Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 270 Domkreuzgang 1565

Beschreibung

Epitaph für den Domherrn und Generalvikar Jobst Münch von Münchhausen. Im Nordflügel im neunten Joch an der Südwand. Ursprünglich wohl ebenfalls im Nordflügel, seit 1716 am heutigen Standort. Kalkstein. Die gesamte Platte in Flachrelief, offenbar unter Anwendung von Ätztechnik. In einem segmentbogig abschließenden Feld oben die erhaben ausgeführte Grabinschrift (I), darunter ein Kruzifixus mit Titulus (II) und beschriftetem Kreuzbalken (III); zu Seiten des Kruzifixus je ein großer Wappenschild. Die Freiflächen um das Bildfeld links, rechts und unten mit reichem Schreibmeister-Schlingenwerk gefüllt, oben ein Zapfen aus Linienbündeln in die Schriftzone ragend. Sehr schlechter Erhaltungszustand, besonders in der linken und unteren Plattenhälfte.

Ergänzt nach HVO Ms 318.

Maße: H. 35 cm, B. 35 cm, Bu. 0,7 cm (I), 0,4 cm (II), 0,6 cm (III).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel (I), Kapitalis (II, III).

DI 69, Nr. 270 – Domkreuzgang – 1565

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    [M] · D · // LXVa). / [D(EO) ·] O(PTIMO) [·] M(AXIMO) · S(ACRVM) · /Nemo potest hominu(m) rigidas euadere parcas[.]Certa suo cunctos tempore fata necant.[Si]c etiam ra[p]uit Dominu(m) mors atra Iodocu(m)[Q]ui Münch gentili nomine dictus erat.[Can]o(n)ic(us) t[e](m)pli quod habet Frisinga supremum.[C]uius mens recta etb) vita benigna fuit.[Hi]c iacet hoc uolui ut scires iucunde uiatorI(tem) fac quod iustu(m) est, et bene disce mori.

  2. II.

    INRI

  3. III.

    VIT//Ac) // IN LIGNO

Übersetzung:

1565. Dem besten und größten Gott geweiht. Niemand von den Menschen kann den strengen Parzen entkommen. Das sichere Schicksal vernichtet alle zu ihrer Zeit. So raffte der finstere Tod auch den Herrn Jobst, der mit dem Familiennamen Münch gerufen worden war; Kanoniker an der ranghöchsten Kirche, die Freising hat, war sein Sinn rechtschaffen und sein Leben wohltätig. Hier liegt er, ich habe gewollt, daß du es weißt, heiterer Wanderer. Tu ebenfalls, was richtig ist, und lerne gut zu sterben. (I)

Im Holz (ist) das Leben. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Laudes des Karfreitags – Benedictusantiphon. (III)

Versmaß: Distichen. (I Z. 2-9)

Wappen:
Münch von Münchhausen1), Hausheimer2).

Kommentar

Zu den Schriftformen der Humanistischen Minuskel s. Einleitung CXVIII.

Zu Jobst Münch von Münchhausen, dessen Grabplatte kopial überliefert ist, vgl. Nr. 271†.

Textkritischer Apparat

  1. Sämtliche Zeilen zentriert gesetzt.
  2. et-Ligatur in Form von &.
  3. Unterbrechungen durch Kopf und Arme des Gekreuzigten.

Anmerkungen

  1. BayA1 165 (Tafel 171).
  2. BayA1 43 (Tafel 41).

Nachweise

  1. BSB Cgm 1724, loses Blatt nach p. 288; BSB Oefeleana 10 IV p. 144; BSB Cgm 1717 p. 529; AEM H 482a p. 573, 576; BSB Cgm 1718 p. 264f., 1 nach p. 266; AEM H 76 p. 327; Bugniet, Versuch 84f.; AEM H 64 p. 600f.; HVO Ms. 318 fol. 78r; AEM H 477 p. 758; AEM H 59 p. 53; AEM H 60 p. 123a; AEM H 465 fol. 155v, 156v; AEM H 466; HVF U XI 11 p. 15 Nr. 114; Schlecht, Inschriften V 25f. Nr. 38; Glaser, Grabsteinbuch 363 Nr. 177.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 270 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0027005.