Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 332 Domkreuzgang 1592

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Oktavian August Schrenck von Notzing. Im Südflügel im vierten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift, nach innen gerichtet (I). Im Mittelfeld unter einem reich verzierten Bogen, dessen Zwickel mit Blattwerk gefüllt sind, Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in den zum Gebet erhobenen Händen eine Gebetszählschnur (sog. Zehner). In den Ecken der Platte Medaillons mit der vierfachen Ahnenprobe, mit übergestellten erhaben gearbeiteten Beischriften (II). Die Schrift mit schwarzer Farbe nachgezogen.

Maße: H. 202,5 cm, B. 101 cm, Bu. 4 cm (I), 3-3,2 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 332 – Domkreuzgang – 1592

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    ANNO DO(MI)NI · M · D · XCIIa) // X · DIE MENSIS OCTOB(RIS) OBIIT REVEREND(VS) ATQ(VE) NOBILIS DO(MI)N(V)S OCTAVIAN(VS)a) AVGVS=//TVS SHRENK A NOZINGa) // CANONICVS FRISINGENSIS, SERENISS(IMORVM) BAVARIAE DVCVM CONSILIARIVSb) ·

  2. II.

    SHRENK2)HOFER4)  MEITING3) ADLER5) 

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1592, am 10. Tag des Monats Oktober, starb der hochwürdige und edle Herr Oktavian August Schrenck von Notzing, Freisinger Kanoniker, Rat der durchlauchtigsten Herzöge von Bayern. (I)

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXIVf.

Oktavian August Schrenck von Notzing, der am 18. April 1547 geboren wurde, entstammte einer Münchner Patrizierfamilie. Sein Vater war der Hofrat Bartholomäus Schrenck, seine Mutter Sibylla, geb. Meitinger6). 1565 immatrikulierte er sich an der Universität in Ingolstadt7) und promovierte zum Doktor beider Rechte. Zu weiteren Studien hielt er sich 1572 in Bologna auf8). 1573/75 ist er als herzoglicher Rat in Straubing nachweisbar, dann als fürstlicher Rat in Würzburg9). 1577 wurde ihm der Adelsstand bestätigt, 1579 erhielt er das kleine Palatinat verliehen, 1581 kam eine Wappenbesserung hinzu10). 1581 war er Kanzler und Lehenpropst des Bischofs von Regensburg11). Nach dem Tod seiner zweiten Frau Magdalena Reitmor von Deutenhofen († 1579) trat er in den geistlichen Stand ein. Zunächst Stiftskanoniker zu Neumünster in Würzburg12), erhielt er 1590 ein Kanonikat in Freising13). Oktavian Schrenck war Herausgeber der Werke Andreas Perneders.

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: OCTAVIAN(VS) SCHRENCK D(OCTO)R CAN(ONICVS) O(BIIT) A(NN)O 1592. / 10 OCT(OBRIS)14).

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgende Unterbrechung durch Wappenmedaillon.
  2. Worttrennzeichen in kleiner quadratischer Form, das Schlußzeichen mit einem Blattornament verziert.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 57r; AEM H 482a p. 866.
  2. Bay 57 (Tafel 59).
  3. Bay 97 (Tafel 115).
  4. BayA1 5 (Tafel 3).
  5. BayA1 64 (Tafel 65).
  6. BSB Oefeleana Nr. 23; Beierlein, Medaillen 177; Geiß, Beamte 98.
  7. Mederer, Annales I 294f.; Matrikel LMU I Sp. 876 Z. 30, 5. Dezember 1565.
  8. Lanzinner, Zentralbehörden 400.
  9. Lanzinner, Zentralbehörden 400; Stahleder, Schrenck 136.
  10. Frank, Standeserhebungen IV 273; Lanzinner, Zentralbehörden 400; Stahleder, Schrenck 137.
  11. Hundt, Stammenbuch III 632.
  12. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 57r; Krick, Stammtafeln 348 Nr. 163C.
  13. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 57r; Krick, Stammtafeln 348 Nr. 163C; Lanzinner, Zentralbehörden 400.
  14. Vgl. AEM H 482a p. 863; BSB Cgm 1718 4 nach p. 419; AEM H 64 p. 614; AEM H 465 fol. 232r.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 57r; BSB Cgm 1724 p. 241 Nr. 97; BSB Oefeleana 10 IV p. 100; BSB Cgm 1717 p. 866; AEM H 482a p. 863, 866; BSB Cgm 1718 4 nach p. 419, p. 421; AEM H 76 p. 332; HVO Ms. 318 fol. 81r; AEM H 477 p. 760; AEM H 61 p. 215; AEM H 465 fol. 232r, 233r, Appendix fol. 13v; HVF U XI 11 p. 17 Nr. 126; Schlecht, Inschriften III 53f. Nr. 12; Glaser, Grabsteinbuch 368f. Nr. 190.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 332 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0033209.