Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 415 München, Bayerisches Nationalmuseum 1627

Beschreibung

Tafel mit Stifterinschrift des Generalvikars Wilhelm Sixtus Kepser. Im Depot. Ursprünglich im Dom Mariä Geburt und St. Korbinian im inneren nördlichen Seitenschiff in der sog. Kepser-Kapelle1), diese 1869 ausgeräumt und abgebrochen, die Platte im Oktober 1879 über das königliche Landbauamt an das Bayerische Nationalmuseum abgegeben2) (Inv.-Nr. NN 3921). Heller Kalkstein. Die Inschrift zentriert gesetzt. Die rechte untere Ecke mit Textverlust abgebrochen.

Ergänzt nach Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1.

Maße: H. 115 cm, B. 57 cm, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 415 – München, Bayerisches Nationalmuseum – 1627

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRVM) / ANNO . D(OMI)NI . M.DC.XXVII. / SACELLVM . ISTVD . NOVITER . EREXIT / ATQ(VE) DOTAVIT / SANCTISS(IMAE) . CRVCIS . PARTICVLA ET . PLVR[I]/VM . SANCTORVM . RELIQVIIS . / ORNAVIT . / CALICIBVS , AMPVLLIS . LAMPADE . ALIISQVE / VASIS . ARGENTEIS . / LOCVPLETAVIT . / BINAS IN IPSO HEBDOMADALES . MISSAS . / AC . LITANIAS . LAVRETANAS . SINGVLIS . / DOMINICIS . FIGVRALITER . DECANDANDAS / NEC . NON . LVMEN . SABBATINVM . / FVNDAVIT . / GVILIELMVS . SIXTVS . KEPSER . TH(EOLOGIAE) . D(OCTOR) . / PROTON(OTARIVS) . AP(OSTO)LICVS . COM(ES) . LATER(ANENSIS) . MIL(ES) . AVR(ATVS) / CATHEDR(ALIS) . HVIVS . ECCL(ESI)AE . CANON(ICVS) . / QVONDAM . / ERNESTI . / STEPHANI . / VITI . ADAMI . / EP(ISCOP)ORVM . FRISINGEN(SIS) [.] / CONSILIARIVS . VICARIVS . [ET . CVSTOS .] / QVEM . PRECIBVS . TVIS . VIA[TOR . IVVASa) .] / VT . TE . OLIM . IVVAR[I . VOLESb) .]

Übersetzung:

Dem besten und größten Gott geweiht. Im Jahre des Herrn 1627 errichtete diese Kapelle neu und stattete sie aus, schmückte sie mit einem Partikel des hl. Kreuzes und Reliquien mehrerer Heiliger, bereicherte sie mit Kelchen, Salbgefäßen, einem Leuchter und anderen silbernen Gefäßen, stiftete in ihr zwei wöchentliche Messen und Lauretanische Litaneien, die einzeln am Sonntag mehrstimmig zu singen sind, sowie auch ein samstägliches Licht: Wilhelm Sixtus Kepser, Doktor der Theologie, Apostolischer Protonotar, lateranensischer Hofpfalzgraf und Ritter vom Goldsporn, Kanoniker dieser Domkirche, einst Rat der Freisinger Bischöfe Ernst, Stephan, Veit Adam, Vikar und Kustos. Du hilfst ihm, Wanderer, mit deinen Gebeten, wie du wünschst, daß dir einst geholfen werde.

Kommentar

Die Eltern des 1573 geborenen Wilhelm Sixtus Kepser waren der Landshuter Arzt und Leibmedicus Sixtus Kepser und Katharina, geb. Wolf, die beide in der Freisinger Kollegiatstiftskirche St. Johannes Baptist begraben liegen (Nr. 241)3). 1585 erhielt Kepser ein Kanonikat bei der Kollegiatstiftskirche St. Andreas4). 1590 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt5) und wurde 1594 Freisinger Domherr6). 1599 providierte ihn Bischof Veit Adam mit der Pfarrei Günzlhofen, Kepser konnte sie nach Einspruch von Herzog Maximilian I. jedoch nicht in Besitz nehmen7), ebenso versagte ihm der Herzog das Amt des Stiftspropstes auf dem Petersberg8). In Freising wirkte er von 1609 bis 1619 als Domkustos9) und von 1610 bis 1618 als Generalvikar10).

Laut Inschrift ließ er im Jahre 1627 in der nördlichen Apsis der Domkirche die Stephanuskapelle renovieren und stattete sie mit reichen Stiftungen aus: Am 12. Juli 1627 bestätigte Bischof Veit Adam die durch Urkunde vom 13. Juni 1627 veranlaßte Stiftung von zwei Wochenmessen in die Kapelle, die Kepser ganz neu erbaut habe. Das Stiftungskapital in Höhe von 2000 fl. wurde aufgrund beschleunigter Geldentwertung von Kepser mit Datum vom 8. Dezember 1629 um weitere 2000 fl. Aufgestockt11). Ebenso gehen die Einrichtung des Freisinger Waisenhauses 162612) und des Seminarium Kepserianum in Landshut 163113) auf seine Stiftungstätigkeit zurück. Kepser starb am 16. Mai 1633 und erhielt eine Wappengrabplatte (Nr. 437) und ein Epitaph (Nr. 438).

Textkritischer Apparat

  1. BSB Cgm 1717: tu viator juva; Bugniet, AEM H 76: juva.
  2. BSB Cgm 1717: velis.

Anmerkungen

  1. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 372.
  2. BNM Erwerbungsakten ER0558 (Kasten 12).
  3. Aempherle, Klägliche Histori 2f.; Ferchl, Behörden 663.
  4. AEM FS 118 p. 50; Prechtl, St. Andreas 115.
  5. AEM H 64 p. 675; Romstöck, Jesuitennullen 346.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 22v.
  7. Dachauer, Kirche am Petersberge 399; Rosenegger, Petersberg 61; Günzlhofen, Gde. Oberschweinbach, Lkr. Fürstenfeldbruck.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi ad. S. Petrum in monte Madronensi fol. 41r; Dachauer, Kirche am Petersberge 399; Rosenegger, Petersberg 61; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  9. Geiß, Kemnater 146 Nr. 23; AEM Nachlaß Boegl Nr. 34 (Domherren 4).
  10. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 22v; Bugniet, Versuch 86f.; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 612 Nr. 32.
  11. AEM DK 168; BayHStA HL 610 fol. 55r-61r, 64r; HVO Geissiana 474.
  12. Prechtl, Wohlthätigkeitsanstalten 101-105.
  13. Kepser tätigte am 12. März 1631 eine Stiftung über 8000 fl., deren Zinserträge musikkundigen Studenten des neugegründeten Landshuter Jesuitengymnasiums zugute kommen sollten. Aus diesem Kapitalgrundstock entwickelte sich später das sog. Aloysius-Seminar, das im 19. Jahrhundert schließlich in das Staatliche Erziehungsinstitut für Studierende überging; vgl. Deutinger, Schulwesen 544; Wolf, Landshuter Gymnasium 90.

Nachweise

  1. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 372; BSB Cgm 1717 p. 417; AEM H 482a p. 437; BSB Cgm 1718 p. 196; Crammer, Magnifica Sanctitatis 384; AEM H 76 p. 309; Bugniet, Versuch 86f.; AEM H 59 p. 53f.; AEM H 60 p. 134; AEM H 465 fol. 118v; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 213f.; DBMF Hs. 273 Nr. 40; Schlecht, Inschriften I 55 Nr. 46.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 415 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0041505.