Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 385 Neustift, Pfk. St. Peter und Paul nach 1617

Beschreibung

Zwei Fragmente einer figuralen Gedenkplatte für Propst Johannes III. Dollinger. Im Vorraum der Krypta an der Ostwand. Beide Fragmente wurden bei Restaurierungsmaßnahmen im Frühjahr 1973 vor der Kirche gefunden1). Tegernseer Kalkstein. Erhalten sind das linke obere Viertel der Platte und der größte Teil der rechten Hälfte. Rekonstruktion der Platte: In der oberen Hälfte vor einer Muschelnische Brustbild des Verstorbenen als Propst mit Almucia aus Hermelin, in der linken Hand eine Gebetszählschnur (sog. Zehner) und ein Buch, in seiner Rechten der Abtsstab; in den Bogenzwickeln der Muschel zwei geflügelte Puttenköpfe, ein dritter Puttenkopf am unteren Bildrand in der Mitte (davon die rechte Flügelspitze erkennbar); in der rechten unteren Ecke des Bildfeldes ein Wappenschild. In der unteren Hälfte der Platte in einem Rahmen mit Roll- und Beschlagwerk die erhaben gearbeitete Grabinschrift.

Maße: Fragment 1: H. 33,5 cm, B. 48 cm; Fragment 2: H. 105 cm, B. 34 cm, Bu. 2,1 (Z. 1), 2,8 cm (Z. 3), 2,5 cm (Z. 2, 4-8), 2,4 cm (Z. 9, 10).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 385 – Neustift, Pfk. St. Peter und Paul – nach 1617

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. – – –]E / [– – –]O · CONSPERGE LIQVOREa) / [– – –]LO · PRAESVLIS OSSA · PIIb)/ [– – – IN] CHRISTO · P(AT)RI · AC · D(OMI)NO · D(OMINO) · / [MONASTER]IIc) · HVIVS · PRAEPOSITO / [– – –]N · REGIMINE · ANNIS / [– – –]d) NON(AS) · NOVEMB(RIS) ANNI / [– – –] ADMODVM · ITEM / [– – –P]ATER · AC · D(OMI)N(V)S · D(OMINVS) · / [– – – P]OSITVRA · SVCCES=/[SOR – – – E]RGO · HOC · MONV=/[MENTVM POS]VIT · ANNO · SALVT/[IS – – –

Wappen:
Dollinger2).

Kommentar

Dem bruchstückhaft erhaltenen Text zufolge wurde das Epitaph für einen Propst von dessen Nachfolger in Auftrag gegeben. Aufgrund des Wappenbildes läßt sich der Verstorbene als Propst Johannes III. Dollinger identifizieren, der am 28. April 1605 erwählt wurde3). Als Auftraggeber kommt demnach Propst Johannes IV. Baptista Textor (1617–1648) in Frage4).

Johannes III. Dollinger war Visitator der bayerischen Prämonstratenserprovinz. Auf ihn geht die barocke Umgestaltung der Kirche in Tüntenhausen und die Förderung der dortigen Eberhardswallfahrt zurück, vgl. Nr. 377†. Propst Johannes III. Dollinger verstarb am 27. März 1617 und erhielt eine Jahrtagsstiftung in Weihenstephan5).

Zu der von ihm veranlaßten Restaurierung eines Tafelgemäldes mit Darstellung der hll. Marinus und Declanus vgl. Nr. 129.

Textkritischer Apparat

  1. RE tiefgestellt.
  2. PII tiefgestellt.
  3. Beim vorletzten Buchstaben nur noch ein kleiner Teil eines Schaftes vorhanden.
  4. Vom letzten Buchstaben noch Teil eines Schrägschaftes vorhanden.

Anmerkungen

  1. Lehrmann, Klosterkrypta 55; Lehrmann, Neustift 47.
  2. Auf einem Dreiberg ein Stiel mit drei Blüten, abweichend bei Oefele auf einem Dreiberg ein Strauch mit drei Blüten.
  3. Prechtl, Neustift 32; vgl. die Stifterinitialen und das Wappen bei Nr. 129.
  4. Prechtl, Neustift 32; Schlamp, Præmonstratenser Nr. 9, 2; Benker, Kloster Neustift (Kirchenführer) 17.
  5. BSB Clm 1026 fol. 30r.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 385 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0038508.