Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 442 Pfk. St. Georg 1637

Beschreibung

Epitaph für den Stiftsdekan Andreas Scherer. In der Turmkapelle an der Westwand. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Andreas, wohl nahe dem Begräbnisort bey dem grossen Khürchen stockh nahe der ersten Säule1). Kurz vor Abbruch der Stiftskirche im Januar 1804 an die südliche Außenwand von St. Georg transferiert2). Wohl im Zuge der Renovierung 1955 an den heutigen Standort versetzt. Roter Kalkstein. Das Bildfeld in den oberen zwei Dritteln der Platte: Darstellung eines Kapellenraums, darin der mit einem Chorrock bekleidete Verstorbene im Gebet vor einem Altar kniend; auf dessen Mensa rechts in einer Muschelnische eine verlöschende Kerze, links ein Kruzifixus mit einem Totenschädel am Kreuzfuß, dahinter ein breites, konkav hochbiegendes Wolkenband sowie eine Sonne. Hinter dem Verstorbenen Johannes und Maria, diese mit ihrer linken Hand auf den Kruzifixus weisend; das Wappen des Verstorbenen an der Flanke des Altars; an der rechten Außenkante des Altarblocks eine schlanke, hohe Volute aus Blattwerk. Rahmung der gesamten Darstellung durch seitliche, mit balusterförmigen Ornamenten gefüllte Pilaster, über diesen ein Korbbogen, in den Zwickeln geflügelte Puttenköpfe. Im unteren Drittel in einem gekehlten, querelliptischen Rahmen die zentrierte Inschrift3), in den Zwickeln Rosetten. Wohl durch die Versetzung an der oberen Schmalseite und im unteren Drittel stark beschädigt; im Bildfeld der linke Arm des Gekreuzigten abgeschlagen, das Inschriftenfeld mehrfach gebrochen, dessen rechter unterer Teil fehlt vollständig.

Ergänzt nach AEM H 118 p. 391f.

Maße: H. 168 cm, B. 86 cm, Bu. 2,2 cm, 3 cm (Z. 4).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 442 – Pfk. St. Georg – 1637

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    · I · N · R · I ·

  2. II.

    ADMODVMa) REVERENDVSa) / ET / CLARISSIMVSa) VIRa), DOMINVSa) / ANDREASa) SCHERERa) / TETNANGENSISa) ACRONIANVSa), ECCLESIAEa) IS[TIVS PER] / XXV. ANNOS DECANVSa) MERITISSIMVS HVNC [SEPVLTVRAE] / SVAE LOCVM VIV[V]S ELE[G]IT. QVICVMa) CO[NFRATRIBVS SVIS] / ET IN OFFICIO ILLO CVMPRIMIS VTILEM, E[T IN TESTAMENTO] / PERQVAM BENEFICVMa) SE P[RAEBV]ISSET, OBD[ORMIVIT IN] / DOMINOa), VLTIM[A]a) DIE AVGV[STIa)] / A(NN)ob) Ma). DCc). XXXVII[.] / VIVATa). DEOa). AME[N]a)

Übersetzung:

Der überaus hochwürdige und sehr berühmte Mann, Herr Andreas Scherer aus Tettnang am Bodensee, 25 Jahre lang hochverdienter Dekan dieser Kirche, hat diesen Ort zu Lebzeiten für seine Grabstätte ausgewählt. Nachdem er sich seinen Mitbrüdern gegenüber und in jenem Amt als besonders dienlich und im Testament als sehr wohltätig erwiesen hatte, entschlief er im Herrn am letzten Tag des Augusts im Jahre 1637. Er lebe bei Gott. Amen. (II)

Wappen:
Scherer4).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXVI.

Der aus Tettnang am Bodensee stammende Andreas Scherer war 1584 bis 1587 Pfarrer zu Malta in Kärnten5) und immatrikulierte sich 1597 an der Universität Ingolstadt6). Spätestens 1597 wurde er Kanoniker des Freisinger Kollegiatstifts St. Andreas7), feierte dort 1601 seine Primiz8) und war ab 1612 bis zu seinem Tod auch dessen Dekan9). 1620 schenkte er zum Bau der Orgel 100 fl.10), darüberhinaus verfügte er in seinem 1630 abgefaßten Testament ein Legat über 1500 fl. zum Bau des neuen Hochaltars11). Gemäß seinem letzten Willen bestimmte er nicht nur den genauen Begräbnisplatz, sondern auch die Verfertigung je eines Steins für den Boden und die Wand, der Preis solle 150 fl. betragen12).

Tatsächlich wurden von dem Münchner Baumeister und Bildhauer Konstantin Pader (ca. 1610–1681) nicht nur das Epitaph, sondern auch eine Bodenplatte hergestellt, deren Inschrift nicht überliefert ist, doch beliefen sich die Kosten für beide Platten zusammen nur auf 30 fl.13).

Für Andreas Scherer ist auch eine Jahrtagsmesse nach St. Andreas belegt14).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Vergrößerter Versal, o in die Zeilenmitte hochgestellt.
  3. Beide Zahlzeichen vergrößert.

Anmerkungen

  1. Feuchtner/Koschade, Kirchen und Grabdenkmäler 149; AEM H 118 p. 251-262.
  2. Prechtl, St. Andreas 112; die nachträglich hinzugefügte Angabe bei HVO Ms. 318 fol. 108r: Alle verarbeitet worden ist daher unzutreffend.
  3. Eine Kurzfassung der Grabinschrift in HVO Geissiana 454 p. 18 Nr. 148.
  4. Büste eines bekleideten Mannes mit Stirnbinde.
  5. Broll, Gmünd II 238; Malta, Pol. Bez. Spittal an der Drau, Kärnten, Österreich.
  6. Matrikel LMU I Sp. 1377 Z. 1, 17. Oktober 1597.
  7. Matrikel LMU I Sp. 1377 Z. 1, 17. Oktober 1597; Glaser, Grabsteinbuch 390 Nr. 242.
  8. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 164 p. 3.
  9. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 45; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 164 p. 60; Prechtl, St. Andreas 112.
  10. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 69 fol. 62v, 25. September 1620.
  11. AEM H 118 p. 256.
  12. AEM H 118 p. 253f.
  13. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 76 fol. 50v, 1. September 1637; ebd. Nr. 77 fol. 56r, 16. Juni 1638; der Eintrag in den Stiftsprotokollen lautet hier: Constandin Pader Pilthawer In München, hat vf die Arbeit herren dechant seelig Zwen Grabstain 30 fl. begert, mit vermelden wolle die Arbeit in .4. Wochen fertig machen. Feuchtner/Koschade, Kirchen und Grabdenkmäler 149; Thieme/Becker Künstlerlexikon 26 (1932) 130.
  14. AEM H 485 fol. 48r, 49r.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 288f.; AEM H 477 p. 538 Nr. 10; AEM H 118 p. 391f. Nr. 42, p. 438, p. 467 Nr. 41; HVO Ms. 318 fol. 108r; HVF U XI 10 St. Andreas p. 108 Nr. 40; Prechtl, St. Andreas 112; Glaser, Grabsteinbuch 390 Nr. 242.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 442 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0044202.