Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 422(†) Diözesanmuseum 1629

Beschreibung

Altar mit Stifterinschrift des Domherrn Johann Anton Gassner, Altarblatt mit Beischrift und Künstlersignatur. Der Leonhard-und-Ägidius-Altar ursprünglich im äußeren nördlichen Seitenschiff in der Leonhardskapelle des Doms. Nach Abbruch des Altars 1886 Überführung des Altarblatts in die Kunstsammlung des Klerikalseminars, anschließend im Diözesanmuseum (Inv.-Nr. F 5). Das Altarblatt Öl auf Leinwand. Darstellung der Ruhe auf der Flucht: etwas links der Bildmitte unter einer Palme am Boden sitzend die hl. Maria, über das in ihren Armen liegende Jesuskind gebeugt, links hinter ihr der hl. Joseph, in Gedanken versunken; ein von rechts herantretender knabenhafter Engel1) reicht dem Jesuskind Weintrauben, hinter ihm der Esel beim Grasen; im Vordergrund links spendet ein Engel Weihrauch; vom Himmel aus streuen kleine Engel Blumen auf die hl. Familie herab, ein größerer Engel hält das Schriftband (I) empor; rechts im Hintergrund eine Darstellung des Kornfeld-Wunders; im rechten unteren Eck ein Weidenkorb mit geöffnetem Deckel, unter dem Henkel der Stab des hl. Joseph, darauf die Künstlersignatur (II). Die abgegangene Stifterinschrift (III) wohl in der Predellazone aufgemalt, dazu das Wappen des Stifters.

Maße: H. 272 cm, B. 193 cm, Bu. 4,5 cm und 2 cm (I), 1,3 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis (I, II).

I.

  1. D(OMI)NVSa) INGREDIETVR AEGYPTVM · / ISA(IAS) XVIIIIb)

Übersetzung:

Der Herr kommt nach Ägypten, Jesaia 19.

II.

  1. GEORGIVS VISCHER

III. Text nach BSB Oefeleana 10, mit Wappennachzeichnung.

  1. D(eo) T(er) O(ptimo) M(aximo) / Deiparae Virgini Divisque / Leonardo et Aegidio / in perpetuum honorem et gloriam / Joh(annes) Ant(onius) Gassner S(acro) S(anctae) Theol(ogiae) Doctor / et Cathedral(is) huius Eccles(iae) Canonicus / D(e) S(uo) F(ieri) F(ecit) 1629.

Übersetzung:

Dem dreieinigen, besten, größten Gott, der Gottesgebärenden Jungfrau und den hll. Leonardus und Aegidius zu ewiger Ehre und Ruhm ließ Johann Anton Gassner, Doktor der allerheiligsten Theologie und Domherr dieser Domkirche, (dies) aus seinen Mitteln anfertigen.

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

Nach Jes 19,1.

 
Wappen:
Gassner2).

Kommentar

Stifter des Altars war der Domscholaster und Offizial Johann Anton Gassner, dessen Wappenplatte (Nr. 457) sich in der Leonhardskapelle befindet. Am Gitter ist außerdem das Wappen Gassners angebracht. In einem Schreiben vom 1. Juni 1627 teilte Bischof Veit Adam dem bayerischen Herzog Maximilian I. mit, Gassner wolle einen Altar errichten lassen3). Wie die Datierung der Stifterinschrift belegt, konnte der Altar erst 1629 fertiggestellt werden. Laut Säkularisationsinventar von 1803 wurde das Altargemälde auf 15 fl. geschätzt4).

Der Maler Georg Vischer wurde 1625 in München als Meister aufgenommen und führte später den Titel eines Hofmalers5).

Zu Johann Anton Gassner vgl. Nr. 457.

Textkritischer Apparat

  1. Sämtliche Worte von Text II und III mit vergrößertem Versal.
  2. Zweite Textzeile mit Bibelnachweis verkleinert unter dem Worttrennungs-Punkt nach AEGYPTVM beginnend, die letzten beiden II von XVIIII durch Umknicken des Schriftbandes nur im unteren Bereich dargestellt.

Anmerkungen

  1. Der Altar von Oefele als Johannesaltar angesprochen und der Engel als Johannes-Knabe gedeutet: Pinxit altar(em) S: Leonardi Johan(ni) cum Jesu puerulo ludente, s. BSB Oefeleana 10 IV p. 29.
  2. BayA1 139 (Tafel 144).
  3. Weber, Neugestaltung 173.
  4. BayHStA GK Freising u. Mühldorf Nr. 28 prod. 83 Nr. 836.
  5. Thieme/Becker Künstlerlexikon 34 (1940) 416.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 29; Hoffmann, Kunstaltertümer 314 bzw. 106 (Sonderdr.) Nr. 334; Kat. Diözesanmuseum Freising 230f.; Steiner, Diözesanmuseum Freising 75; AK Freising 1989, 355f. Nr. V.28; AK Madonna 272, 275.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 422(†) (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0042208.