Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 275 Domkreuzgang 1567, 1572

Beschreibung

Epitaph für den Domherrn Martin Sedlmair. Im dritten Joch des Südflügels an der Nordwand. Ursprünglich wohl ebenfalls im Südflügel, 1716 an den heutigen Standort versetzt, dabei den Giebel entfernt. Heller Kalkstein. Rekonstruierende Beschreibung: Im Bildfeld Darstellung Christi als Weltenrichter: In der oberen Bildhälfte Wolkenkranz mit je drei musizierenden Engeln zu beiden Seiten, dabei von den Posaunen der beiden oberen und unteren Engel je ein Schriftband ausgehend (II-V), die beiden mittleren Engel mit Lauten; im Zentrum Christus mit erhobenen Armen stehend, um diese die Enden eines Bandes geschlungen; darunter um Errettung flehende Seelen, rechts ein Höllenrachen. Im Vordergrund links der Verstorbene im Chorgewand mit Almucia kniend, die Hände zum Gebet gefaltet, neben ihm sein Vollwappen; rechts eine an den Schmalseiten von gegenständigen doppelten Blattvoluten gerahmte Schrifttafel (VI). Rahmung des Bildfeldes durch eine heute verlorene Ädikula mit Pilastern und Dreiecksgiebel, in diesem eine Tafel, darüber das Herstellungsdatum1) (I). Als Sockelzone querrechteckiges Schriftfeld (VII). Äußerst schlechte Erhaltung: Der Dreiecksgiebel fehlend, der obere Teil des Bildfeldes stark beschädigt, die untere Hälfte mit beiden Schrifttafeln vollständig verloren.

DI 69, Nr. 275 – Domkreuzgang – 1567, 1572

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

Beschreibung und Textergänzung nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318.

Maße: H. 62 cm, B. 40 cm, Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

I. Text nach HVO Ms. 318.

  1. 1567

II. Schriftband links oben.

  1. [SVRG]ITEa) // MORTVI VENITEa) // AD IV[DIC]IV[M]

Übersetzung:

Steht auf ihr Toten, kommt zum Gericht.

III. Schriftband links unten.

  1. SVRGITEb) MORTVI

Übersetzung:

Steht auf ihr Toten.

IV. Schriftband rechts oben.

  1. [SVRGITEc) M]O//RTVI // VEN[IT]E

Übersetzung:

Steht auf ihr Toten, kommt.

V. Schriftband rechts unten.

  1. [SVRG]ITE MORTVI

Übersetzung:

Steht auf ihr Toten.

VI. Text nach HVO Ms. 318.

  1. D(IVVS) JERONIM(VS) . / SIVE . COM(M)EDAM . SIVE . BIBAM . / SIVE . ALIQVID ALIVD . FACI-/A(M) . SE(M)PER . VIDET(VR) IN / AVRIB(VS) . MEIS . SONARE . VOCEMd) . / ILLA . TERRIBILIS . SVRGITE . / MORTVI . VENITE . AD . / JVDI(CI)VMe)

Übersetzung:

Der heilige Hieronymus: Ob ich esse, ob ich trinke, oder irgend etwas anderes tue, immer scheint jene schreckliche Stimme in meinen Ohren zu klingen: Steht auf ihr Toten, kommt zum Gericht.

VII. Text nach HVO Ms. 318.

  1. REVEREND(VS) . D(OMI)N(VS) . MARTIN(VS) . SEDLMAIRf) / OBYT . ANNO . D(OMI)NI . M. D. LXXIIg)

Übersetzung:

Der hochwürdige Herr Martin Sedlmair starb im Jahre des Herrn 1572.

 
Wappen:
Sedlmair2).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXIV.

Martin Sedlmair stammte aus Friedberg3). Er studierte 1542 an der Universität Ingolstadt und wurde dort zum Baccalaureus promoviert4). Seit 1557 war er Domherr in Freising, ab 1561 Kapitular5), daneben besaß er ein Kanonikat in Eichstätt6). Sedlmair starb vor Juli 15727). Nach seinem Ableben entstanden umfangreiche Nachlaßverhandlungen, darunter solche seines Executors Nikolaus von Mornberg mit dem Bruder des Verstorbenen, dem Bürger Hans Sedlmair von Friedberg8).

Die in der Nachzeichnung bei Frey leer gelassene Tafel im Giebel könnte ursprünglich noch ein Nomen sacrum in Form eines Jesus-Monogrammes enthalten haben, doch war sie offenbar schon zu Zeiten ihrer ersten kopialen Erfassung im heute verschollenen Eckherschen Grabsteinbuch nicht mehr lesbar9).

Außer dem Epitaph gab es im Südflügel des Domkreuzgangs noch eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit folgender Inschrift: R(e)v(eren)dus D(omi)nus Martinus Sedlmajr. O(biit) A(nn) D(omi)ni 157210). Die Bodenplatte ging vermutlich erst bei der Neupflasterung von Kreuzgang und Benediktuskirche 1830 verloren. Beim Text dieser Platte handelt es sich wohl um die von Eckher, Prey und Bugniet des Croisettes mitgeteilte Grabinschrift11). Möglicherweise war Textabschnitt VII des Epitaphs bereits im 17. Jahrhundert so stark verderbt, daß in der kopialen Überlieferung an seine Stelle der Text der Eckherschen Bodenplatte trat.

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgende Unterbrechung durch ein Band.
  2. R hochgestellt.
  3. Nachfolgende Unterbrechung durch linken Arm und Gewand Christi.
  4. Sic, Akkusativ statt Nominativ.
  5. Letzte Zeile zentriert gesetzt.
  6. BSB Cgm 1717: Sedlmair fehlt.
  7. BSB Cgm 1717: 1572.

Anmerkungen

  1. Die vor 1716 anzusetzende Bildvorlage der Nachzeichnung in HVO Ms. 318 fol. 68r stammt höchstwahrscheinlich aus dem verschollenen Eckherschen Grabsteinbuch, vgl. Einleitung LIV und LXXXVI; Götz, Grabdenkmäler 63f.; vgl. Nr. 165, 173(†), 181, 183, 215, 312, 316.
  2. Geteilt, oben in Schwarz der obere Teil eines oberhalben Löwen, in der rechten Pranke einen Pfeil haltend, unten dreimal von Rot vor Silber schräggeteilt. Helmzier: zwischen Büffelhörnern ein oberhalber Löwe, in der rechten Pranke einen Pfeil haltend.
  3. Friedberg, Lkr. Aichach-Friedberg, Schw.
  4. Matrikel LMU I Sp. 583 Z. 41, 1542 Juni 24.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 56v.
  6. AEM H 482a p. 1101.
  7. Vgl. AEM DK 6 fol. 144r.
  8. AEM DK 180.
  9. Vgl. Anm. 1.
  10. AEM H 76 p. 324.
  11. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 56v; BSB Cgm 1717 p. 857; AEM H 76 p. 324.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 56v; BSB Cgm 1724 p. 238 Nr. 88; BSB Cgm 1717 p. 857; AEM H 482a p. 874, 1101; BSB Cgm 1718 p. 428; HVO Ms. 318 fol. 78r; AEM H 477 p. 758; AEM H 65 p. 501; AEM H 465 fol. 234v; AEM H 466; HVF U XI 11 p. 15 Nr. 115; Schlecht, Inschriften III 88 Nr. 60; AEM Nachlaß Boegl Nr. 34 (Domherren 4); Glaser, Grabsteinbuch 363f. Nr. 178.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 275 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0027505.