Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 400 Domkreuzgang 1621

Beschreibung

Epitaph für den Domkustos Georg Fuermann. Im Nordflügel im zweiten Joch an der Südwand. Ursprünglich wohl ebenfalls im Nordflügel, seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Im Bildfeld, das die oberen beiden Drittel einnimmt, Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, nach rechts gewandt auf den Stufen eines Altars kniend, die Hände mit Rosenkranz zum Gebet gefaltet; vor ihm auf der Altarmensa ein offenes Buch und ein Kruzifixus mit Titulus (I), links neben diesem drei aufgereihte Bücher mit Schließen, davor das Birett des Kanonikers; rechts neben dem Kruzifixus ein Stundenglas und eine Taschenuhr; an der dem Betrachter zugewandten Altarflanke das Vollwappen des Verstorbenen; die vordere Kante des Altars mit einem geflügelten Puttenkopf besetzt, unten eine Volute; im Hintergrund eine durch ornamental verzierte ionische Pilaster gegliederte Arkadenwand, dabei die mittlere Arkade gegen ein Rundbogenfenster mit querovalem Oberlicht geöffnet, im Durchblick eine Landschaftsvedute mit Kirchengebäude. Unter dem Bildfeld die Inschrift (II) in einer querformatigen Tafel, diese an den Schmalseiten auf den Gesimsen eingezogener Volutenkonsolen aufsitzend. Vor allem in der unteren Plattenhälfte mehrere kleine Fehlstellen.

Maße: H. 157 cm, B. 72 cm, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 400 – Domkreuzgang – 1621

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    INRI

  2. II.

    ADM(O)D(V)Ma) R(EVEREN)dusb) NOBILIS, ET CLARISS(IMVS) VIR D(OMI)N(V)S / GEORGIVS FVERMAN TH(EOLOGIAE) D(OCTOR) CATHEDRALIS / ISTIVS ECCL(ESI)AE CANONICVS etc) SVMMVS CVSTOS / SERENISS(im)id) ILLVSTRISS(IMO)rume) AC R(EVERENDISSI)morumf) FRISINGENSI=/VM EP(ISCOP)ORVM ERNESTI, STEPHANI, VITI ADAMI, / CONSILIARIVS, PERSOLVTO PRIDIE NATIVITA=/TIS D(OMI)NI ANNO MDC.XXI. NATVRAE DEBITO, CVM / SOBRIE IVSTE ET PIE VIXERIT IN HOC SECVLO, / ADVENTVM GLORIAE MAGNI DEI etc) SALVATORIS / NOSTRI IESV CHRISTI SVB HOC TVMVLO BEATAE / SPEI PLENVS EXPECTATg) .

Übersetzung:

Der überaus hochwürdige, edle und sehr berühmte Mann Herr Georg Fuermann, Doktor der Theologie, Kanoniker und höchster Kustos dieser Domkirche, Rat der durchlauchtigsten, vornehmsten und hochwürdigsten Freisinger Bischöfe Ernst, Stephan, (und) Veit Adam nachdem er am Vortag der Geburt des Herrn im Jahre 1621 der Natur die Schuld bezahlt hat, erwartet er voll seliger Hoffnung, da er mäßig, gerecht und fromm in dieser Welt lebte, unter diesem Grabmal die Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Erlösers Jesus Christus. (II)

Datum: 1621 Dezember 24.

Wappen:
Fuermann1).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXVI.

Das Epitaph wird von Sigmund Benker dem Weilheimer Bildhauer Philipp Dirr zugeschrieben2).

Georg Fuermann kam als Sohn von Paul Fuermann und seiner Frau Ursula, geb. Rabensteiner, in Straubing zur Welt3). Er studierte 1584 an der Universität Dillingen4), bevor er 1585 sein Studium an der Universität Ingolstadt5) fortsetzte. 1592 wurde er Chorherr des Freisinger Kollegiatstifts St. Andreas und amtierte von 1592 bis 1605 auch als dessen Pfarrer6). 1602 erhielt er aufgrund päpstlicher Empfehlung ein Kanonikat am Freisinger Domstift7). Laut Inschrift war er Rat der Bischöfe Ernst (1566–1612, Nr. 293), Stephan (1612–1618, Nr. 386) und Veit Adam (1618–1651, Nr. 470). 1618 wird Fuermann als Benefiziat von St. Georg zu Weng genannt8). Im Jahre seines Todes, 1621, bekleidete er außerdem das Amt des Domkustos9). Für ihn bestand eine Jahrtagsmesse in St. Andreas10).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: GEORGIVS FVRMAN D(OCTO)R CAN(ONICVS) ET / CVSTOS O(BIIT) A(NN)O 1621. 24 DEC(EMBRIS)11).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Endung dus hochgestellt.
  3. et-Ligatur in Form von &.
  4. i hochgestellt.
  5. Endung rum hochgestellt.
  6. Endung morum hochgestellt.
  7. Letzte Zeile zentriert gesetzt. Schlußpunkt quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. Aus einem Dreiberg wachsend ein mit Rock und Hut bekleideter Mann, in der Rechten einen Hammer haltend.
  2. Benker, Philipp Dirr 117f.
  3. AEM Nachlaß Boegl Nr. 34 (Domherren 4).
  4. Matrikel Dillingen I 153, 1584 Nr. 123.
  5. Matrikel LMU I Sp. 1161 Z. 4, 27. November 1585.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 13br; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 54; nicht in AEM FS 118; Prechtl, St. Andreas 90, 112, 114.
  7. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 13br.
  8. Uttendorfer, Seminarium 151; Weng, Gde. Fahrenzhausen.
  9. Birkner, Freisinger Stiftschorherrn 4 bzw. 547 (Sonderdr.).
  10. AEM H 484 p. 387 Nr. 22.
  11. Vgl. AEM H 482a p. 299; BSB Cgm 1718 1 nach p. 122; AEM H 465 fol. 77r.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 136; BSB Cgm 1717 p. 246; AEM H 76 p. 335; AEM H 482a p. 298f.; BSB Cgm 1718 p. 121f., 1 nach p. 122; HVO Ms. 318 fol. 84r; AEM H 477 p. 763f.; AEM H 61 p. 217; AEM H 465 fol. 76r, 77r; HVF U XI 11 p. 19f. Nr. 135; Prechtl, St. Andreas 90; Schlecht, Inschriften V 33f. Nr. 50, Taf. XXIX; Benker, Philipp Dirr 117f., 156; Glaser, Grabsteinbuch 372f. Nr. 200.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 400 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0040008.