Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 280 Stadtmuseum 1571

Beschreibung

Gemälde-Epitaph für Servatius Lovius. Im Raum „Bischofs- und Residenzstadt“. Ursprünglicher Standort unbekannt, im 19. Jahrhundert in der Spitalkirche Hl. Geist, vor 1947 als Leihgabe an das Museum des Historischen Vereins Freising abgegeben (Inv.-Nr. 0046), 2007 in das Stadtmuseum, Sammlung des Historischen Vereins Freising, überführt. Öl auf Holz. Darstellung des Kalvarienberges: In der Mitte der Kruzifixus mit Titulus (I); links unter dem Kreuz die hl. Maria, von zwei Engeln begleitet, neben ihr Maria Magdalena; auf dem Hügel mehrere rot und weiß gekleidete Soldaten, die mit Speeren und Schilden bewaffnet sind; rechts unter dem Kreuz ein geharnischter Mann, durch seine rote Schärpe, die er über der Rüstung trägt, von der übrigen Menschenmenge abgehoben, in seiner Rechten eine Fahne mit zwei goldenen Sicheln auf rotem Grund; unterhalb des Kreuzfußes Datierung nach der minderen Zahl, darunter ein Künstlermonogramm (III); im Vordergrund auf der rechten Bildseite der Verstorbene als Geistlicher mit Sutane kniend, vor ihm sein Wappen; im Hintergrund die idealisierte Stadtansicht Jerusalems; in der Himmelszone auf einer Wolkenbank Gottvater mit der Heilig-Geist-Taube. Unten eine Sockelarchitektur mit zwei Postamenten, zwischen diesen eine von paarweise gegenständigen Akanthusranken gerahmte Tafel, darin die Grabinschrift (II). 1843 durch den Freisinger Maler Peter Ellmer überarbeitet und dabei stellenweise übermalt2), 2007 grundlegend restauriert.

Maße: H. 133 cm, B. 92 cm, Bu. 1,0 cm (I), 1,0 cm (II), 0,6 cm (III).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 280 – Stadtmuseum – 1571

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/2]

  1. I.

    I · N · R · I ·

  2. II.

    QVINGENTOS SEPTEM DECIES ET MILLEa) RECVRSVS TITANIS MAGNI VOLVERAT ECCEb) LABOR SIC VISVM SVPERIS CVM ME RAPVISTIS AVARA AETATISc) MEDIO FATA CRVENTA MANV ERNESTOd) A STVDIO ET SACRIS , SERVATIVSe) OLI(M) LOVIVSd) ET PATRIAE PARTE BRABANTVS ERAMPVLVERE NV(N)C CASSV(M) CORPVS CINIS ATER OPACATSPIRITVSd) VT COELIS VOTA, FRVATVR, AGEf)

  3. III.

    571 / PFg)

Übersetzung:

Fünfhundert, siebenmal zehn und tausend Kreise hatte des gewaltigen Titanen Kraft umgewälzt, siehe, so schien es den Himmlischen gut, als ihr grausamen Schicksalsgöttinnen mich mit blutiger Hand mitten aus dem Leben entrissen habt, dem Bischof Ernst, den Studien und den heiligen Handlungen. Ich war einst Servatius Lovius, meiner Heimat nach ein Brabanter. Nun bedeckt den leeren Leib mit Staub düstere Asche. Damit aber der Geist sich des Himmels erfreue, verrichte ein Gebet. (II)

Versmaß: Distichen. (II)

Wappen:
Lovius3).

Kommentar

Der Textbestand der Grabinschrift ist trotz verschiedentlicher Restaurierungen weitgehend authentisch überkommen, ebenso hat sich die Datierung nach der minderen Zahl (III) unterhalb des Kreuzstamms original und vollständig erhalten. Eine zweite mit Bleistift am Unterrand des linken Postaments angebrachte Datierung 1517 beruht vermutlich auf einem Übersetzungsfehler der Datierung in der Grabinschrift (II) und wurde wohl erst im 17. oder 18. Jahrhundert angebracht4).

Das Künstlermonogramm entspricht demjenigen auf dem von Johannes Hiltmer gestifteten Tafelgemälde von 1550, das sich ebenfalls im Stadtmuseum befindet (Nr. 226).

Servatius Lovius stammte aus Löwen in Brabant5). Laut Inschrift war er in Diensten des Bischofs Ernst von Bayern (1567–1612, Nr. 293). Prechtl bezeichnet ihn als dessen Seminaristen6). Möglicherweise handelt es sich bei ihm um einen Gehilfen in der bischöflichen Kanzlei oder einen Helfer seines Landsmannes Andreas Fabricius aus Lüttich, der eine maßgebliche Rolle am Hofe des bayerischen Herzogs Wilhelm V. als Erzieher des jungen Ernst spielte7).

Textkritischer Apparat

  1. Beide L durch sich überlagernde Schäfte eng zusammengerückt.
  2. CC-Verschränkung.
  3. I verkleinert unter den Balken des T gestellt.
  4. Vergrößerter Versal.
  5. Vergrößerter Versal, I verkleinert unter den Balken des T gestellt.
  6. Als Schlußzeichen in der Mitte der nachfolgenden Zeile ein vierpaßförmiges Schleifenornament mit Kreuzen in den Diagonalen.
  7. P spiegelverkehrt mit F ligiert.

Anmerkungen

  1. Vgl. Sighart, Mittelalterliche Kunst 218.
  2. Auf dem Gemälde befindet sich am rechten Postament unten die Inschrift Red: 1843 v. B. Ellmer.
  3. In Gold drei schwarze Säulen nebeneinander.
  4. Nur diese Datierung erscheint in Kdm Obb II 378 und im Inventar des Museums, dort wird auch die Vermutung geäußert, es handle sich um eine spätere Hinzufügung (1843), die einem Übersetzungsfehler zugrunde liegt. Der stark gebogene Kopf der Ziffer 5 und der lange Schaft der 7 machen jedoch eine Entstehung im 17. oder spätestens 18. Jahrhundert wahrscheinlich.
  5. Löwen (Louvain), Provinz Flämisch-Brabant, Belgien.
  6. Prechtl, Wohlthätigkeitsanstalten 87.
  7. Mayer-Pfannholz, Museum 11; Lüttich (Liège), Provinz Wallonien, Belgien. Andreas Fabricius starb am 1. Juni 1582 in Freising, s. Hartig, Fugger 419.

Nachweise

  1. Prechtl, Heiliges Geistspital 33f.; Mayer-Pfannholz, Museum 10f.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 280 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0028002.