Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 327† Kollegiatstiftsk. St. Andreas (abgegangen) um 1590, 1629

Beschreibung

Gemälde-Epitaph für Weihbischof Bartholomäus Scholl, mit Stiftervermerk von ihm und Stiftskanoniker Johann Paul Herwart von Hohenburg. In der Johanneskapelle1) wohl als Altarblatt, ab 1803 in der ehem. bischöflichen Galerie im Marstall, 1812 als altes Brennholz versteigert2). Öl auf Holz. Dreipaßförmiges Bildfeld, oben mit spitzbogigem Abschluß; in der Mitte die thronende Maria mit ihrem Kind auf dem Schoß zwischen musizierenden Engeln, ihre Krone von zwei schwebenden Putten gehalten; darunter im Hintergrund links das Martyrium des hl. Bartholomäus, rechts das Heilige Grab; ganz links Darstellung des knienden Verstorbenen Bartholomäus Scholl als Weihbischof, geleitet vom hl. Bartholomäus, die Hände zum Gebet gefaltet, sein Bischofsstab an die linke Schulter gelehnt, vor ihm die Mitra auf einem Buch abgelegt; ganz rechts der kniende Verstorbene Johann Paul Herwart von Hohenburg im Superpelliceum, geleitet von Johannes Ev., die Hände zum Gebet erhoben, vor ihm sein Birett auf einem Buch abgelegt. Unter der Bildtafel querformatige Tafel mit der Stifterinschrift (II) und einem Spruch (III), dort wohl auch ursprünglich die Grabinschrift (I).

Text I nach AEM H 118 p. 420, Beschreibung und Text II, III nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318, Wappennachzeichnung in BSB Oefeleana 10.

  1. I.

    Statutum est hominibus semel mori Hebr(aeos) I.a) Barthol(omaeus) Ep(iscopu)sb) Dariensis et ab anno XXCI Suffrag(aneus) frisingensis obiit MDCXXVIIII. die XXVIIII. Jan(uarii)c)

  2. II.

    D(eo) O(ptimo) M(aximo) / Coelestibusd) beatissimis, Deiparae intemeratae, ac SS. apostolis Joanni ete) Bartholo-/maeo, altare hoc vetustate ruinosum Bartholomaeus Schollius, Dei gratia Epi-/scopus Dariens(is) idemq(ue) Suffraganeusf) et Joannes Paulus Herwardus ab Hochen-/burg, uterq(ue) ad Div(um)g) Andream, inibih) Canonicus, a fundamentis instaurandu(m) / curaverunt, Jbidem quoquek), ne mors longius separetl), quos arctissima vita, con-/junxitm) hoc in sacello, tumullis inter se proximis humari voluerunt /

  3. III.

    Prolem Virgo tuam nobis, O Mater, Jesum, / Hoc post Exilium peccaton) numine monstra:o)

Übersetzung:

Es steht für die Menschen fest, daß sie einmal sterben. Hebräer I. Bartholomäus, Bischof von Daria3) und seit dem Jahre 81 Freisinger Weihbischof, starb 1629 am 29. Tag des Januar. (I)

Dem besten und höchsten Gott, den Allerseligsten im Himmel, der unbefleckten Gottesgebärerin und den Heiligen Aposteln Johannes und Bartholomäus haben Bartholomäus Scholl, von Gottes Gnaden Bischof von Daria3) und Weihbischof, und Johann Paul Herwart von Hohenburg, beide Kanoniker bei St. Andreas, diesen durch Alter baufälligen Altar von Grund auf wiederherstellen lassen. Dort, in dieser Kapelle, wollten sie auch in benachbarten Gräbern bestattet werden, damit sie, welche das Leben aufs Engste verbunden hatte, der Tod nicht allzu weit voneinander entferne. (II)

O jungfräuliche Mutter, zeige uns deinen Sohn Jesus, nachdem Gott versöhnt ist4) nach diesem Exil. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Hebr 9,27. (I)
Wappen:
Scholl5).

Kommentar

Weihbischof Bartholomäus Scholl und der Stiftskanoniker bei St. Andreas, Johann Paul Herwart, hatten ursprünglich beabsichtigt, ihre Grablege in der dortigen Paulskapelle anzulegen. 1589 jedoch beantragten beide beim Stiftskapitel, in der Johanneskapelle begraben werden zu dürfen, wozu sie auch die Genehmigung erhielten6). Bald danach statteten sie die Kapelle neu aus und richteten dort 1591 eine Meßstiftung ein7). Sofern der Todesvermerk nachgetragen wurde, ließe sich eine zeitliche Einordnung des Gemälde-Epitaphs am überzeugendsten mit jener grundlegenden Renovierung der Johanneskapelle in Verbindung bringen8).

Im Inventar der Stiftskirche St. Andreas von 1803 wird als Maler Peter Candid genannt9), der neben zwei Altarblättern für die Domkirche auch mehrere Gemälde-Epitaphe für St. Andreas schuf.

Zu Weihbischof Bartholomäus Scholl vgl. Nr. 427†.

Zu Johann Paul Herwart von Hohenburg vgl. Nr. 348†.

Textkritischer Apparat

  1. Stellenangabe irrig. BSB Oefeleana 10: Hebr(aeos) I. fehlt.
  2. AEM H 118 p. 376f., 420f., 459f., AEM H 477: nach Kürzung Eps. Einschub |: id est Episcopus :|. Wohl nicht im Originaltext enthalten.
  3. Datierung bei AEM H 477: a(nn)o 1629 29 Jan(uarii); BSB Oefeleana 10: irrige Datierung 1627 die 28. January.
  4. AEM H 118 p. 420, AEM H 477: Coelestibusq(ue).
  5. et-Ligatur in Form von &.
  6. BSB Oefeleana 10: Suffraganeus Frisingensis.
  7. AEM H 477: S(anc)t. BSB Oefeleana 10: uterque D: Andreae.
  8. AEM H 477: inique.
  9. BSB Oefeleana 10, AEM H 477: idem.
  10. AEM H 118 p. 420: Idem quodq(ue), AEM H 477: idem quoque.
  11. BSB Oefeleana 10: separaret.
  12. BSB Oefeleana 10: coniunxerat.
  13. Irrig für placato, vgl. BSB Oefeleana 10 und AEM H 118 p. 420. AEM H 477: parato.
  14. Die letzten beiden Zeilen zentriert gesetzt.

Anmerkungen

  1. Bugniet, Versuch 34f.
  2. Nachträgliche Bemerkung in HVO Ms. 318 fol. 93r; Glaser, Grabsteinbuch 381.
  3. Daria (Dara-Anastasiupolis), heute Oğuz, Tükei.
  4. Übersetzung nach placcato numine der anderen kopialen Überlieferung, vgl. Textanmerkung n.
  5. In Blau eine silberne Säule, darüber eine goldene Krone; dahinter zwei goldene gekreuzte Bischofsstäbe.
  6. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 47 fol. 40v, 41r, 15. November 1589.
  7. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 47 fol. 8v, 9r, 27. Februar 1591, fol. 42r, 42v, 3. August 1591; AEM H 485 fol. 49r.
  8. Feuchtner/Koschade, Kirchen und Grabdenkmäler 145.
  9. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 175 prod 1 p. 49 Nr. 466; Schlecht, Inventar 25 Nr. 466.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 264f.; AEM H 477 p. 536f. Nr. 7; AEM H 118 p. 376f. Nr. 11, p. 420f., p. 459f. Nr. 11; Bugniet, Versuch 35; AEM H 59 p. 107 Nr. 30, p. 115, 123, 134, 230a; HVO Ms. 318 fol. 93r; HVF U XI 10 St. Andreas p. 107 Nr. 38; Prechtl, St. Andreas 121; Boegl, Weihbischöfe Nr. 36, 2 bzw. 449 (Sonderdr.); Glaser, Grabsteinbuch 380f. Nr. 219.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 327† (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0032702.