Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 278 Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt 1568

Beschreibung

Epitaph für den Weihbischof Oswald Fischer. Im Chor an der Südwand. Wohl ursprünglicher Standort1). Solnhofer Kalkstein. In der Mitte des Bildfeldes Christus am Kreuz, oben querovale Rollwerktafel mit Titulus (I), hinter dem Kreuz ein Wolkenband links mit Sonne, rechts mit Mond, dazu jeweils ein geflügelter Puttenkopf; links vor dem Kruzifixus Darstellung des Verstorbenen kniend im Bischofsornat, die Hände zum Gebet gefaltet, vor ihm am Boden ein Kelch auf einem Buch, daneben der abgelegte Bischofsstab, oberhalb dessen Krumme die Mitra; im Hintergrund idealisierte Ansicht Jerusalems; über dem knienden Oranten eine Inschriftentafel mit Beschlagwerkkontur (II). Ädikularahmung des Bildfeldes durch seitliche Pilaster mit Kapitellen aus Engelsköpfen oberhalb gekreuzter Flügel; über dem Bildfeld ein flacher Segmentbogen, darüber ein Dreiecksgiebel, an dessen Gebälk eine Heilig-Geist-Taube, im Giebelfeld Halbfigur des segnenden Gottvaters mit Weltkugel. Unter dem Bildfeld querformatige Kartusche mit gerundeten Schmalseiten, darin die Gedenkinschrift (III), gerahmt von reichem Roll- und Beschlagwerk, oben in der Mitte mit einem Maskaron und seitlich mit Blütenzweigen besetzt, unten in der Mitte ein geflügelter Puttenkopf, in den beiden unteren Ecken je ein Totenschädel. An der rechten unteren Ecke diagonaler Riß, das untere Schriftfeld und dessen Rahmung mit mehreren Abschlägen, der rechte untere Totenschädel fehlend.

Maße: H. 89 cm, B. 47 cm, Bu. 1 cm (II), 1,2 cm (III).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 278 – Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt – 1568

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    INRI

  2. II.

    IN · MANVS · T/VAS · DOMINE · CO/MENDO · SPIRIT=/=VM · MEVMa)

  3. III.

    OSVVALDVS · FISCHERVS · ARTIVM · S · THEO=/LOGIAE · DOCTOR · ET · FRISINGEN(SIS) · SVFFRAGA=/NEVS · HOC · MONVME(N)TVM · SE · ADHVC · VIVE(N)TEb) / FIERI · PROCVRAVIT · AN(N)O · D(OMI)NI · M · D · LXVIII / PIVS · LECTOR · SANE · VIVATc) · ETd) · VALEATa)

Übersetzung:

In deine Hände, Herr, lege ich meinen Geist. (II)

Oswald Fischer, Doktor der Artes (und) der heiligen Theologie und Freisinger Weihbischof, hat sich dieses Denkmal zu Lebzeiten noch anfertigen lassen, im Jahre des Herrn 1568. Der fromme Leser lebe besonnen und lebe wohl. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Lc 23,46. (II)

Kommentar

Oswald Fischer wurde in Arnsberg2) geboren. Er immatrikulierte sich 1512 an der Universität Ingolstadt3), promovierte 1514 zum artistischen Bakkalar und 1516 zum Magister. Nach dem Studium der Theologie 1522 bis 1526 lehrte er Kirchenrecht an der Universität Ingolstadt, daneben war er seit dem Wintersemester 1524/25 Dekan der Artistenfakultät. Nach seiner Promotion 15434) wechselte er als Ordinarius an die theologische Fakultät und stieg dort 1546 bis zum Vizekanzler auf, nachdem er zwischen 1530 und 1547 sechsmal Rektor der Universität gewesen war5). 1548 wurde er als Suffraganbischof mit dem Titularbistum Daria nach Freising berufen und resignierte daraufhin seine sämtlichen Ingolstädter Ämter6). 1549 weihte er in der Freisinger Gottesackerkirche drei Altäre7). Er verfaßte in seiner Freisinger Zeit auch mehrere theologische Schriften8). Fischer ließ sein Epitaph 1568 anfertigen und verstarb noch im selben Jahr9). Für ihn ist unter dem Datum des 5. Januar ein Jahrtag in Weihenstephan dokumentiert10). Da sein Nachfolger Sebastian Haidlauff bereits 1569 amtierte, ist als Todesdatum von Oswald Fischer der 5. Januar 1569 anzunehmen11). In Ingolstadt gab es in der Universität eine Gedenktafel für ihn12).

Textkritischer Apparat

  1. Worttrennzeichen in Form kleiner Dreiecke.
  2. E stark verkleinert rechts unter den Deckbalken des T gestellt.
  3. A verkleinert unter den Schrägschaft des V gestellt.
  4. E verkleinert links unter den Deckbalken des T gestellt.

Anmerkungen

  1. Dieser Standort ist seit Ende des 19. Jahrhunderts belegt, s. HVF U XI 8 Grabsteine Gottesackerkirche p. 1; HVF U XI 12 p. 109.
  2. Nicht Arnsberg, Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen, der richtige Ort konnte nicht ermittelt werden. Zu seiner Biographie s. ausführlich: Biographisches Lexikon LMU 120f.
  3. Matrikel LMU I Sp. 355 Z. 18, 1. Oktober 1512.
  4. Resch/Buzas, Doktoren 15.
  5. Letztmaliges Datum bei Matrikel LMU I Sp. 625 Z. 22, Rektor SS 1547.
  6. Heckenstaller, Weihbischöfe 151; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 589f. Nr. 32; Daria (Dara-Anastasiupolis), heute Oğuz, Tükei.
  7. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 319.
  8. Benker, Dombibliothek 419 VI.17; Biographisches Lexikon LMU 121.
  9. Bugniet, Versuch 31.
  10. BSB Clm 1026 fol. 4r.
  11. Heckenstaller, Weihbischöfe 151.
  12. Vgl. Mederer, Annales I 315.

Nachweise

  1. HVF U XI 8 Grabsteine Gottesackerkirche p. 1; HVF U XI 12 p. 109; Goerge, St. Georg 16; Feiler, St. Georg 24.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 278 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0027809.