Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 410(†) Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1625

Beschreibung

Altar mit Stifterinschriften der Domherrn Wilhelm und Georg Desiderius von Königsfeld, Altarblatt mit Datierung. Der Mariä-Opferungs-Altar im äußeren nördlichen Seitenschiff in der gleichnamigen Kapelle. Um 1803 das Altarblatt durch das Gnadenbild der „Schönen Mutter Gottes auf der Stiegen“ ersetzt1), das Gemälde seitdem im Treppenaufgang zur nördlichen Empore an der Nordwand. Die wohl schon um 1803, spätestens aber 1886/87 beseitigten Stifterinschriften (II, III) wohl in der Predellazone aufgemalt, dazu das Wappen der Stifter. Das Altarblatt Öl auf Leinwand. Darstellung des Tempelgang Mariens in oben gerundetem Rahmen: Tempelinneres als zentralperspektivisch konstruierte Renaissancearchitektur mit Pilastergliederung, im Hintergrund Blick durch eine Arkade in einen gewölbten Altarraum, auf dem Altar die goldene Bundeslade, oberhalb des Scheitelfensters an der Gewölbekappe eine Datierung (I). Im Vordergrund unter einer als Repoussoir eingesetzten verschatteten Säulenarkatur die jugendliche hl. Maria mit gefalteten Händen, rechts neben ihr der reich gekleidete Hohepriester, der sie empfängt; seitlich davor ihre Eltern Joachim und Anna, auf Treppenstufen kniend, dazu ein kleiner schwarz-weißer Hund; diese Hauptgruppe von zahlreichen Tempelbesuchern umgeben.

Standort und Text nach BSB Oefeleana 10, mit Wappennachzeichnung von II und III.

Maße: H. 177 cm, B. 117 cm, Bu. 1 cm (I).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 410(†) – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1625

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    MDCXXV

  2. II.

    Guilielmus a Königsfeld in gitting. decanus / Hanc praesentatae molitus Virginis aram / ad cives abyt, iuxta ultima Vota supernos / Deus meus et Omnia. / 1625.

  3. III.

    Georgius desiderius a Königsfeld, Zaiz et pfachoven / Canonicus / Impensi Socius sumptus et Stirpe propinquus Eiusdem Socius desiderat esse Coronae.

Übersetzung:

Wilhelm zu Königsfeld in Gitting2), Dekan. Als er den Altar der (im Tempel) dargestellten Jungfrau fertiggestellt hatte, ging er weg zu den himmlischen Bürgern, gemäß den letzten Wünschen. Mein Gott, und mein alles. (II)

Georg Desiderius zu Königsfeld, Zaitz-3) und Pfakofen4), Kanoniker, Beteiligter an den hohen Kosten und Verwandter im Stamme, wünscht gemeinsam mit ihm die Krone (des Himmelsbürgers) zu tragen. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Actus beati Francisci et sociorum eius, cap. 1, par. 21. (II)
Wappen:
Königsfeld5).

Kommentar

In einer Altardesignation von 1625 wird die Mariä-Opferungs-Kapelle als fertiggestellt bezeichnet, mit der Erwähnung, die Kapelle sei durch beide H. Khönigsfelder renoviert worden6). Auf die Erneuerung von Kapelle und Altar nimmt auch die durch Oefele überlieferte Inschrift bezug. Von der ersten Altarstiftung durch den Domherrn Johannes Städler 1476 hat sich die Mensaplatte mit Stifterinschrift erhalten, s. Nr. 116.

Wilhelm von Königsfeld zu Gitting war der Sohn des Johann Ulrich von Königsfeld und der Sabina Salome, geb. Rorbeck von Rorbach7). 1584 erhielt er mit Altersdispens ein Kanonikat am Domstift Freising, nahm jedoch erst im folgenden Jahr Possess8). 1593 immatrikulierte er sich an der Universität Dillingen9), 1595 in Siena10) und 1598 in Ingolstadt11). 1599 wurde er Freisinger Domkapitular und 1619 Domdekan12), seit 1604 war er außerdem Domherr in Augsburg13). Er starb am 11. Januar 1625. Eine Jahrtagsmesse besaß er in Weihenstephan14). Für Wilhelm von Königsfeld gab es in der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Wilhelmus de Königsfeld in Göttingen. Decanus. O(biit) A(nn)o 1625. 11. Jan(uarii)15). Die Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Zu Georg Desiderius von Königsfeld vgl. Nr. 459.

Anmerkungen

  1. Weber, Neugestaltung 173; Bauer, Dom als Wallfahrtskirche 279f. u. Anm. 126.
  2. Gitting, Gde. Hagelstadt, Lkr. Regensburg, Opf.
  3. Zaitzkofen, Gde. Schierling, Lkr. Regensburg, Opf.
  4. Pfakofen, Lkr. Regensburg, Opf.
  5. Bay 14 (Tafel 8).
  6. Weber, Neugestaltung 173.
  7. Krick, Stammtafeln 172 Nr. 77A.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 22v.
  9. Matrikel Dillingen I 211, 1593 Nr. 147.
  10. Matrikel Siena I 130 Nr. 2597, 7. November 1595.
  11. AEM H 64 p. 675; Mederer, Annales II 152; Matrikel LMU I Sp. 1376 Z. 4, 20. Juni 1598.
  12. BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris ad 7 p. 5, fol. 14v, Catalogus Canonicorum fol. 22v; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 607 Nr. 52.
  13. Nicht bei Haemmerle, Canoniker; Krick, Stammtafeln 172 Nr. 77A.
  14. BSB Clm 1026 fol. 6v.
  15. AEM H 76 p. 323.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 31; AK Madonna 265.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 410(†) (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0041005.