Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 253 Domkreuzgang vor 1560

Beschreibung

Epitaph für den Domdekan Anton von Albersdorf. Im Südflügel zwischen dem ersten und zweiten Joch an der Nordwand. Ursprünglich wohl im Kreuzgang nahe der Grabstätte, seit 1716 am heutigen Standort. Grauer Kalkstein. Rahmung des Bildfeldes durch Pilaster und verkröpftes Gebälk, in der Mitte der Pilaster runde Spiegel, in den übrigen Flächen Arabesken, die Gebälkverkröpfungen mit rautenförmigen Spiegeln, in der Mitte des Gebälks ein runder Spiegel; sämtliche Spiegel heute leer, ursprünglich wohl mit Einlagen aus Rotmarmor. Oberer Abschluß des Bildfeldes durch einen im Gewände kassettierten Segmentbogen, in den Kassettierungen Blüten, in den Zwickeln Posaune blasende Putten. Im Hauptfeld Darstellung des Jüngsten Gerichts: Oben in der Engelsglorie, auf einem Regenbogen, sitzend Christus als Weltenrichter, zu Seiten seines Kopfes Lilie und Schwert, zu seinen Füßen die Weltkugel; unterhalb von ihm als Interzessoren links die hl. Maria, rechts Johannes d. Täufer, beide kniend mit zum Gebet gefalteten Händen, dazwischen eine kleine Menschengruppe, sich an Maria wendend mit der Bitte um Fürsprache, unterhalb Johannes d. Täufers ein Höllenrachen, in den eine Gruppe Verdammter getrieben wird; links unten Darstellung des Verstorbenen kniend im Chorrock mit Almucia, das Birett in den Händen, vor ihm sein Wappen; von ihm ausgehend in Richtung Johannes d. Täufers ein Schriftband (I), rechts eine Schrifttafel mit der Grabinschrift1) (II). Leichte Schäden im Bildfeld und in der Schrifttafel.

Maße: H. 129 cm, B. 81 cm, Bu. 1 cm (I), 1,2 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 253 – Domkreuzgang – vor 1560

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    D(OMI)NE NE INTRES IN IVDICVMa) CV(M) SERVO TVO

  2. II.

    ANNOb) · M · D · L〈Xc)〉 DIE 〈XXIIII〉 MENSIS 〈FEBR(VARII)〉 R(EVEREN)DVSd) ET / [N]OBILIS D(OMI)N(V)Se) ANTHONIVSe) DE ALBERSTORFFe) / V(TRIVSQVE) I(VRIS) DOCTORe) ET DECANVSe) FRISING(ENSIS)e) Q(VI) ET HVI(VS) / VITAE FLENDA[M C]ALAMITATEM EVASIT ET / [A]LTERIVS DE[SIDER]ANDAM FELICITATEM / ADEPTVS EST C[VI](VS) OSSA HEC TELLVS CONTINET

Übersetzung:

Herr, trete nicht in das Gericht ein mit deinem Diener. (I)

Im Jahre des Herrn 1560 am 24. Tage des Monats Februar entkam der hochwürdige und edle Herr Anton von Albersdorf, Doktor beider Rechte und Freisinger Dekan, dem Jammertal des irdischen Lebens und erlangte die ersehnte Glückseligkeit des anderen. Seine Gebeine enthält diese Erde. (II)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Ps 142,2. (I)
Wappen:
Albersdorf2).

Kommentar

Das Sterbedatum wurde, wie sich aus den leicht vergrößerten und sehr eng gesetzten Zahlzeichen XXIIII des Tagesdatums ergibt, offensichtlich nachgetragen. Ebenso dürfte es sich beim Zahlzeichen X der Jahreszahl um einen Nachtrag handeln, während das L augenscheinlich keinen Unterschied zu den Buchstaben des Originalbestandes aufweist.

Das Epitaph wird von Peter Reindl der Loy-Hering-Werkstätte zugeschrieben3). Als charakteristische Schriftmerkmale dieser Werkstatt sind hier die beidseitigen Kopfserifen bei A, M und N sowie die Serifen des T anzusprechen, welche in Form von lang ausgezogenen Linksschrägen beiderseits des Deckbalkens ausgestaltet sind4). Zu den Schriftformen s. auch Einleitung CXIII.

Anton von Albersdorf entstammte einer pfälzischen Adelsfamilie. Er kam 1494 als Sohn des Rentmeisters Ulrich von Albersdorf und der Ottilie, geb. von Harbach, zur Welt5). Ab 1507 studierte er an der Universität Ingolstadt6), ab 1515 in Bologna und beendete im folgenden Jahr sein Studium mit der Promotion zum Doktor beider Rechte7). 1516 wurde er Domherr in Freising und rückte 1519 ins Domkapitel auf8). 1532 kam das Amt des Domkustos hinzu, 1539 das des Domdekans9). Seit 1552 amtierte er außerdem als Stiftspropst in Isen10). Daneben war er zeitweise auf dem Konzil von Trient als bevollmächtigter Vertreter des Erzbischofs von Salzburg und der Bischöfe von Freising, Passau und Regensburg tätig11). In seinem Testament vermachte er der Freisinger Almosenstiftung 6000 fl., wobei die daraus jährlich erlösten 300 fl. an Zinsen den Stadtarmen zugute kommen sollten12). Außerdem veranlaßte er eine Jahrtagsmesse an die Freisinger Domkirche13).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: ANTONI(VS) DE ALBERSTORFF NOB(ILIS) ET D(OCTO)R DECAN(VS) / ET PRAEPOS(ITVS) IN ISEN O(BIIT) A(NN)O 1560. 24 FEB(RVARII)14).

Zur Wappengrabplatte des Anton von Albersdorf s. Nr. 254†.

Textkritischer Apparat

  1. Irrig für IVDICIVM.
  2. Ausbruch bei AN, die Oberlängen noch sichtbar; vergrößerter Versal.
  3. Nach ergänztem X größerer Freiraum.
  4. DVS über die Oberlinie gestellt.
  5. Vergrößerter Versal.

Anmerkungen

  1. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 14 Nr. 107.
  2. BayA1 27 (Tafel 23).
  3. Reindl, Loy Hering 469; Dehio Obb 313.
  4. Vgl. auch Bornschlegel, Loy Hering, der ausführlich auf die Inschriften der Werkstatt des Loy Hering eingeht.
  5. BSB Cgm 2268 I p. 20/34.
  6. Matrikel LMU I Sp. 320 Z. 5, 20. September 1507; AEM H 64 p. 673.
  7. Knod, Studenten 8 Nr. 39.
  8. BSB Cgm 2268 I p. 20/34; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 3r.
  9. BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris ad fol. 7 p. 5, fol. 13v; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 607 Nr. 44.
  10. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Zenonis in Isen fol. 38v; Isen, Lkr. Erding.
  11. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 3r.
  12. BayHStA Freising Urkunden 1547 August 16, 1553 Oktober 20; BSB Cgm 2268 I p. 21/35; Prechtl, Wohlthätigkeitsanstalten 95; Beierlein, Regesten 338.
  13. BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 33v; BayHStA HL Freising Nr. 573.
  14. Vgl. AEM H 482a p. 41; BSB Cgm 1718 1 vor p. 6; AEM H 58 p. 56 (zweimal, jeweils beginnend mit dem Textanfang der Wappengrabplatte, s. Nr. 254†); AEM H 465 fol. 10v.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 3r; BSB Oefeleana 10 IV p. 103f.; BSB Cgm 1717 p. 34; AEM H 482a p. 41, 43; BSB Cgm 1718 1 vor p. 6, 10; AEM H 76 p. 333; AEM H 64 p. 618f.; HVO Ms. 318 fol. 76r; AEM H 477 p. 756; AEM H 58 p. 56 (-);AEM H 465 fol. 10v, 14r; HVF U XI 11 p. 14 Nr. 110; Schlecht, Inschriften III 90f. Nr. 63, Taf. XXI; Reindl, Loy Hering 469; Glaser, Grabsteinbuch 361 Nr. 171.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 253 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0025305.