Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 391 München, Bayerisches Nationalmuseum 1619

Beschreibung

Epitaph für den Stiftskanoniker Christoph Pirkhner. Im Depot. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Veit nahe dem Stephansaltar auf der Nordseite an der Wand1), wohl im Sommer 1803 ausgebaut und im Dombereich gelagert, die Platte im Oktober 1879 über das königliche Landbauamt an das Bayerische Nationalmuseum abgegeben2) (Inv.-Nr. R 6812). Rotmarmor. Die Platte mit zwei übereinander angeordneten Bildfeldern. Oben Darstellung Christi am Ölberg: In der linken Bildhälfte Christus auf einem Felsenhügel kniend, nach links gewandt, vor ihm ein auf einer Wolkenbank herannahender Engel mit langem Kreuzzstab, der ihm den Kelch reicht; rechts von ihm, durch Felsen und Bäume gerahmt, die den Eingang zum Ölberg durchschreitenden römischen Soldaten, angeführt von Judas, im Hintergrund eine Stadtansicht, unterhalb die drei schlafenden Jünger. Im unteren Bildfeld links ein Arkadenpfeiler mit ornamentierter Kassettierung und einem Viertelkreisbogen; in der Bildmitte ein Kruzifixus mit Titulus (I) vor einem Wolkenkranz; links davor der im Chorgewand mit Almucia auf einem Betpult kniende Verstorbene, in den zum Gebet gefalteten Händen eine Gebetszählschnur (sog. Fünfer), vor dem Betpult sein Wappenschild in einer Volutenkartusche; rechts des Kruzifixes die Grabinschrift (II) in einer Schrifttafel, diese unten mit gesockelten Volutenanschwüngen, oben geohrt und mit Volutenspangen abschließend, als Bekrönung ein geflügelter Puttenkopf. Zahlreiche Schadstellen und Auswitterungen, mit Textverlust auf der Schrifttafel (II).

DI 69, Nr. 391 – München, Bayerisches Nationalmuseum – 1619

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/2]

Maße: H. 139 cm, B. 81,5 cm, Bu. 1,5 cm (I), 1,0 cm (II Z. 1), 1,4 cm (II Z. 2-14), 1,1 cm (Z. 15, 16).

Schriftart(en): Kapitalis, Humanistische Minuskel (II Z. 2).

I.

  1. INRI

II. Text ergänzt nach BSB Oefeleana 10.

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO)a) / R(EVEREN)dusb) AC VEN(ERABILIS)c) D(OMI)N(V)Sc) CHRISTOc)=/PH[ORV]S PYRKHN[ER]c) / COLL(E)G(IA)TAE HVI(VS) Sc): V[IT]Ic) / EC(CLES)IAEc) CAN(ONICVS) SEN[IO]R [Q]VI / ALIAS DE ILLA BE[NE] ME[RITVS] / ET HVI(VS) ALTARIS S: [S]TEF[F]AN[I] / TABVLAM DE INT[EGR]O EREX[IT.] / SA[C]ELLI VETVSTA[TEM RESTAVRAVIT,] / SVB[S]ELLIISd) [EXORNAVIT, AC VI=]/VVS IN SEPVLTVRAM [SIBI] DES[TI=]/NAVIT MIGRANS EX MO[RT]AL[I HAC] / AD IMORTALEM VIT[AM.] / A(NN)Oe) M∙D[∙C∙]XIX∙ VLT(IMA)c) [FEBRVARII.] / [C]VIV[S] AN[I]MA [V]T D[EOc) / VIV]AT, PRECARE V[IATOR.]

Übersetzung:

Dem besten, größten Gott. Der hochwürdige und ehrwürdige Herr Christoph Pirkhner, Kanoniker, Senior der Kollegiatstiftskirche St. Veit, der überhaupt sich um jene sehr verdient gemacht hat und die Tafel des Altars des St. Stephan von neuem errichtete. Er restaurierte die Kapelle wegen ihres hohen Alters, schmückte sie mit Kirchenbänken aus und bestimmte (die Kapelle) zu Lebzeiten für sich als Grabstätte. Er übersiedelte aus diesem sterblichen Leben in das unsterbliche Leben. Im Jahre 1619 am letzten (Tag des) Februar. Damit seine Seele bei Gott lebe, bete Wanderer.

Datum: 1619 Februar 28.

 
Wappen:
Pirkhner3).

Kommentar

Christoph Pirkhner wurde 1604 Kanoniker des Kollegiatstifts St. Veit4). Er stiftete ein Gemälde mit der Darstellung des hl. Veit, auf dem sein Wappenschild abgebildet war5), und veranlaßte eine Meßstiftung6).

Die Grabinschrift Pirkhners s. Nr. 397†.

Textkritischer Apparat

  1. Erste Zeile zentriert gesetzt.
  2. Vergrößerter Versal; dus hochgestellt.
  3. Vergrößerter Versal.
  4. Sic, für SVBSELLIA.
  5. Das A mit geschwungenem linken Schaft, einer begleitenden Zierlinie und kurzem, diagonalem Mittelbalken; O kreisförmig und stark verkleinert hochgestellt.

Anmerkungen

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 411.
  2. BNM Erwerbungsakten ER0558 (Kasten 12).
  3. Marke in Schild: Schaft mit Kopfkreuzsprosse und hinterlegtem Buchstaben Z, an dessen unterem Balken hinten ein sechsstrahliger Stern.
  4. AEM H 126 p. 100; AEM H 408 p. 612; AEM FS 118 p. 134.
  5. BSB Oefeleana 10 IV p. 424.
  6. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 112, 310; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 1r.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 411f.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 391 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0039102.