Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 300 Stadtmuseum 1578

Beschreibung

Gemälde-Epitaph für Wolf Bernhardt. Öl auf Holz. Im Raum „Bischofs- und Residenzstadt“. Ursprünglich in der Spitalkirche Hl. Geist, dort 1895 auf der westlichen Empore nachweisbar1), vor 1947 als Leihgabe an das Museum des Historischen Vereins überwiesen (Inv.-Nr. 0045), 2007 in den Bestand des Stadtmuseums überführt. Im Hauptfeld Darstellung der Verkündigung an die Hirten: In der linken oberen Ecke drei Engel mit Schriftband (I), in der rechten oberen Ecke der Stern von Bethlehem, dazwischen aufragend Innenansicht eines schmalen Holzbaues, im Vordergrund das Christuskind in einem Korb, dahinter drei kleine Engel, links die hl. Maria kniend mit gefalteten Händen, rechts daneben der hl. Joseph, weiter hinten rechts zwei Hirten; links im Hintergrund die Verkündigung an die Hirten. In der Sockelzone die Schrifttafel (II); links eine Nische, darin der Verstorbene kniend, die Hände zum Gebet gefaltet, über der Nische ein Postament mit Medaillon, darin ein Künstlermonogramm und nachträglichem Auflösungsversuch am unteren Gesims, rechts der Schrifttafel in einer Nische das Vollwappen des Verstorbenen. Ein Schweifgiebel als oberer Abschluß des Epitaphs, im Giebelfeld Gottvater in Halbfigur, die Rechte segnend ausgestreckt, in der Linken die Weltkugel, vor ihm die Heilig-Geist-Taube. 1843 übermalt2).

Maße: H. 143 cm, B. 74 cm, Bu. 1 cm (I), 0,8 cm (II), 0,4 cm (III).

Schriftart(en): Kapitalis (I), Fraktur (II).

DI 69, Nr. 300 – Stadtmuseum – 1578

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/2]

  1. I.

    GLORIA . IN . EXCELSIS . / DEO . ET . IN . TERRA . PAX . / HOMINIBVS ·

  2. II.

    Gotta) Zu lob Vnd Derb) Menschwerdung zur / Ehren · haben diec) Ernuestend) Vnd Erbern . Jacoben khaisser / F(ürstlich) Bay(erischer) ChamerRegistrator . Vnd Judas Machabeus / khumetere) Burger Vnd stulschreiber zu Müncha Wäelentf) / den Ernfesten Wolff Bernhardt gremer Ihr Vetter dise / gedechtnis mach(en) lassen welcher den 15 dec(e)mbr(i)s Anno / 1·5·78 In gott verschidag) dem gott genad sambt allen / abgestorbneh).

Übersetzung:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen. (I)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Gloriahymnus. (I)
Wappen:
Bernhardt3).

Kommentar

Zu den Schriftformen der Kapitalis s. Einleitung CXIV.

Das Künstlermonogramm, das sich auf dem Postament über der linken Nische befindet, zeigt den Buchstaben L, der mit einer diagonal steigenden Lanze verschränkt ist und dazu im Winkel von Schaft und Balken einen Bogen aufweist. Unterhalb befindet sich am Gesims die Inschrift PHI · Lenz. Diese Inschrift wurde offensichtlich später – wohl 1843 – nachgetragen, stellt sie doch den etwas gewaltsamen Versuch dar, das Monogramm aufzulösen. Allerdings konnte bisher kein Maler eruiert werden, dessen Name einen wörtlichen Bezug zum Monogramm – also etwa Pfeil, Lanz, Lenz, Schütz etc. – herstellt.

Der Freisinger Bürger Wolf Bernhardt wird 1545 noch als Tagwerker erwähnt4), später ergriff er den Beruf des Einzelhändlers und erlangte sogar das Recht, ein Wappen zu führen.

Jakob Khaisser war von 1567 bis 1595 Registrator der bayerischen Hofkammer und ist von 1595 bis 1602 als Gerichtsschreiber in Rosenheim nachweisbar5). Judas Maccabäus Khumeter war laut Inschrift Münchner Bürger und in Zivilprozessen vor dem bayerischen Hofrat als sogenannter „Stulschreiber“, d. h. als Parteivertreter, tätig.

Textkritischer Apparat

  1. Versal G in roter Farbe.
  2. er stark verkleinert.
  3. die hochgestellt.
  4. Mittleres e ähnlich einem t.
  5. h in Form von b.
  6. a mit übergestelltem e (?), danach verkleinertes, schmales e; lies: weiland.
  7. Sic!
  8. Letzte Zeile zentriert gesetzt.

Anmerkungen

  1. Kdm Obb II 377.
  2. Rechts unten am Rand eine Restaurierungsinschrift: Red: von Pet: Ellmer [– – –, wohl von 1843, vgl. Nr. 280.
  3. Quadriert, 1/4, in Gold über einem schwarzen Dreiberg zwei gekreuzte schwarze Pfeile; 2/3, in Rot ein schwarzer Bär, sich auf ein silbern-schwarzes Gerät zu bewegend (Trog oder Brunnen?).
  4. BayHStA HL 3 Rep. 53 Fasz. 122/1 Nr. 2 fol. 58v.
  5. Ferchl, Behörden 893f.

Nachweise

  1. Prechtl, Heiliges Geistspital 33; Kdm Obb II 378.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 300 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0030002.