Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 268 Regensburg, Museen der Stadt 1558, 1564

Beschreibung

Gemälde-Epitaph für Erasmus Litzlkircher und seine beiden Frauen Ursula, geb. Jäger, und Katharina, geb. Prechtl. Derzeit im Depot, ab 2010 in der Dauerausstellung vorgesehen. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Andreas, 1803 im kleinen Glockenhaus, danach in der ehem. bischöflichen Galerie im Marstall1); wohl 1812/13 verkauft und in die zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegte Privatsammlung Müller-Kränner in Regensburg gelangt, von dort in den Besitz des Historischen Vereins von Regensburg und Oberpfalz übergegangen; dessen Bestände in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts an das Historische Museum der Stadt Regensburg (Inv.-Nr. HV 1226) überführt2). Öl auf Holz. Nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318 Rahmung durch einen heute verlorenen architektonischen Aufbau: Seitlich kannelierte Pilaster, oben ein Gebälk mit Rankenornamenten und Maskaronen in der Frieszone, unten ein breites, nach unten einziehendes Karniesgesims. Die Bildfläche in den oberen zwei Dritteln des Gesamtfeldes, mit der Darstellung eines Fons Pietatis (Blut-Christi-Brunnen): Links auf einem Sockel der auferstandene Christus mit dem Kreuz in seiner Linken; aus seiner Seitenwunde ergießt sich ein Blutstrahl in ein kreisrundes Brunnenbecken, dessen Sockel aus den vier Evangelistensymbolen besteht; im Brunnenbecken schwimmen zahlreiche Herzen von Gläubigen, die vom Blut Christi gereinigt werden, dabei einige der Herzen mit Attributen von Tugenden versehen: Engel (Castitas), Kelch (Temperantia), gekreuzte Schwerter (Justitia) und verschiedene Tierköpfe; diese werden von der allegorischen Figur der Hoffnung (Spes) mit einem Ankerkreuz – ein Symbol des Glaubens – im Becken verteilt, auf den Kreuzenden verweisen zwei Inschriftengruppen auf fromme Werke, die zur Erlösung führen (Ia, b). Rechts schleudert ein auf einer Weltkugel reitender Teufel – durch die kostbare Satteldecke, die beigegebenen Dämonen und die Krone aus Pfauenfedern als Personifikation der Eitelkeit ausgewiesen – brennende Pfeile auf einen vor dem Gnadenbrunnen betenden Oranten, der allein mit einem roten Umhang bekleidet ist. Doch werden die Pfeile durch den Schild einer Figur abgehalten, die durch das beschriftete Kreuz in ihrer Linken als Allegorie von Glaube, Liebe und Hoffnung ausgewiesen ist (III). Im verblassenden Hintergrund eine Hügellandschaft mit idealer Stadtvedute. Vor dem Podest kniet links der Verstorbene, vor ihm sein Wappen, von den zum Gebet gefalteten Händen ausgehend ein Schriftband (II), rechts von ihm zwei kniende Kinder, durch die Kreuze in ihren Händen als verstorben gekennzeichnet; rechts zwei seiner Frauen kniend, vor ihnen ihre Wappen, in den Händen der linken Frau ebenfalls ein Kreuz. Unter der bildlichen Darstellung in einem querrechteckigen Feld eine Tafel mit abgeschrägten Ecken, darin die Grabinschrift (IV); um diese Tafel aufwendige manieristische Rollwerk- und Grotteskenmalerei, dabei sämtliches Rahmenwerk in illusionistischer Trompe-l’œil-Manier.

Maße: H. 87 cm, B. 57 cm, Bu. 0,5 cm (I), 0,6 cm (II), 0,2-0,4 cm (III), 0,6-1,5 cm (IV)3).

Schriftart(en): Kapitalis (I-IV), Fraktur (IV).

I a. Auf dem Kreuzstamm und den Querbalken.

  1. MORTI//FICA//TIO // CARNISa)

Übersetzung:

Abtötung des Fleisches.

I b. Auf dem Kreuzstamm und den ankerförmigen Balken.

  1. ORATIO // IEIVNIVM // ELEEMOSINAa)

Übersetzung:

Gebet. Fasten. Almosen.

II. Auf dem Schriftband.

  1. NE PROIICIAS ME Ab) // FACIE TVA

Übersetzung:

Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht.

III. Auf dem Kreuzstamm und den Querbalken.

  1. SPES // FIDES // CHARITASa)

Übersetzung:

Hoffnung, Glaube, Liebe.

IV. Auf der Schrifttafel.

  1. ANNO D(OMI)NI . M . D . LVIII . Den XI . / tag Monats Juny Starb die Ernhafft vnd Tugentsam Frau / Vrsula Jagerin deß Ernuesten Hochgelerten Herrn Erasmen Litzlkirchers / beder Rechten Doctor · Bischofliche(n) Rats Zu Rege(n)spurg erste hausfrau der got g(n)ad / Wolgemelter herr Erasm Litzlkircher beeder Rechte(n) doctor vnd Bischoflicher Rath / Zu Rege(n)spurg Starb de(n) · 18 tag Monats Junij Im · 1564 Jar wellicher alhie begraben ligt / Den 〈..〉 tag monats 〈– – –〉 Im · 15〈..〉 Starb die Ernnhafft vnd Tugetnntsamc) frau Katarina Prechtlin / weilandt des Ernuesten hochgelerten herrn Erasmen Litzlkirchers beeder Rechten Doctors anndere hausfrau / Deren vnd allen glaubigen Seelen der Allmechtig got genedig sein Welle Amen.

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

Ps 50(51),13. (II)

 
Wappen:
Litzlkircher4), Jäger5), Prechtl6).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXIV.

Das Gemälde-Epitaph folgt dem im späten Mittelalter entwickelten allegorischen Bildtypus des fons pietatis, der die Erlösung der Menschheit durch das Blut Christi mit Hilfe des Brunnen-Motivs veranschaulicht7).

Erasmus Litzlkircher immatrikulierte sich 1540 an der Universität in Ingolstadt8) und wurde 1543 Chorherr beim Freisinger Kollegiatstift St. Andreas9). 1552 resignierte er sein Kanonikat10) und verheiratete sich wohl bald darauf mit seiner ersten Frau Ursula Jäger, die laut Inschrift bereits 1558 verstarb. Seine zweite Frau Katherina Prechtl starb erst 1600 und wird auf der Grabplatte ihrer Schwester Margaretha Prechtl erwähnt, die in der Kollegiatstiftskirche St. Veit begraben liegt (Nr. 348). Erasmus Litzlkircher starb am 18. Juni 1564. Für ihn ist eine Jahrtagsstiftung nach St. Andreas belegt11).

Textkritischer Apparat

  1. Abschnittweise Anordnung an jeweils einem Balken.
  2. Nachfolgend Unterbrechung durch Knick im Schriftband.
  3. Sic!

Anmerkungen

  1. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 175 prod. 1 p. 59 Nr. 532; Schlecht, Inventar 30 Nr. 532.
  2. Frdl. Hinweis von Herrn Dr. Peter Germann-Bauer, stellv. Direktor der Museen der Stadt Regensburg.
  3. Die erste Zeile der Grabinschrift ist 1,5 cm hoch, dann wird die Schrift in jeder weiteren Zeile ca. 1 mm kleiner, in der siebten bis neunten Zeile erreicht sie nur noch 0,6 cm.
  4. Geteilt von Rot über Silber, darüber auf einem Hügel ein nach links gewendeter Steinbock in verwechselten Farben; vgl. Nr. 201.
  5. BayA3 19 (Tafel 12).
  6. Bg2 8 (Tafel 13).
  7. Vgl. Esther P. Wipfler, Fons Pietatis, in RDK X Lfg. 110 Sp. 140-158.
  8. Echtler, Quellen (15. Feb. 1936) 8; Matrikel LMU I Sp. 566 Z. 24, 16. November 1540.
  9. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 42 fol. 95v; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 52; AEM FS 118 p. 42.
  10. BayHStA Br. Pr. Freising Nr. 42 fol. 96v, 98r; AEM FS 118 p. 42: irrig 1572.
  11. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163a fol. 30v.

Nachweise

  1. HVO Ms. 318 fol. 95r; RDK X Lfg. 110 Sp. 146; Glaser, Grabsteinbuch 382 Nr. 221.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 268 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0026802.