Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 367† Domkreuzgang (1608)

Beschreibung

Wappengrabplatte mit Gedenkinschriften für ein Mitglied der Familie Schrenck von Notzing und Jarezöd. Wohl im Domkreuzgang im Boden. Genauer Standort nicht bekannt. Vermutlich erst bei der Neupflasterung von Kreuzgang und Benediktuskirche 1830 abgegangen. Oben konkaver Segmentbogen, darin ein Spruch (I); im Mittelfeld kreisrundes Medaillon mit Ohrungen in den Diagonalen, im Zentrum das Vollwappen des Verstorbenen; unten querformatiges Feld mit Gedenkinschrift (II).

Beschreibung und Text nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318.

  1. I.

    vivendi . principium . / moriendi . est . initiu(m) .

  2. II.

    lustris bis senis, septem et labentib(us) annis.vixit . marmore(us) quema) tenet isteb) lapis.Sanguine consilio, magno virtutis amorefloruit in vita, nunc sine flore jacet.Divitias largas saepe est parti(tus)c) egenis .heu pater heu pietas, occidit hinc inopumd).Vnde tu lachrimas orbata frisinga parenti.funde Deo pro te, fundet et ipse preces.

Übersetzung:

Der Anfang des Lebens ist der Beginn des Sterbens. (I)

Zweimal sechs Lustren und sieben ablaufende Jahre lebte der, den dieser marmorne Stein bedeckt. Er blühte im Leben durch seine Abstammung, seine Einsicht und große Liebe zur Tugend, nun liegt er ohne Blüte da. Großen Reichtum hat er oft an die Armen verteilt. Ach, hier fiel der Vater, ach hier sank die fromme Liebe zu den Armen nieder. Daher vergieße dem Vater Tränen, verwaistes Freising. Bete zu Gott und er selbst wird für dich beten. (II)

Versmaß: Reimprosa. (I)  Distichen. (II)

Wappen:
Schrenck1).

Kommentar

Einen Entstehungszeitraum zwischen 1550 und 1650 vorausgesetzt, kommen zwei Mitglieder der Patrizierfamilie Schrenck in Frage, für die die Platte angefertigt worden sein könnte: zum einen Domherr Oktavian Schrenck, der 1592 starb und in der Benediktuskirche begraben wurde (Nr. 332), zum anderen der 1608 verstorbene Domkapitular, Stiftspropst und Generalvikar Ludwig Schrenck, dessen Grabstätte im Domkreuzgang liegt (Nr. 364). Ausgehend von der inschriftlichen Angabe des erreichten Lebensalters von 67 Jahren dürfte es sich eher um Letztgenannten handeln, der damit bei Antritt seines Kanonikats das hierfür nicht unübliche Alter von zwölf Jahren besaß.

Textkritischer Apparat

  1. AEM H 477: marmoreusq(ue) quem.
  2. AEM H 477: iste fehlt.
  3. AEM H 477: partius.
  4. AEM H 477: inopem.

Anmerkungen

  1. Bay 57 (Tafel 59).

Nachweise

  1. HVO Ms. 318 fol. 82r; AEM H 477 p. 761f.; Glaser, Grabsteinbuch 370 Nr. 195.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 367† (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0036700.