Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 426 Domberg 27 (ehem. fürstbischöfl. Residenz) 1629

Beschreibung

Wappen des Bauherrn Bischof Veit Adam von Gepeckh und drei Anrufungen. In der ehem. fürstbischöflichen Hauskapelle an den Seitenwänden des Chorgewölbes. Fresko, Stuck. Die Inschriften in stuckierten Rollwerkkartuschen, davon die östliche (I) und westliche (II) mit bilobierten Schmalseiten, die nördliche (III) und südliche (IV) mit gerundeten Schmalseiten; in der Stuckkartusche auf der Ostseite das Bistumswappen und das persönliche Wappen von Fürstbischof Veit Adam mit bekrönender Mitra, flankiert von den bischöflichen Insignien, seitlich davon seine Initialen. Eine in diesem Bereich angebrachte Datierung 1629 wurde 1932 bei der Erhöhung der Westarkade zerstört1). In der Wappenkartusche (I) die Initialen als erhabene Stucklettern mit ockergelber Fassung, die Wappenbilder polychrom gefaßt; in den Schriftkartuschen (II-IV) die Inschriften in ockergelber Farbe mit schwarzer Konturierung. Anläßlich der Restaurierung 1999/2001 die Übermalungen von 1932 beseitigt und die originalen Inschriften freigelegt.

Maße: H. ca. 30 cm, B. ca. 80-90 cm (III, IV) bzw. ca. 100 cm (I, II), Bu. ca. 5-8 cm2).

Schriftart(en): Kapitalis, Humanistische Minuskel (II).

DI 69, Nr. 426 – Domberg 27 (ehem. fürstbischöfl. Residenz) – 1629

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/4]

  1. I.

    V(ITVS) A(DAM)a) // E(PISCOPVS) F(RISINGENSIS) / [1629]

  2. II.

    CVM GABRIELE ANGELORVM ANTE/SIGNANO EXCLAME GRATIA PLENA / DOMINVS TECVM DAMAZ(ENVS) de ASSVMpt(ione)b)

  3. III.

    SI ETc) QVIS VIRGINEM SANCTAM / DEI GENITRICEM NON CONFITE/TVR A DEITATE REMOTVS EST

  4. IV.

    QVI TE GENITRICEM DEI CONFI/TENTVR O VIRGO BENEDICTI / SINT ET QVI INFICIANTVR / MALEDICTI JO(ANNES) DAMAZ(ENVS)d)

Übersetzung:

Veit Adam, Freisinger Bischof. (I)

Mit Gabriel, dem Ersten der Engel, laßt uns rufen: Voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Damaszenus, De Assumptione. (II)

Und wenn sich einer nicht zur heiligen Jungfrau als Gottesmutter bekennt, ist er von der göttlichen Gnade ausgeschlossen. (III)

Die dich als Gottesmutter bekennen, seien, o Jungfrau, gepriesen, und die dich schmähen, seien verdammt. Johannes Damaszenus. (IV)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Johannes Damascenus, Dorm. II 16. (II)
Wappen:
Hochstift Freising3), Gepeckh4).

Kommentar

Zu den Schriftformen der Kapitalis s. Einleitung CXV, zu denen der Humanistischen Minuskel s. Einleitung CXIX.

Der im Kern mittelalterliche, wohl noch auf Bischof Konrad (1314–1322) zurückreichende quadratische Turm an der Nordostecke der Residenz wurde von Bischof Stephan von Seiboltsdorf im Jahre 1617 zur Kapelle bestimmt, doch erst unter seinem Nachfolger Veit Adam von Gepeckh ausgebaut und mit einem Altar von Philipp Dirr versehen (vgl. Nr. 398); bis dahin hatte das Obergeschoß der Domvorhalle dem Bischof als persönlicher Andachtsraum gedient. Nach einer heute verlorenen, ehemals unter dem Wappen an der westlichen Kuppelwand angebrachten Jahreszahl datiert die Stuckausstattung, die ihre Parallelen in zeitgleichen Stuckausstattungen der Münchner Hofkunst findet, aus dem Jahr 1629. Im folgenden Jahr erhielt der Maler Jakob Hengeler den Betrag von 22 fl. 33 kr. wegen vergolter Capeln5). Seine Beauftragung mit Faßarbeiten läßt annehmen, daß er auch die Inschriften in den Kartuschen ausführte.

Die Vorlage zu Text II ist den Predigten des hl. Johannes Damascenus entnommen, wie sie etwa von Jacques de Billy (Billius), Paris 1619, ediert wurden6). Die Vorlagen zu den Texten III und IV konnten aufgrund der Vielzahl der Johannes Damascenus zugeschriebenen Texte nicht ermittelt werden. Die Formulierung SI ET QVIS von Inschrift II orientiert sich an den Anathema-Formeln der kirchlichen Synoden; inhaltlich stand vermutlich die Formulierung der Lateransynode von 649 zur Jungfräulichkeit Mariens Pate7).

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgende Unterbrechung durch die das Wappen bekrönende Mitra.
  2. Der Quellennachweis ab DAMAZ(ENVS) in kleinerer Schriftgröße.
  3. ET hochgestellt.
  4. Der Quellennachweis ab JO(ANNES) in kleinerer Schriftgröße.

Anmerkungen

  1. Kagerer, Hauskapelle 119, hier eine Beschreibung von 1878, wonach auf der Rückwand neben dem Wappen des Bischofs [...] sich die Jahreszahl 1629 findet, offenbar wurde die Datierung nicht bereits bei der ersten Erhöhung der Bogenöffnung 1843 zerstört; Dehio Obb 315.
  2. Aufgrund der großen Höhe der Anbringung können die Maße nur geschätzt werden.
  3. Bi 46 (Tafel 76). Gemeinsames Oberwappen: Inful, Kreuz und Pedum.
  4. Bay 35f. (Tafel 32, 33) unter dem Namen „Geböckh“.
  5. Benker, Philipp Dirr 23.
  6. Jacques de Billy, S. Ioannis Damasceni Opera, Mvlto Qvam Vnqvam Antehac Avctiora, Magnaqve Ex Parte Nvnc De Integro Conversa; Accessit locuples rerum & verborum in his memorabilium Index, Paris 1619; vgl. Benker, Philipp Dirr 202.
  7. Enchiridion symbolorum 503 (256,3).

Nachweise

  1. Loos/Notter, Residenz Freising 23f.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 426 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0042600.