / SAEVIVSa) REGRESSO, VNÀ CVM TOTO [M]ONASTERIO IN CINERES COMBVSTI: NVNC IST(I)Se) HOC MARMORE / SACRAEa) SALTEM AETERNAEQ(VE) MEMORIAE (QVODf) VNVM POTVIMVS) INSCRIPTI BARBARAE IMPIETATIS ET IN=/CINERATIONIS VINDICTAMa) HIC CLAMANT ET EXSPECTANT DONEC IMPLEATVR NVMERVS FRATRVM SVORVM / IOAN(NES)a) BAPTISTAg) PRAEPOSITVSa) SPECTATORa) AC HAERESa) / S. CINERIS ET RVDERVMh), PIO IN S(ANCTORVM)i) AFFECTV F(IERI)a) G(VRAVIT)k) / M D C X L IIIIa).

Übersetzung:

Dem Andenken gewidmet. Der schottische Bischof, der hl. Marinus, und sein Diakon, der hl. Declanus, welche sich der Religion wegen auf Wanderschaft begeben hatten, starben zu Freising und wurden an diesem Ort in einer Kapelle der Erde übergeben. (Ihre Verdienste und ihr Tod waren wertvoll in den Augen des Herrn, wie der Schutz und Wunder an denen, welche sie viele Jahrhunderte zuvor anriefen, bezeugen). 1632 wurden sie vom nördlichen Feind mit barbarischer Verwegenheit ausgegraben und wiederholt im Jahre 1634, da er noch wütender zurückkam, zusammen mit dem ganzen Kloster in Asche verwandelt. Ihnen zum heiligen und ewigen Andenken (was man allein noch tun konnte) wurden ihre Namen nunmehr wenigstens in diese Marmortafel eingemeißelt. Hier rufen sie und erwarten Strafe für die barbarische Gottlosigkeit und Einäscherung. Bis die Zahl seiner Brüder aufgefüllt werde, hat diese Tafel aus frommer Zuneigung zu den Heiligen machen lassen der Propst Johann Baptist, Betrachter und Erbe der heiligen Asche und der Klosterruinen 1644.

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXV.

Johann IV. Baptist Weber (Textor) war von 1617 bis 1648 Propst des Klosters Neustift. 1632 plünderten schwedische Truppen erstmals das Kloster, zwei Jahre später wurden im Zuge eines erneuten Überfalls der Schweden die Klostergebäude durch Brandschatzung schwer beschädigt und große Teile der Ausstattung zerstört, darunter auch die in der Katharinenkapelle verwahrten Reliquien der hll. Marinus und Declanus2). Das während des ganzen Mittelalters hindurch lebendige Wallfahrtswesen kam damit zum Erliegen.

Zu einem Tafelgemälde mit Darstellung der beiden Heiligen s. Nr. 129.

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Zweites I korrigiert aus A.
  3. Korrigiert aus IMPERSA.
  4. O hochgestellt.
  5. Nach I zweimal Verschränkung von T und S, vermutlich Verschreibung für ISTIS.
  6. O im Mörtel nachgetragen.
  7. Vergrößerter Versal. A im Mörtel nachgetragen.
  8. R im Mörtel nachgetragen.
  9. Gekürzt: SS.; vergrößerter Versal.
  10. Irrig für C(VRAVIT); vergrößerter Versal.

Anmerkungen

  1. Dieser Standort erstmals bei Prechtl, Neustift (1877) 7.
  2. Vgl. Schlamp, Præmonstratenser Nr. 9, 2 Nr. 40.

Nachweise

  1. Crammer, Magnifica Sanctitatis 112f.; Benker, Neustift (Kirchenführer) 17; Goerge, Neustift 6.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 454 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0045405.