Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 370 Domkreuzgang 1610

Beschreibung

Epitaph des Domdekans Ulrich Hacker. Im Südflügel im ersten Joch von Westen an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche wohl im nördlichen Seitenschiff1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Um das Bildfeld ein Rundbogen, in dessen Kehlung ein Weinlaubrankenornament im Rapport, die Zwickel mit geflügelten Puttenköpfen gefüllt. Im Feld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, rechts vor einem Altar auf einer Kniebank kniend, deren Seitenteil mit einem kleinen Wappenschild belegt, in den zum Gebet gefalteten Händen eine Gebetszählschnur (sog. Zehner). Auf der Altarmensa ein Kruzifixus mit Titulus (I), am Kreuzsockel ein Totenschädel mit überkreuzten Gebeinen; auf der Frontseite des Altarblocks die Grabinschrift (III). Über dem Kanoniker ein mehrfach geschwungenes Schriftband mit einer Gebetsformel (II). Im Hintergrund eine Landschaftsvedute mit Stadtansicht in Flachrelief. Unter dem Bildfeld ein schmales, querrechteckiges Feld mit einer weiteren Schrift (IV). Nur geringfügige Beschädigungen, beim Kruzifixus ist der Kopf Christi abgebrochen.

Maße: H. 148 cm, B. 71,5 cm, Bu. 1,5 cm (I, III), 2,2 cm (II, IV).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 370 – Domkreuzgang – 1610

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    INRI

  2. II.

    MISERERE MEIa) · // DEI TVb) // // FILI CHRISTEc) ·

  3. III.

    PIAE MEMORIAE SACRVMd) / ADMODVM R(EVERE)NDI NOBILIS ATQ(VE) / CLARISS(IMI) D(OMI)NI VDALRICI HACKERI / EHINGENSIS · I(VRIS) · V(TRIVSQVE) · D(OCTORIS) · R(EVERE)NDISS(IMI) ELECTO=/RIS COLON(IENSIS) EP(ISCOP)I FRISING(ENSIS) AC SERE=/NISS(IMORVM) BAVARIAE DVCVM CONSI=/LIARII HVIVS CATHEDRALIS / ECCL(ES)IAE DECANI, PII, FIDELIS. / PVLSVS MAIORIS CAMPANAE / QVOVIS DIE QVINTO SVB VE=/SPERE IN MEMORIAM AGO=/NIS D(OMINI) · N(OSTRI) · IESV CHR(IST)I, FVNDA=/TORIS · CVIVS ANIMA IN PACE / QVIESCAT AMENe) · / OBIIT · XIII · IVLII · ANNO · M · DC · Xc)

  4. IV.

    LVSTRIS VNDENIS MORITVR PATER ALMVS EGENIS ·QVOD LACHRIMIS PLENIS INGEMVERE GENIS ·

Übersetzung:

Erbarme dich meiner, du, Sohn Gottes, Christus. (II)

Gewidmet dem frommen Gedenken des sehr hochwürdigen, edlen und sehr berühmten Herrn Ulrich Hacker aus Ehingen2), Doktors der beiden Rechte, Rats des hochwürdigsten Kurfürsten von Köln, Bischofs von Freising und der durchlauchtigsten bayerischen Herzöge, des Dekans dieser Domkirche, des Frommen, des Getreuen, des Stifters des Schlagens der großen Glocke an jedem Freitag zu Abend (oder zur Vesperzeit) im Gedenken an den Todeskampf unseres Herrn Jesu Christi. Seine Seele möge in Frieden ruhen, Amen. Er starb am 13. Juli im Jahre 1610. (III)

Nach elf Lustren (55 Jahren) starb der für die Bedürftigen wohltätige Vater, was sie, voll mit Tränen auf den Wangen, beklagten. (IV)

Versmaß: Distichon. (IV)

Wappen:
Hacker3).

Kommentar

Ulrich Hacker kam um 1555 in Ehingen als Sohn von Ulrich Hacker und Agathe, geb. Knoll, zur Welt4). 1571 immatrikulierte er sich an der Universität Freiburg5), 1572 an der Universität in Ingolstadt und beendete noch im selben Jahr seine Studien mit dem Grad des Baccalaureus6). Danach war er für drei Jahre Präzeptor der Kleriker in Scheyern7) und Pfarrer in Burghausen8). 1589 wurde er Chorherr beim Kollegiatstift Unserer Lieben Frau in München und erhielt auch die dortige Pfarrstelle9). Noch im selben Jahr trat er ein Kanonikat am Freisinger Domstift an. Als ihm 1594 das Amt des Domdekans übertragen wurde, resignierte er seine Münchner Ämter10). Laut Inschrift war er Rat des Freisinger Bischofs Ernst von Bayern (1566–1612, Nr. 293) und der bayerischen Herzöge Wilhelm V. (1579–1598) und Maximilian I. (1598–1651). Sein 1609 verfaßtes und 1610 mit Zusätzen versehenes Testament hat sich erhalten11).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: VDALRICVS HACKER D(OCTO)R / DECANVS O(BIIT) A(NN)O 1610. 13 IVLIJ12).

Im nördlichen Seitenschiff der Benediktuskirche liegt außerdem eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / VDALR(ICVS) / HACKHER . / D(OCTO)R DEC(RETORVM) O(BIIT) / 1610. 13. IVL(II) / +13).

Zur verlorenen Wappengrabplatte für Ulrich Hacker s. Nr. 371†.

1594 hatte Ulrich Hacker ein Pluviale mit seinem Wappen und Jahreszahl gestiftet, s. Anh. Nr. B9.

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgend Knick des Schriftbandes.
  2. Nachfolgend doppelter Knick des Schriftbandes, dazwischen freigelassener Raum.
  3. Worttrennzeichen quadratisch in unregelmäßiger Stellung.
  4. Erste Zeile zentriert gesetzt.
  5. Freigebliebener Raum bis zum Zeilenende mit zwei gegenständigen Ranken gefüllt.

Anmerkungen

  1. Dort der Standort der Wappengrabplatte (Nr. 370†), s. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 19v.
  2. Ehingen, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg.
  3. Bg4 12 (Tafel 14).
  4. AEM DK 163; Ehingen, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg.
  5. Matrikel Freiburg I 527 Nr. 85, 4. Oktober 1571.
  6. Matrikel LMU I Sp. 975 Z. 38, 25. Oktober 1572; nach AEM H 64 p. 674 studierte Hacker 1580.
  7. Mederer, Annales II 52; Scheyern, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 19v; Burghausen, Lkr. Altötting.
  9. AEM FS 118 p. 352; Mayer, Domkirche 194, 199; Pfister, Kollegiatstift ULF Kap. Personal 401f.
  10. BayHStA HL Freising Nr. 580, 1594, fol. 33v, 25. November 1594 (Hacker als Domdekan genannt); BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris ad 7 p. 5, fol. 14r, Catalogus Canonicorum fol. 19v: 1595; vgl. Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 607 Nr. 50; Geiß, Pfarr- und Ortsvorstände 11 Nr. 41; Mayer, Domkirche 194, 199.
  11. BayHStA HL 3 Fasz. 144/8; AEM DK 163.
  12. Vgl. AEM H 482a p. 366; BSB Cgm 1718 1 nach p. 149; AEM H 64 p. 610; AEM H 465 fol. 94r.
  13. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 201; AEM H 76 p. 297; Schlecht, Inschriften VI 109 Nr. 24.

Nachweise

  1. AEM H 58 p. 62 (H118); BSB Oefeleana 10 IV p. 8f.; BSB Cgm 1717 p. 366f.; AEM H 482a p. 366, 368; BSB Cgm 1718 1 nach p. 149, p. 158f.; AEM H 76 p. 335; AEM H 64 p. 610, 617; AEM H 61 p. 71; AEM H 465 fol. 94r, 97r; Schlecht, Inschriften III 79f. Nr. 48.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 370 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0037001.