Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 402 Domkreuzgang 1376/(1622)

Beschreibung

Fragment einer Gedenkplatte für den sel. Batho. In der Sebastianskapelle am Domkreuzgang vor der Westwand auf einem Sockel. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Andreas im Chorboden südlich des Hochaltars1), 1622 im Rahmen von Baumaßnahmen im Chor hinter den Hochaltar an die Wand versetzt und dabei die zuvor vermutlich unbeschriftete Grabdeckplatte mit der Inschrift versehen2). Nach dem Abbruch der Stiftskirche 1804 die Gebeine nach Nandlstadt transferiert3), die Gedenktafel zunächst am Ökonomiegebäude des Klerikalseminars angebracht, später in der Martinskapelle aufbewahrt, 1901 in den Domkreuzgang an den Eingang zur Benediktuskirche4) und 1946 in die Domkrypta neben den Alexanderaltar5) versetzt, seit 1957 am heutigen Standort. Grauer Kalkstein. Ehemals querrechteckige Platte mit Inschrift in Scriptura continua. Schwer beschädigt, erhalten ist nur der linke Teil.

Ergänzt nach Rader, Bavaria Sancta.

Maße: H. 91 cm, B. 108 cm, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 402 – Domkreuzgang – 1376/(1622)

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. [H]OCa) SVB SAXO DIVI [BATHONIS CORPVS QVON]/DAM REQVIEVIT QVOD [TANDEM A(NNO) D(OMINI) MCCCLXXVI.] / CVM RELIQ(VI)IS S(ANCTO)R(VM)b) SIXTI PAPAEc) [ET HILARIAE SODALIVMQUE] / EIVS IN ARAM: RVRSVSQ(VE) A(NNO) M. [DXVII. VNACVM ALTARI] / IN SACELLVM S(ANCTI) VDALRICI OB [COMMODITATEM TRANS]/LATVMd) [EST]e)

Übersetzung:

Unter diesem Stein ruhte einst der Leib des sel. Batho, der schließlich im Jahre des Herrn 1376 zusammen mit den Reliquien der Heiligen, des Papstes Sixtus und der Hilaria und ihrer Gefährtinnen in den Altar und wieder zusammen mit dem Altar aus Zweckmäßigkeit im Jahre 1517 in die Kapelle des hl. Ulrich überführt wurde.

Kommentar

Während sich die meisten Buchstabenformen der Kapitalis nahtlos in den Entwicklungsstand dieser Schriftart um 1600 einfügen – kenntlich am E mit kurzem Mittelbalken und langem unteren Balken –, gibt sich das Formular bewußt altertümlich, besonders deutlich am Textanfang HOC SVB SAXO. Außerdem ist der Text angereichert mit einigen für das 17. Jahrhundert ungewöhnlichen Kürzungen (Kürzung des V in RELIQVIS mittels Schrägstrich durch die Cauda des Q; Kürzung bei SSR für SANCTORVM in Form von zwei S mit zusätzlich hochgestelltem R, dabei dessen Cauda mit Schrägstrich) sowie Variationen der Cauda des Q (konkav bogenförmig oder geschwungen). Die ausgesprochen engen Wortabstände bieten das Bild einer Scriptura continua. Es handelt sich insgesamt um ein bewußt historisierendes Arbeiten mit dem Ziel, dem Textinhalt eine adäquate äußere Form gegenüberzustellen. Zu den Schriftformen s. auch Einleitung CXV.

Der sel. Batho wurde der Überlieferung nach von Bischof Ellenhard († 1078, Nr. 34) als Kaplan nach Freising gerufen. Er gehörte dem Kollegiatstift St. Andreas an. Bevor er nach Freising kam, war er Mönch des Klosters Innichen im Pustertal und Missionar unter der dort ansässigen slawischen Bevölkerung6). Seine breite Verehrung dürfte dabei einer Wundergeschichte zuzuschreiben sein, die ihre Entsprechung im Neuen Testament findet: So wird berichtet, er habe die zu missionierenden Slawen auf wunderbarliche Weise mit Brot gespeist7). Ab dem 15. Jahrhundert wurde in der Diözese München-Freising am 31. Juli das Fest des sel. Batho gefeiert, neuerdings am 30. Juli8).

Nach der Versetzung der Grabdeckplatte hinter den Hochaltar wurde ein kleiner Stein auf der Südseite des Chors angebracht, der auf die Grabstelle verwies, s. Nr. 403†.

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Gekürzt SS, das R hochgestellt.
  3. Nachfolgender Text dieser Zeile nicht bei AEM H 118 und Crammer.
  4. Vergrößerter Versal L.
  5. Die letzte Zeile zentriert gesetzt.

Anmerkungen

  1. Meichelbeck, Historia Frisingensis I,1 274f.
  2. Rader, Bavaria Sancta III 126f.; Rader, Bayer-Land 83.
  3. Goerge, Batho 120; Nandlstadt, Lkr. Freising.
  4. Prechtl, St. Andreas 18; Schlecht, Inschriften III 74; Zanker, Benediktuskirche Nr. 4, 14; Goerge, Batho 118.
  5. Zanker, Benediktuskirche Nr. 4, 14; Alckens, Freising 134 Anm. 40.
  6. Goerge, Batho 118; Pfister, St. Andreas 139; Innichen (San Candido), Südtirol, Italien.
  7. Meichelbeck, Historia Frisingensis I,1 274; Goerge, Batho 118.
  8. Goerge, Batho 119; Freunde Gottes 104.

Nachweise

  1. Rader, Bavaria Sancta III 128f.; Rader, Bayer-Land 83; Meichelbeck, Historia Frisingensis I,1 274; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 161 fol. 11r, fol. 343v; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 22; Crammer, Magnifica Sanctitatis 190; AEM H 118 p. 411; AEM H 408 p. 396; HVO Ms. 788 fol. 74r; AEM H 270; Prechtl, St. Andreas 18; Schlecht, Inschriften III 74 Nr. 41; Goerge, Batho 118.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 402 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0040204.