Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 453 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1641

Beschreibung

Wappenplatte für den Domherrn Wolfgang Ludwig Lung von Planegg. In der Vorhalle an der Nordseite des nördlichen Pfeilers. Ursprünglich über der Grabstätte vor dem Katharinenaltar in der Vorhalle1), wohl im Zuge der Barockisierung des Domes 1723–1724 an den heutigen Standort versetzt. Roter Kalkstein. In der oberen Hälfte der Platte die erhaben gearbeitete Schrift (I)2). Im unteren Feld das Vollwappen in kreisförmiger Kartusche mit Schuppenrahmen, besetzt mit Rollwerk in den Orthogonalen sowie links und rechts Muscheln, in den Zwickeln dreieckig ausziehendes Blattwerk mit seitlichen Voluten. Darunter ursprünglich ein weiteres Inschriftenfeld angefügt (II), möglicherweise bei der Versetzung der Platte verlorengegangen. Stellenweise abbröckelnde Oberfläche.

DI 69, Nr. 453 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1641

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

Maße: H. 110 cm, B. 74 cm, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

I.

  1. WOLFGANGVSa) LVDOVICVSa) / LVNGa) DE PLANEKa), HVIVS / NOMINIS ET FAMILIAE / VLTIMVS ECCL(ESI)AEa) FRISI(N)GE(N)SISa) / CANONICVSa) TOTVM QVOD / MORTALE ET CADVCVM / ERAT SVB HOC EXIGVO MAR/MORE DEPOSVIT AN(N)Oa) D(OMI)NIa) / MDCXLI DIE XX DECE(M)BRIS

Übersetzung:

Wolfgang Ludwig Lung von Planegg, der Letzte dieses Namens und Geschlechtes, Kanoniker der Freisinger Kirche, hat alles, was sterblich und hinfällig war, unter diesem kleinen Marmor abgelegt im Jahre des Herrn 1641 am 20. Tag des Dezember.

II. Text nach BSB Cgm 1717.

  1. TU LECTOR / ANIMAE VITAM APPRAECARE / AETERNAM.

Übersetzung:

Du, Leser, erflehe das ewige Leben für seine Seele.

Versmaß: Hexameter. (II)

 
Wappen:
Lung von Planegg3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXV.

Wolfgang Ludwig Lung von Planegg4) war der Sohn von Ulrich Lung und Anna Margaretha, geb. Dichtl von Tutzing5). Nachdem er 1602 ein Kanonikat am Freisinger Domstift erlangt hatte6), immatrikulierte er sich noch im selben Jahr an der Universität Ingolstadt7). Von 1609 bis 1613 hielt er sich im Collegium Germanicum in Rom auf8). Ab 1614 gehörte er dem Domkapitel an9). Mit seinem Tod 1641 starb das Geschlecht der Lung von Planegg aus. Sein Nachlaßinventar hat sich erhalten10).

Außer der Wappengrabplatte gab es auf der Südseite der Vorhalle noch eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit folgender Inschrift: [+ / W]OLF(GANGUS) LUD[OVICUS] / LUN[G DE PLANEK] / CA[N(ONICUS) O(BIIT)] 16[41] / 20. DE[C(EMBRIS)]11). Im Zuge der Neuverlegung des Bodens in der Vorhalle 1901 wurde die Platte entfernt – sie lagert heute im südlichen Nebenraum der Krypta – und durch eine neue mit der Inschrift ersetzt: WOLF(GANGUS) LUDOVICUS / LUNG DE PLANEK / O(BIIT) ANNO 1641 / 20. DEC(EMBRIS)12).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 II p. 781; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 25v.
  2. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 16 Nr. 132.
  3. BayA1 19 (Tafel 15).
  4. Planegg, Lkr. München.
  5. BSB Cgm 2268 II p. 781; BSB Cgm 2290 XVII fol. 522r. Dagegen bei AEM Nachlaß Boegl Nr. 34 (Domherren 4) und Glaser, Grabsteinbuch 375 Nr. 206 als Eltern genannt Hildebrand Lung und Maria Jakobe, geb. von Raming, als Bruder der Augsburger und Regensburger Domherr Georg Ulrich Lung.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 25v.
  7. AEM H 64 p. 675; Mederer, Annales II 169; Pölnitz, Matrikel II,1 Sp. 47 Z. 15, 21. Oktober 1602.
  8. Schmidt, Collegium Germanicum 271 Matrikel Nr. 1/1183.
  9. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 25v.
  10. AEM DK 172.
  11. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 20; AEM H 76 p. 308; AEM H 61 p. 219.
  12. Vgl. Schlecht, Inschriften VI 119 Nr. 94.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 781; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 25v; BSB Cgm 1724 p. 128 Nr. 25; BSB Oefeleana 10 IV 18f.; BSB Cgm 1717 p. 451f.; BSB Cgm 2290 XVII fol. 522r; BSB Cgm 2786 II fol. 115r; AEM H 482a p. 491; BSB Cgm 1718 1 nach p. 221, p. 243f.; AEM H 76 p. 303 Nr. 2; HVO Ms. 318 fol. 85r; AEM H 477 p. 765; AEM H 61 p. 219; AEM H 465 fol. 133r, 145r, Appendix fol. 15r; HVF U XI 11 p. 20 Nr. 139; Schlecht, Inschriften I 22f. Nr. 14; Glaser, Grabsteinbuch 375 Nr. 206.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 453 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0045307.