Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 387 Benediktusk. 1618

Beschreibung

Wappenplatte für Dompropst Anton Welser. Im südlichen Seitenschiff an der Südwand. Heller Kalkstein. Wohl seit 1716 am heutigen Standort. Die zentriert gesetzte Inschrift in den oberen zwei Dritteln der Platte, unten das Wappen des Verstorbenen im Lorbeerkranz. Die Randbereiche, besonders an der unteren Schmalseite der Platte, mit stärkeren Oberflächenschäden; die untere Hälfte des Lorbeerkranzes und der Wappenschild vollständig zerstört.

Maße: H. 159 cm, B. 68 cm, Bu. 4,5 cm (Z. 1, 12, 13), 3,8 cm (Z. 2, 3), 2,8 cm (Z. 4-11, 14-16).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 387 – Benediktusk. – 1618

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. CHRISTOa). LIBERATORIb). / ANTONIVSa) . VELSERVSa) [.] / MATTHAEI . F(ILIVS) . ANT(ONII) . N(EPOS) . / PATR(ICIVS) . AVG(VSTANVS) . S . THEOL(OGIAE) . D(OCTOR) . / CATH(EDRALIS) . ECCL(LESIAE) . FRIS(INGENSIS) . PRAEP(OSITVS) . / PRAECLARISS(IMORVM) . VIRTVTVM . LAVDE . MAGNVSc) . / INGENIId) . EXCELLENTIA . / DOCTRINAE . PRAESTANTIA . / LINGVARVM . PERITIA . / SVMMIS . COMPARANDVS . / BONIS . OMNIBVS . CHARVS . / VIXITa) . AN(NOS)e) . LXVI . M(ENSES) . XI. D(IES) . II . X [.] / OBIITd) . XI . K(ALENDAS) . OCT(OBRIS) . A(NNO) C(HRISTI) . MDCXIIX . / HAEREDESa) . EX . TEST(AMENTO) . MOER(ENTES) . P(OSVERVNT)f) / LIVOR . QVIESCE . / BONVS . BENE . PRECAREg) .

Übersetzung:

Christus dem Befreier. Anton Welser, Sohn des Matthäus, Enkel des Anton, Patrizier von Augsburg, Doktor der heiligen Theologie, Propst der Freisinger Domkirche, groß an Lob wegen seiner hoch ausgezeichneten Tugenden, seines herausragenden Charakters, seiner vorzüglichen Bildung, seiner Kenntnis der Sprachen, war er mit den Tüchtigsten zu vergleichen. Er war allen Guten lieb. Er lebte 66 Jahre, 11 Monate, 12 Tage. Er starb am 11. Tag vor den Kalenden des Oktober im Jahre Christi 1618. Die trauernden Erben ließen dem Vater gemäß dem Testament (dies) setzen. Ruhe Neid. Guter, bete wohl.

Datum: 1618 September 21.

Wappen:
Welser1).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXV.

Anton Welser wurde am 2. Oktober 1551 als Sohn des Augsburger Patriziers Matthäus I. Welser, Sohn von Anton II. Welser – der inschriftlich genannte Großvater –, und der Anna, geb. Bimmel, geboren2). Er studierte in Padua, Bologna3), Tübingen4) und mit seinen Brüdern Anton und Matthäus 1564 an der Universität Ingolstadt5). In Padua wurde er 1584 zum Doktor der Theologie promoviert6). 1580 bis 1586 war er Chorherr bei Unserer Lieben Frau in München7), außerdem wurde er 1584 Domherr in Freising8), 1587 Pfarrer zu Waidhofen9), 1606 Propst zu Isen10), 1611 Koadjutor des Freisinger Dompropstes und 1612 Dompropst11), dazu kam eine Pfründe als Propst des Stifts St. Nikolaus in Spalt12). Anton Welser besaß eine große Bibliothek und verfaßte einige Werke zu historischen und staatstheoretischen Themen13). Entgegen der Datierung auf der Wappenplatte gibt Eckher als Todestag den 20. September an14), vgl. die Tagesangabe auf der Grabplatte (Nr. 388†). 1593 hatte Anton Welser einen Ornat an die Domkirche gestiftet, s. Nr. 336a†.

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Vergrößerter Versal. Nachfolgend ein grosser Abstand zur nächsten Zeile.
  3. Letzter Buchstabe verkleinert und hochgestellt.
  4. II in Form eines vergrößerten I-Schaftes.
  5. Nachfolgend dünne Linien über römischen Zahlzeichen, dienen der Unterscheidung der Zahlzeichen vom übrigen Text.
  6. Gekürzt PP.
  7. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. Wappenbild erloschen. Das erhaltene Oberwappen ist das der Welser in Gestalt eines offenen Fluges, der mit je einer Lilie belegt ist, vgl. Bay 63.
  2. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 69r; Welser, Die Welser I 213.
  3. Knod, Studenten 619 Nr. 4127.
  4. Hermelink, Matrikeln Tübingen I 413, 8. September 1560.
  5. Mederer, Annales I 279; Matrikel LMU 1 Sp. 860 Z. 42, 1. November 1564.
  6. Welser, Die Welser I 213.
  7. AEM FS 118 p. 350; Geiß, Pfarr- und Ortsvorstände 40 Nr. 71; Pfister, Kollegiatstift ULF Kap. Personal 429.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 69r.
  9. Friess, Waidhofen 135 Nr. 85.
  10. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Zenonis in Isen fol. 39r; AEM FS 118 p. 188; Isen, Lkr. Erding.
  11. BSB Cgm 1716 Catalogus Praepositorum Frisingensium Ecclesiae Cathedralis fol. Fv, 6v, Catalogus Canonicorum fol. 69r.
  12. Falckenstein, Antiquitates Nordgavienses II 290; Spalt, Lkr. Roth, Mfr.
  13. Schlecht, Inschriften IV 97f.; Benker, Dombibliothek 420 Nr. VI.23.
  14. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 69r.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 222f.; AEM H 482a p. 1031, 1042; BSB Cgm 1718 p. 518, 1 nach p. 530; HVO Ms. 318 fol. 83r; AEM H 477 p. 763; AEM H 61 p. 18; AEM H 58 p. 27 (-);AEM H 465 fol. 273v, 277v; HVF U XI 11 p. 19 Nr. 133; Schlecht, Inschriften IV 97 Nr. 9; Glaser, Grabsteinbuch 371f. Nr. 198.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 387 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0038704.