Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 405† Mariahilfkap. bei der Kollegiatstiftsk. St. Veit (abgegangen) 1624

Beschreibung

Epitaph für den Stiftsdekan Christoph Mayer. Von Oefele um 1734 in der Stiftskirche St. Veit nahe dem Josephsaltar auf der Südseite an der Wand gesehen, um 1800 in der Mariahilfkapelle angebracht1). Wohl im Sommer 1803 ausgebaut und dem Steinmetzen Max Einsele zur Weiterverarbeitung überlassen2). Das Bildfeld in den oberen zwei Dritteln der Platte, von einem flachen Kleeblattbogen mit beschrifteten Seitenpfeilern gerahmt (II, III), darüber am Scheitel ein querovales Medaillon mit Gedenkschrift (I), über dem linken Pfeiler das Oberwappen, rechts der Schild; im Bildfeld Vanitas-Symbole: In der Bildmitte ein Kreuz mit Titulus (IV), dessen Schaft mit flankierender Inschrift (V), am Kreuzfuß ein Totenschädel, links daneben ein Stundenglas, darunter ein Buch mit einer weiteren Inschrift (VI); am linken Bildrand eine ausgelöschte Kerze auf einem Sarkophag, am rechten Bildrand eine Blütenpflanze mit Beischriften (VII); im Hintergrund Wolkenballen mit Sonne und Mond. Unter dem Bildfeld in einer Rollwerktafel die Grabinschrift (VIII).

Standort nach BSB Oefeleana 10, Text und Beschreibung nach der Nachzeichnung in HVO MS. 318.

  1. I.

    Cunctorum finnis / mors ferinnisa) / fovea cinnisb)

  2. II.

    Culpa dolor labor et post / foetor [e]tc) horror

  3. III.

    Haec vita et mors [s]untc) / unde superbis homo

  4. IV.

    INRId)

  5. V.

    in hoc revi//viscit / evanescit // crescite)

  6. VI.

    Quid superbit / terra etf) cinis / ECCL(ESIASTICUS) · I · O · CAP(ITULUM)

  7. VII.

    Florescitg) / decidith) / arescit / sic homoi)

  8. VIII.

    M(agister) Christophorus Mayer Monacensis / Boius Eccl(esi)ae Collegiatae. S. Vitis. (etc.)k) / Decanus sub hoc tumulo, in cinere et / favilla, universa(m)l) carnis et mundi, / huius corruptibilitatis reformatio-/nem : ad generalem diem censorium / exspectare elegit . O(biit) . A(nn)om) D. C. XXIVn). / Die XVVIIo) Januariip).

Übersetzung:

Das Ende Aller; Ewiger Tod; die Aschengrube. (I)

Schuld, Schmerz, Mühe, zuletzt Moder und Schrecken. (II)

Dieses Leben und der Tod sind so, warum bist du Mensch so stolz? (III)

In diesem (Kreuz) wird er lebendig, vergeht und wächst er. (V)

Warum ist Staub und Asche so stolz? Ecclesiasticus 10. Kapitel (VI)

Sie erblüht; sie fällt zusammen; sie verwelkt; so auch der Mensch. (VII)

Magister Christoph Mayer aus München, ein Bayer, Dekan der Kollegiatstiftskirche St. Veit usw., erwählte sich, hier in diesem Grab in Staub und Asche die allgemeine Erneuerung des Fleisches und der Welt aus dieser Verderbnis am Tage des allgemeinen Gerichtes zu erwarten. Er starb im Jahre 1624, am 27. Januar. (VIII)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Sir 10,9. (VI)
Wappen:
Mayer3).

Kommentar

Christoph Mayer stammte aus München. Er immatrikulierte sich 1595 an den Universitäten in Dillingen4) und Ingolstadt5). 1615 erhielt er ein Kanonikat beim Freisinger Kollegiatstift St. Veit6), zu dessen Dekan er 1620 gewählt wurde7). Für ihn bestanden Jahrtagsstiftungen nach St. Veit8) und Weihenstephan9).

Textkritischer Apparat

  1. Wohl irrig für perennis.
  2. Dreizeiliger Text zwischen geschweifte Klammern gestellt, dabei die gemeinsame Endsilbe –mis nur einmal außerhalb der rechten Klammer. Bei BSB Oefeleana 10: Cunctorum Finnis / Mori Vermis / Fovea Cinis mit gemeinsamer Endung –is außerhalb der Klammer.
  3. Anstelle des ersten Buchstabens eingezeichnete Bruchkante.
  4. BSB Oefeleana 10: Text von IV. bis VII. fehlt.
  5. Trennung durch den Kreuzschaft.
  6. et-Ligatur in Form von &.
  7. Über der Pflanze stehend.
  8. Rechts neben der Pflanze stehend.
  9. Unter der Pflanze stehend.
  10. Kürzungszeichen in Form einer Schleife. BSB Oefeleana 10: S.
  11. BSB Oefeleana 10: universae.
  12. o hochgestellt. Datierung bei BSB Oefeleana 10: 16.24. die 27. Jan(uarii).
  13. Irrig für MDCXXIII, s. Kommentar.
  14. Sic, irrig für XXVII.
  15. Letzte Zeile zentriert gesetzt.

Anmerkungen

  1. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 221 prod. 3 p. 9 Nr. 55. Nach Hartig, Stifte II 47f. wurde bei St. Veit 1662 eine Josephsbruderschaft gegründet und kurz darauf ein Altar in der Stiftskirche aufgestellt.
  2. Eine Kurzfassung der Grabinschrift im 1803 erstellten Grabschriftenverzeichnis des Kollegiatstifts St. Veit, s. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 221 prod. 3 p. 9 Nr. 55; Feuchtner/Koschade, Kirchen und Grabdenkmäler 153; s. auch HVO Geissiana 454 p. 18 Nr. 143.
  3. Im Feld eine von zwei sechsstrahligen Sternen flankierte Spitze, darin auf einem Dreiberg eine Glockenblume mit drei Blüten.
  4. Matrikel Dillingen I 225, 1595 Nr. 179.
  5. Matrikel LMU I Sp. 1324 Z. 3, 24. Juli 1595.
  6. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 11 fol. IIr; AEM H 408 p. 612.
  7. AEM H 408 p. 596; Prechtl, St. Veit 102; Glaser, Grabsteinbuch 387. Das Todesdatum auch bestätigt in AEM FS 118 p. 112.
  8. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 120, 408; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 5v.
  9. BSB Clm 1026 fol. 10v.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 472f.; HVO Ms. 318 fol. 105r; Glaser, Grabsteinbuch 386f. Nr. 231.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 405† (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0040508.