Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 395 Benediktusk. 1619

Beschreibung

Epitaph für den Domdekan Johann Christoph Herwart von Hohenburg. Im südlichen Seitenschiff an der Südwand. Wohl im Zuge der Barockisierung von Domkreuzgang und Benediktuskirche 1716 von der Barbarakapelle in die Johannes-Ev.-Kapelle versetzt1). Adneter Kalkstein. Im Bildfeld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, nach rechts gewandt vor einem Kruzifixus auf einem Betschemel kniend, in den zum Gebet gefalteten Händen ein kleines Kreuz und eine Gebetszählschnur (sog. Zehner), vor ihm auf dem Boden sein Birett, rechts neben ihm sein Vollwappen; der Kruzifixus mit Titulus (I); im Hintergrund als Flachrelief Hügellandschaft mit Stadtansicht, am Himmel Wolkenballen; oberer Abschluß des Bildfeldes durch einen aus zwei Spangen bestehenden eingezogenen Bogen, der auf Volutenkonsolen ruht, in den Zwickeln je ein Blütenornament. Unter dem Bildfeld auf einer Rollwerktafel die Grabinschrift (II). Am linken und rechten Plattenrand zwei vertikale Leisten, darin die zweiunddreißigfache Ahnenprobe mit Wappenbeischriften (III).

DI 69, Nr. 395 – Benediktusk. – 1619

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

Maße: H. 236 cm, B. 117 cm, Bu. 2,3 cm (I, III), 0,5 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. I.

    INRI

  2. II.

    MONVMENTVMa), NOBILISa), AC, REVER=/ENDIa), DOMINIa), IOANNISa), CHRISDOPHORIb), / HERWARTa), AB, HOHENBVRGa), V(TRIVSQVE) I(VRIS) D(OCTORIS) ET, / CATHEDRALISa), HVIVS, ECCLESIAEa), / OLIM, DECANIc) · ANNOa), 1619d) MI(HI)e), DOMVS, HAEC, REQVIES, CARA=/RVMf), SOLA, MEARVMg) OMNIBVSa), / VNA, MEIS, CERTA, MEDELA, MALIS, / TVa), MIHI, QVI, TRANSIS, PACEM, / REQVIEMQVE, PRECAREh) ACa), VITAE, / NVMERANS, TEMPORA, DISCEh), MORIi)

  3. III.

    HERWART2)  WELSER3) 
    V(ON) QVERA4)  RIDLER5) 
    REHM6)  LAVINGER7) 
    BACH8)  LANGENMANDL / V(ON) SPAR9) 
    RAISER10)  VOHLIN11) 
    ROTH12)  IMHOFF13) 
    STEBENHOBER14)  SCHADT15) 
    FVNKH16)  EHINGER17) 
    SCHELENBERG18)  GRANDLER19) 
    DIEMAN20)  FVCHSMAGEN21) 
    IMLER22)  FVGGER VON / RECH23) 
    FVRST24)  STAMLER25) 
    RIDLER5)  REHLINGER26) 
    ERDORFFER27)  WILPRECHT28) 
    WEIS29)  ECHER30) 
    PFISTER31)  ERDTWEIN32) 

Übersetzung:

Denkmal des edlen und hochwürdigen Herrn Johann Christoph Herwart von Hohenburg, Doktor beider Rechte und einst Dekan dieser Domkirche, im Jahre 1619. Mir ist dieses Haus die einzige Ruhe meiner Sorgen, für all meine Gebrechen das einzig sichere Heilmittel. Du, der du vorübergehst, erbitte Frieden und Ruhe für mich und zähle die Zeit deines Lebens und lerne zu sterben. (II)

Versmaß: Distichen. (II, MIHI bis MORI)

 
Wappen:
Herwart von Hohenburg2).

Ahnenprobe:

s. Inschrift III.

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXV.

Einige voneinander abhängige Kopialen beenden die Grabinschrift mit dem genauen Sterbevixit 64, obyt . 10 January A(nn)o M: D: C.XVIIII33). Dabei handelt es sich jedoch um eine willkürliche Textergänzung, die in davon unabhängigen Kopialen derselben Zeit keine Bestätigung findet.

Aus den Domkapitelsprotokollen geht hervor, daß man den Entwurf für den Grabstein bei einem Philips genant in der Segerschmidten – gemeint ist der Weilheimer Bildhauer Philipp Dirr – in Auftrag gab34). Gleichwohl scheint die Platte 1620 noch nicht angefertigt worden zu sein, denn in diesem Jahr stellte das Domkapitel einem Mitglied der Familie Herwart die Ausführung erst in Aussicht, da wür an sollchen leuthen Stainmezen in etwas mangel sehen35) – womit fraglich ist, ob auch die Bildhauerarbeit von Dirr stammt. Sofern ein Familienmitglied die Ausführung in die Wege leite, würde das Domkapitel dafür bezahlen und außerdem die Aufstellung übernehmen.

Johann Christoph Herwart entstammte einer Augsburger Patrizierfamilie. Er war der Sohn des Hans Paul Herwart von Heimhofen und der Magdalena, geb. Welser von Solln36). 1552 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt37) und studierte später auch in Verona, Toul und Douai38), 1558 in Freiburg39), schließlich 1574 nochmals in Ingolstadt40). Er war seit 1580 Domherr in Freising41), ab 1584 Domkustos und Scholaster42) und von 1592 bis 1610 Propst der Freisinger Kollegiatstiftskirche St. Johannes Baptist43). 1610 wurde er zum Domdekan gewählt44), 1612 promovierte er an der juristischen Fakultät der Universität Ingolstadt45). Bis 1612 war er außerdem Inhaber des Heiliggeist-Benefiziums in Partenkirchen46). Johann Christoph Herwart starb am 10. Januar 1619.

Zwei seiner Brüder – der Stiftskanoniker von St. Andreas, Johann Paul († 1631, Nr. 348†), und der Hauptmann Hans Karl († 1626, Nr. 411) – liegen ebenfalls in Freising begraben.

Im nördlichen Seitenschiff der Benediktuskirche gibt es außerdem eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / IO(HANNES) / CHRISTO(PH) HER=/WART . D(OCTO)R DEC(RETORVM) / O(BIIT) 1619. 10. IAN(VARII) / +47). Diese Platte befand sich vor 1830 im südlichen Seitenschiff.

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Sic! Vergrößerter Versal.
  3. Vergrößerter Versal, nachfolgendes Worttrennzeichen paragraphenförmig.
  4. Nach der Jahreszahl ein die Zeile füllendes Blattornament.
  5. Vergrößerter Versal; HVO Ms. 318: irrig M(a)g(iste)r.
  6. Wohl irrig für CVRARVM.
  7. Nachfolgendes Worttrennzeichen paragraphenförmig.
  8. Worttrennzeichen in der Regel hakenförmig auf der Grundlinie.
  9. Nachfolgendes Worttrennzeichen paragraphenförmig, darunter in der letzten Zeile zwei gegengerollte Blattvoluten.

Anmerkungen

  1. Eckher teilt um 1700/10 mit, der Körper des Verstorbenen ruhe in der Barbarakapelle, während sich das Epitaph auf der Epistelseite in der Johannes-Ev.-Kapelle befinde, s. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 19v. Prey dagegen gibt um 1720 an, das Epitaph sei der dritte Stein im nördlichen Schiff, s. AEM H 58 p. 62a.
  2. BayA1 74 (Tafel 74); Hohenburg, Markt Lenggries, Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen.
  3. Bay 63 (Tafel 67).
  4. Quadriert, in jedem Feld eine Blüte.
  5. BayA1 25 (Tafel 21).
  6. Bay 105 (Tafel 128).
  7. BayA1 79 (Tafel 79).
  8. BayA1 66 (Tafel 66).
  9. BayA2 110 (Tafel 69).
  10. WüA 60 (Tafel 39).
  11. Si1 208.
  12. Wü 11 (Tafel 13).
  13. Bay 41 (Tafel 40).
  14. BayA3 93 (Tafel 60).
  15. Bay 109 (Tafel 133).
  16. BayA1 70 (Tafel 69).
  17. BayA1 34 (Tafel 30).
  18. BayA1 89 (Tafel 91).
  19. BayA1 140 (Tafel 145).
  20. Auf einem mit einem Ring belegten Dreiberg ein linksgewandter schreitender Eber.
  21. Si3 105.
  22. Bienenkorb.
  23. BayA1 99 (Tafel 97).
  24. Bay 78 (Tafel 88).
  25. Bg6 16.
  26. Bay 53 (Tafel 54).
  27. BayA1 69 (Tafel 68).
  28. BayA1 62 (Tafel 63).
  29. Drei Greifenköpfe zwei zu eins gestellt.
  30. Geteilt, oben und unten ein sechsstrahliger Stern.
  31. BayA1 84 (Tafel 83).
  32. Steinbock.
  33. HVO Ms 318 fol. 83r; AEM H 477 p. 763; HVF U XI 11 p. 19 Nr. 134, hier irrige Jahreszahl 1624; Deutinger, Schulwesen 513; Glaser, Grabsteinbuch 372f. Nr. 199
  34. AEM DK 30 fol. 110r, 5. März 1619; Benker, Philipp Dirr 116, 157 und Abb. 34.
  35. AEM DK 27 fol. 277v-278r, 24. März 1620.
  36. Leoprechting, Hörwarthe 201.
  37. Matrikel LMU I Sp. 689 Z. 1, 18. Februar 1552.
  38. Leoprechting, Hörwarthe 201.
  39. Matrikel Freiburg I 437 Nr. 111, 22. Oktober 1558.
  40. Matrikel LMU I Sp. 1003 Z. 35, 21. Dezember 1574.
  41. AEM H 61 p. 106.
  42. Geiß, Kemnater 146.
  43. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Johannis Baptistae Frisingae fol. 27v, Catalogus Canonicorum fol. 19v; AEM FS 118 p. 73.
  44. BayHStA HL Freising Nr. 580, 1610, Abschrift eines Schreibens vom 21. Juli 1610; BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris ad 7 p. 5, fol. 14r; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 607 Nr. 51.
  45. Resch/Buzas, Doktoren 88, 26. September 1612.
  46. Deutinger, Schulwesen 513; Partenkirchen, Markt Garmisch-Partenkirchen, Lkr. Garmisch-Partenkirchen.
  47. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 213; AEM H 76 p. 297, 321; Schlecht, Inschriften IV 110 Nr. 27.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 217-221; BSB Cgm 1717 p. 363; AEM H 482a p. 390, 393; BSB Cgm 1718 1 vor p. 170, p. 172; BayHStA Oefeleana Nr. 25 prod. Joannes Georgius Herwartus; AEM H 76 p. 330; HVO Ms. 318 fol. 83r; AEM H 477 p. 763; AEM H 61 p. 70f.; AEM H 58 p. 65 (-);AEM H 465 fol. 102v, 104r, 104v; Deutinger, Schulwesen 512f.; HVF U XI 11 p. 19 Nr. 134; Schlecht, Inschriften IV 98f. Nr. 10, Taf. XXIII; Benker, Philipp Dirr Abb. 34; Glaser, Grabsteinbuch 372f. Nr. 199.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 395 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0039508.