Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 297 Pfk. St. Georg 1577

Beschreibung

Sechs Bildfenster von Marx Bart zu Harmating, David Heyl, Jakob Schweitzer, Jakob Plieml, Wilhelm Tannhauser und Hans Joachim Lautschlaher. Im südlichen Schiff im dritten Fenster von Westen, in der zweiten Reihe der linken Fensterbahn. Ursprünglicher Standort nicht bekannt, 1888 und 1924 zusammen mit Nr. 306/V,VI im nördlichen Schiff im zweiten Fenster von Westen1), ab 1955 im nördlichen Schiff im vierten Fenster von Westen, in der zweiten Reihe der linken Fensterbahn, seit der Restaurierung 2000–2001 am heutigen Standort. Oben jeweils Wappenscheiben, flankiert von schmalen vertikalen Streifen mit Renaissance-Säulen oder Balusterornamenten, darunter querformatige Felder mit den Namensbeischriften. Die Schriften teilweise verblaßt. Mehrfache Sprünge in den Wappen- und Schriftfenstern.

Maße: H. 83,5 cm, B. 51,5 cm, Bu. 2,3 cm (I), 2,5 cm (II), 2,5 cm (III), 2,1 cm (IV), 2,2 cm (V), 1,9-2,2 cm (VI).

Schriftart(en): Fraktur (I, IV, V, VI), Kapitalis (I, II, III).

DI 69, Nr. 297 – Pfk. St. Georg – 1577

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    [M]ARX · BART ZV / [Ha]rmating Cämerling

  2. II.

    DAVID HEIEL · HOF=/ SECRETARI ·

  3. III.

    [IA]COB · SCHWEITZER / [C]AMER · SECRETARI

  4. IV.

    Jacob(us) · Pluembl · Can=/tzleiuerwandter ·

  5. V.

    Wilhelm · Danhauser / [d]er · Junger 1577

  6. VI.

    Ha(ns) Joachim Lautsch=/laher Cantzleyverwanter

Wappen:
Bart2), Heyl3), Schweitzer4), Plieml5), Tannhauser6), Lautschlaher7).

Kommentar

Die Entstehung sämtlicher kleinformatiger Bildfenster ist in den Domkapitelsprotokollen für 1577 dokumentiert. Im Anschluß an eine Abrede mit dem Glasmaler über Bildfenster mit Darstellung der drei Kirchenpatrone heißt es: Unnd nachdem noch etliche stuckh verhanden, In denen der Herren Capitularen wappen wol khundten pass (?) haben, unnd ains umb ain Cronen bestellt werden mecht, haben sich ... sametlich unnd Jeder in sunderhait ain Cronen zu geben verwilligt8). Zu den Stiftern gehörten aber offenbar nicht nur Domkapitulare, sondern auch – ohne separat Erwähnung zu finden – bischöfliche Bedienstete und Beamte.

Jakob Plieml zu Lindumb verheiratete sich um 1584 in erster Ehe mit Sidonia von Elriching, um 1589 in zweiter Ehe mit Anna Jakobe Murhaimer. Er war seit ca. 1580 fürstlicher Rat und Secretarius zu Freising und wurde 1582 von Bischof Ernst zum Wirklichen Rat ernannt. In späteren Jahren war er zudem Pfleger in Ottenberg9). Jakob Plieml starb 1612, seine Frau bereits 1609. Beider Grabstein befindet sich in Günzenhofen10). Von ihm sind Meßstiftungen nach St. Veit überliefert11).

Marx Bart zu Harmating war der Sohn des Münchner Patriziers Kaspar II. Bart und dessen dritter Ehefrau Katharina III. Bart12). Nach einem 1573 begonnenen Studium in Siena13) wird er wieder 1580 als Kastner zu Freising genannt14), 1581 als Angerlehenpropst und Kastner zu Freising15) und 1582 als bischöflicher Rat16). Die Familienchronik der Schrenck nennt ihn fürstlich Cöllnischen Hoff Junckher17). Er starb unverheiratet im Jahre 158218).

Der ebenfalls aus Bayern stammende Jakob Schweitzer war zusammen mit Marx Bart 1573 an der Universität Siena immatrikuliert19).

Hans Joachim Lautschlaher ist vermutlich identisch mit dem aus Bayern stammenden katholischen Adeligen Johann Joachim Lautschlaher (oder Lautenschlager) von Willmansperg, der mit Bischof Ernst nach Westfalen kam und dort als oberster Bergwerksverwalter zu Endorf tätig war20).

Zu den Hofbediensteten David Heyl und Wilhelm Tannhauser konnte nichts weiter ermittelt werden.

Anmerkungen

  1. Hoffmann, Isar- und Ampergebiet 50.
  2. Bay 68 (Tafel 74).
  3. Durch Wellenschnitt geteilt, darüber ein bekleideter bärtiger Mann.
  4. BayA3 79 (Tafel 49).
  5. BayA1 117 (Tafel 118).
  6. BayA3 105 (Tafel 69).
  7. BayA1 157 (Tafel 163).
  8. AEM DK 7 fol. 112v, 26. März 1577.
  9. Ottenberg, Gde. Tettenweis, Lkr. Passau, NB.
  10. Sämtliche biographischen Angaben nach BSB Cgm 2290 XX fol. 17r, 17v; Schrenck-Notzing, Hochstift Freising 223; Günzenhofen, Gde. Langquaid, Lkr. Kelheim, NB.
  11. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 14r, 24r; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 214, 246, 268, 402; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 44v, 66r.
  12. Stahleder, Bart 382.
  13. Matrikel Siena I 46 Nr. 133.
  14. BayHStA HL Freising Nr. 39 fol. 70r; Stahleder, Bart 382.
  15. BayHStA Freising Urkunde 1581 Juni 10; Stahleder, Bart 382; vgl. Schrenck-Notzing, Hochstift 225.
  16. BayHStA KU Freising – St. Johann Nr. 215, 1582 Juli 19; Stahleder, Bart 382.
  17. Schrenck-Chronik (derzeit im StadtAM) fol. 169v; Stahleder, Bart 382.
  18. Stahleder, Bart 382.
  19. Matrikel Siena I 47 Nr. 165.
  20. Weichs, Kalandbruderschaft 190 Anm. zu Nr. 373. Unter dem Sterbedatum des 18. Oktober 1615 wird ein Wilhelm Lautenschläger, nobilis Bavarius und Kanoniker zu Meschede, genannt, der offenbar ein naher Verwandter des Johann Joachim Lautschlaher war, s. ebd. 190 Nr. 373. Endorf, Stadt Sundern (Sauerland), Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 382 (I, III, V), p. 383 (II, IV, VI).

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 297 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0029700.