Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 329 Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt 1591

Beschreibung

Epitaph für Ursula Neuhauser. Außen an der Südwand. Kelheimer Kalkstein. Im Bildfeld unter einem Flachbogen, dessen Zwickel Kreisspiegel eingeschrieben sind, Darstellung einer Kreuzigungsgruppe: In der Mitte Christus am Kreuz, oben der Titulus (I), unten ein Totenschädel mit überkreuzten Gebeinen; links unter dem Kreuz Maria, rechts Johannes, im Hintergrund eine idealisierte Stadtansicht Jerusalems; seitlich breite Vorlagen. Als Bekrönung ein – vielleicht nicht ursprünglich zugehöriger – rechteckiger Giebel mit reliefierten Blattvoluten, in der Mitte kreisrundes Medaillon, darin Gottvater mit der segnend erhobenen Rechten, in der Linken die Weltkugel, vor ihm die Heilig-Geist-Taube. Sockelzone dreifach gegliedert: In der Mitte Rollwerktafel, darin die Grabinschrift (II); im linken Feld Darstellung der Verstorbenen als kniende Orantin, mit langem Gewand und Haube, durch ein Kreuz in ihren Händen als verstorben gekennzeichnet; im rechten Feld ihr Wappen in einer Rollwerkkartusche. Auf dem unteren Rahmen der Sockelzone Jahreszahl mit Künstlermonogramm (III). Durch äußere Witterungseinflüsse Schäden besonders in den Randbereichen.

Maße: H. 111 cm, B. 83,5 cm, Bu. 1,3 cm (II), 1 cm (I, III).

Schriftart(en): Kapitalis (I), Fraktur (II).

DI 69, Nr. 329 – Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt – 1591

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/2]

  1. I.

    INRIa) ·

  2. II.

    Allesb) in den gnade(n) Gottes die Erntugendhafft vrsula Weil=/andt des Ersame(n) v(nd) Weisen Wolfgan(n)ge(n) Neuhausers des Inern Rath(s) / alhie Seligen Nachgelassen Wittib starb den 17 Juny A(nno) 86 dauor / aber vmb Merer Irer selhail willen Alle Ir Zeitliche Verlassenschafft den / Haußa(r)men Verschafft Dabey aber Zu ayner Christliche(n) gedechtnu(s) / haben Ire Testamentarien Herr Michael Schmidlkouer · v(nd) Sigmundt / Häsyber beede des Raths alhie Wolmainendt Mache(n) lassen d(er) g(ot) g(enad) A(men)

  3. III.

    1 5 O(SWALD) V(ORSTER)c) 9 1

Wappen:
Neuhauser1).

Kommentar

Zu den Schriftformen der Fraktur s. Einleitung CXVII.

Das Monogramm innerhalb der Jahreszahl ist nach Friedrich Kobler als Signatur des Landshuter Bildhauers Oswald Vorster zu deuten, von dem auch ein Epitaph in der Landshuter Stadtpfarrkirche St. Jodok stammt2), vgl. das gleiche Monogramm auf dem Epitaph für Georg Thaimer und Ursula Geroltspeckh (Nr. 333).

Zu Ursula Neuhauser, Witwe des Ratsmitgliedes Wolfgang Neuhauser, war nichts weiter zu ermitteln. Sigmund Häsiber ist 1572 als Richter des Klosters Weihenstephan nachweisbar3). Er und Michael Schmidlkover waren seit 1593 Mitglieder des Inneren Rats der Stadt Freising4).

Textkritischer Apparat

  1. N spiegelverkehrt.
  2. s stark verkleinert, wohl nachgetragen.
  3. Die Initialen O und V als Monogramm verschränkt.

Anmerkungen

  1. Auf einem Dreiberg zwei knospende Pflanzen.
  2. Frdl. Mitteilung von Herrn Dr. Friedrich Kobler, Olching; Dehio Obb 318; vgl. Ryue, Grabsteine 387. Das kaum lesbare Vergleichsstück befindet sich in St. Jodok in der westlichsten Kapelle der Nordseite, an der Nordseite der Westwand; die Initialen sind hier auf zwei Sockel im Bildfeld verteilt.
  3. Geiß, Beamte 148.
  4. BayHStA HL 3 Fasz. 219/1.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 329 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0032900.