Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 274 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1567

Beschreibung

Epitaph und figurale Gedenkplatte für Bischof Moritz von Sandizell. In der Vorhalle an der Nordwand. Ursprünglich im Dom an einem Pfeiler zwischen Mittelschiff und innerem südlichen Seitenschiff nahe dem Justinus-und-Oswald-Altar, wohl im Zuge der Barockisierung des Domes 1723–1724 an den heutigen Standort versetzt1). Zweiteiliges Denkmal in Form einer figuralen Gedenkplatte mit darüber angebrachtem Epitaph, als Pendant zum Grabmal für Bischof Philipp von der Pfalz (Nr. 210) angelegt. Adneter Kalkstein für die figurale Platte sowie für den Sockel, den Rahmen und den Giebel des Epitaphs; heller Kalkstein für das Wappen und das Mittelfeld des Epitaphs.

Rahmung der figuralen Gedenkplatte durch einen Karnies; im Mittelfeld unter einem Rundbogen, dessen Zwickel mit Blattranken gefüllt sind, Darstellung des Verstorbenen als Bischof in vollem Ornat, in der Rechten ein Buch, die Linke den Bischofsstab umgreifend; dessen Krümme mit einer Blüte und einer kleinen Figur gefüllt; die reich verzierte Mitra mit einer Darstellung der Verkündigung an Maria, dabei der Stab des Engels mit einem Schriftband versehen (IV); das Pluviale mit Damaszierung, am Saum eine Bordüre mit zahlreichen Heiligenfigürchen, über der Brust zwei durch ein Band verbundene dreipaßförmige Schließen, diese mit je einem Wappen besetzt; unterhalb ein Pektorale mit Kreuztitulus (V). Um das Bildfeld des Epitaphs Ädikularahmung mit ionischen Pilastern, in der Frieszone des Gebälks der Wahlspruch des Verstorbenen (I), darüber Rollwerkgiebel mit dessen Wappen, in der Sockelzone bilobiertes Feld mit Rollwerk in der Mitte oben und unten, darin die Grabinschrift (III); im Bildfeld auf der linken Seite Christus am Kreuz, der Stamm von Maria Magdalena umklammert, oben am Kreuz ein Titulus (II); rechts im Vordergrund Darstellung des Verstorbenen im bischöflichen Ornat, vor dem Kreuz kniend mit zum Gebet gefalteten Händen, geleitet vom hl. Andreas; im Hintergrund eine Hügellandschaft mit Stadtsilhouette, darin rechts hinter dem Kruzifixus der hl. Johannes Ev., die klagende Maria stützend, links zwei römische Soldaten, am Himmel ein Wolkenband mit Sonne und Mond.

Maße: H. 239 cm, B. 117,5 cm, Bu. 3,2 cm (I), 1,8 cm (II), 2,0 cm (III), 0,2 cm (IV), 0,3 cm (V).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 274 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1567

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    MORTISa) INITIVMa) VITAE MEAE PRINCIPIVM

  2. II.

    · I · N · R · I ·

  3. III.

    ANNOa) SALVTIS HVMANAE MILLESIMO QVINGENTESIMO SEXAGESIMO SEPTIMO QVARTO / CALEN(DIS) MARTII PIE IN CHRISTOa) DEFVNCTVS EST R(EVEREN)DISSIMVSa) ATQVE AMPLISS(IMVS)a) PRINCEPS / AC DOMINVSa) D(OMINVS)a) MAVRITIVSa) DE SANDICELL FRISI(N)GENSISb) ECCLESIAEa) EPISCOPVS CVIVS PIIS / SEMPER IN CHRISTOa) VICTVRIS MANIBVS FRATER ORTOLPHVSa) MONVMENTVM PIE=/TATIS ERGO FIERI CVRAVIT. ECCLESIAEa) FOEICITERc) PREFVIT OCTO ATQVE LIIa) ANNOSd) / VIXITe)

  4. IV.

    AVE M(ARIA)

  5. V.

    INRI

Übersetzung:

Der Beginn des Todes ist der Anfang meines Lebens. (I)

Im Jahre des Heils der Menschheit eintausend fünfhundert siebenundsechzig am vierten Tag vor den Kalenden des März starb fromm in Christus der hochwürdigste und angesehenste Fürst und Herr, Herr Moritz von Sandizell, Bischof der Kirche von Freising, dessen in Christo ewig seligen Manen sein Bruder Ortolph dieses Denkmal zum frommen Gedächtnis gesetzt hat. Er stand der Kirche acht Jahre segensreich vor und lebte 52 Jahre. (III)

Gegrüßet seist du, Maria. (IV)

Datum: 1567 Februar 26.

Wappen:
Bischof Moritz von Sandizell2).
Hochstift Freising3), Sandizell4).

Kommentar

Laut Inschrift wurde das Epitaph im Auftrag des Bruders des Bischofs, Ortolph von Sandizell, errichtet5). Zu diesem Vorgang hat sich ein Briefwechsel erhalten, der ein Schreiben des Ortolph von Sandizell vom 9. November 1567 an Bischof Ernst enthält, worin Ortolph bittet, das Epitaph seines Bruders nahe dessen Grabstätte im Dom aufstellen zu dürfen6).

Der einem bayerischen Adelsgeschlecht angehörende Moritz von Sandizell entstammte der Linie zu Edelshausen7). Seine Familie besaß ab 1557 in den Gerichten Aichach, Pfaffenhofen und Schrobenhausen die Edelmannsfreiheit8). 1514 wurde er als Sohn des Sigmund von Sandizell und der Amalie, geb. von Weichs, geboren9). 1529 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt10). Seit 1532 Domherr in Freising, rückte er 1546 ins Domkapitel auf11), zugleich versah er bis 1555 die Pfarrei St. Peter in Velden12) und im Anschluß daran bis 1557 die Pfarrei St. Martin in Buch a. Erlbach13). Am 12. Juni 1559 wurde er vom Domkapitel zum 50. Bischof von Freising gewählt, wozu er am 26. Mai 1560 die päpstliche Konfirmation erhielt14). In den Beginn seiner Amtszeit fällt die Durchführung der Visitatio Bavarica, die noch unter seinem Vorgänger Leo Lösch vorbereitet worden war. 1563 stiftete er acht neue Glocken für den Nordturm, dessen Geläut bei einem Brandunglück zerstört worden war, s. Nr. 259266. Bischof Moritz konnte sich nicht durchringen, dem scharfen Reformkurs des bayerischen Herzogs Wilhelm V. zu folgen. Nicht zuletzt seine zögerliche, auf Ausgleich bedachte Haltung führte zu seiner vom Herzog erzwungenen Resignation am 18. Oktober 1566, wodurch der Freisinger Bischofsstuhl für dessen Sohn Ernst frei wurde. Moritz von Sandizell starb am 26. Februar 1567 infolge eines Schlaganfalls, den er im Bad der Residenz erlitten hatte, nur einen Tag vor Übergabe der Freisinger Residenz an seinen Nachfolger15).

Eine weitere Gedenkplatte für Sandizell ist nur kopial überliefert, s. Nr. 277†.

Außerdem gibt es im Dom im südlichen Gang des Mittelschiffs eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit folgender Inschrift: MAURITIUS A SAN/DIZELL EP(ISCOP)US L. FRIS(INGENSIS) / O(BIIT) 26. FEB(RUARII) / A(NN)o 156716).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. Vergrößerter Versal. Erstes N fehlt.
  3. Irrig statt FELICITER.
  4. O/S-Enklave.
  5. Wort an den rechten Rand des Feldes gerückt.

Anmerkungen

  1. Nach Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 329, befand sich nahe dem Justinus-und-Oswald-Altar auch das Grabmal (Sepultus est ad aram Divi Justini, ubi sequens epitaphium conspicimus), doch dürfte dieses zum Zeitpunkt von Meichelbecks Textabfassung bereits den Standort gewechselt haben, s. auch Meichelbeck, Chronica 278; AEM H 668 fol. 66v. Der Altar, der sich vermutlich am zweiten südlichen Pfeiler von Westen befand, wurde bereits um 1624 abgebrochen, vgl. Weber, Neugestaltung 167.
  2. Auf dem Epitaph: Quadriert, 1/4. Hochstift Freising (Bi 46, Tafel 76), 2/3. Sandizell (Bay 20, Tafel 14).
  3. Bi 46 (Tafel 76).
  4. Bay 20 (Tafel 14).
  5. Zu diesem s. Hundt, Stammenbuch II 280.
  6. BayHStA HL 3 Fasz. 155/6.
  7. Hundt, Stammenbuch II 280.
  8. Glaser, Grabsteinbuch 317.
  9. Hundt, Stammenbuch II 280; Boegl, Herkunft 1.
  10. Matrikel LMU I Sp. 493 Z. 33, 13. Mai 1529.
  11. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 55v; Landersdorfer, Bistum 100.
  12. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 55v; Velden, Lkr. Landshut, NB.
  13. Meichelbeck, Chronica 276; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 326; BSB Cgm 1717 p. 849; Buch a. Erlbach, Lkr. Landshut, NB.
  14. Meichelbeck, Chronica 276; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 326.
  15. AEM H 57 p. 197; Landersdorfer, Bistum 114.
  16. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 55; AEM H 76 p. 339; Schlecht, Inschriften II 17 Nr. 85. Plattennummer der Bauaufnahme des Staatlichen Hochbauamts Freising von 1993: H.1042.

Nachweise

  1. AEM H 57 p. 199f.; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 330; BSB Oefeleana 10 IV p. 12; BSB Cgm 1717 p. 850; AEM H 482a p. 1089; BSB Cgm 1718 p. 392, 1 nach p. 392; AEM H 464 fol. 20r; HVO Ms. 318 fol. 27r; AEM H 8a p. 49; AEM H 11 p. 4f.; AEM H 465 fol. 217v, 219v; Schlecht, Inschriften I 15f. Nr. 8, Taf. II; Glaser, Grabsteinbuch 317f. Nr. 48.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 274 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0027407.