Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 248 Domkreuzgang 1558, 1558–1607

Beschreibung

Wappenplatte für den Domherrn Georg Wirttenberger. Im Nordflügel zwischen dem zweiten und dritten Joch an der Südwand. Ursprünglich im Kreuzgang nahe der Grabstätte1), seit 1716 am heutigen Standort. Sandstein. In der oberen Hälfte der Platte die Grabinschrift mit Stiftervermerk (I). In der unteren Hälfte in einem quadratischen Feld ein kreisrundes Medaillon mit dem Vollwappen des Verstorbenen; in den oberen Bogenzwickeln je ein geflügelter Puttenkopf, in den unteren Bogenzwickeln links der Kopf eines Mannes im Profil mit Birett, neben ihm ein Stundenglas, rechts ein Totenschädel und Gebeine; das quadratische Feld von je einer Blüte flankiert; darunter eine weitere Inschrift (II). Auf der gesamten Platte zahlreiche Ritzinschriften, vorwiegend des 16. Jahrhunderts (III-XV)2).

DI 69, Nr. 248 – Domkreuzgang – 1558, 1558–1607

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/6]

Maße: H. 130 cm, B. 82 cm, Bu. 4,2 cm (I), 2,8 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis (I, II, V, XIV), Minuskel (VI, VII, VIII, IX, X, XI), Humanistische Minuskel (XV), Kursive (III, IV, XII, XIII).

I.

  1. REVERENDOa) AC CLARISS(IM)Ob) VIRO GEOR=/GIOc) WIRTENBERGERO .I(VRIS) V(TRIVSQVE) LICEN=/TIATO, CAN(ONI)COd) HVI(VS) ECCL(ESI)AEr) HAEREDES / SVI AMORIS ERGO POSVERE, C(VIVS) A(N)I(M)A / AETERNA DONETVR VITA · O(BIIT) · AN(N)Oc) · / D(OMI)NI · M · D · LVIII · DIE · VERO · XVI · FEBRV=/ARIIg) ·

Übersetzung:

Dem hochwürdigen und sehr berühmten Mann Georg Wirttenberger, Lizentiat der beiden Rechte, Kanoniker dieser Kirche, haben seine Erben (dieses Denkmal) aus Liebe gesetzt. Seiner Seele möge ewiges Leben geschenkt werden. Er starb im Jahre des Herrn 1558 und zwar am 16. Tag des Februar.

II.

  1. · MEMENTO MORIf) ·

Übersetzung:

Gedenke, daß du sterben wirst.

III. Über C(VIVS) in Z. 4 von Text I.

  1. Caspar Veselger / zue polling3) / 1558

IV. Über DONETVR in Z. 5 von Text I.

  1. Caspar Mautner

V. Auf der Fläche oberhalb des linken Puttenkopfes.

  1. IOHANES REMBSEL / 1567

VI. Auf der Stirn des linken Puttenkopfes.

  1. Angelus

Übersetzung:

Engel.

VII. Am Ring des Wappenmedaillons unterhalb des rechten Puttenkopfes.

  1. M: Grienörbel pötmesan(us)4) st[u]dios(us) 1607

Übersetzung:

M. Grienörbel aus Pöttmes, Student, 1607.

VIII. Im Zwickelfeld links neben dem Helmbusch.

  1. Iacobus Seins=/felt Wittlich=/ius5)

Übersetzung:

Jakob Sensfeld aus Wittlich.

IX. Im Zwickelfeld rechts neben dem Helmbusch.

  1. Ioh– – – 1596

X. Am linken Randstreifen über der Rosette.

  1. Caspa

XI. Am linken Randstreifen über der Rosette.

  1. Georgius / Schinnber– – – / – – –

XII. Am linken Randstreifen über der Rosette.

  1. Christoff Schuester Von Buoch=/lowe6) Hab Alhie Bey Ainem Thom=/Hern Gedientt Von Anno 1593 / Bis Ins 94 · 95 · 96 · 97 t(en) Jare d(omini)

XIII. Am linken Randstreifen über der Rosette.

  1. du solt deß dottes getenckhen / den dott

XIV. Am linken Randstreifen über der Rosette.

  1. NPh)

XV. Am linken Randstreifen unter der Rosette.

  1. Johannes H– – – i)

 
Wappen:
Wirttenberger7).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXIII. Nach Ausweis der Schriftgestaltung stammt die Wappenplatte vom selben Künstler – dem in München tätigen Bildhauer Sebald Hering –, dem Peter Reindl das Epitaph für Georg IV. Graf von Ortenburg zuweist, vgl. Nr. 236.

Georg Wirttenberger entstammte einer bayerischen Bürgerfamilie aus Riedenburg8). 1495 erhielt er als Prezist König Maximilians ein Benefizium bei der Alten Kapelle in Regensburg9), ab 1497 auch das dortige Vikariat10). 1509 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt11) und promovierte laut Inschrift zum Lizentiat beider Rechte. 1537 ist Wirttenberger als Vertreter des Regensburger Bischofs in Salzburg genannt12). Als Vikar und Offizial bei der Alten Kapelle in Regensburg erlangte er 1538 ein Kanonikat am Freisinger Domstift und wurde 1544 zum Kapitular gewählt13). 1549 agierte er als Vertreter des Freisinger Domkapitels auf der Synode in Salzburg14). Er veranlaßte eine Jahrtagsmesse an die Freisinger Domkirche15). Von Georg Wirttenberger hat sich ein Testament erhalten, in welchem von seiner gewünschten Grabstätte neben der des Georg Stenglin (Nr. 239(†)) und auch von einer Tochter die Rede ist16).

Ritzinschriften von Christoph Schuster finden sich auch bei Nr. 95/IV und Nr. 242/VII, XIII, XIX, XX.

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: GEORGIVS WIRTENBERGER LICENT(IATVS) / CAN(ONICVS) O(BIIT) A(NN)O 1558. 16 FEB(RVARII)17).

Textkritischer Apparat

  1. Nach REVEREN Doppelpunkt, DO über die Oberlinie gestellt, vergrößerter Versal.
  2. O über die Oberlinie gestellt, vergrößerter Versal.
  3. Vergrößerter Versal.
  4. CO über die Oberlinie gestellt.
  5. Linker Schrägschaft des A auf den Balken des L gestellt.
  6. Worttrennzeichen quadrangelförmig; Schlußzeichen paragraphenförmig.
  7. Zeichen zu Beginn und Ende dieser Inschrift paragraphenförmig.
  8. Unter dem auf eine Linie gestellten Nexus litterarum NP ein Stab mit zwei horizontalen Schlangenlinien, darunter eine perspektivisch dargestellte trapezoide Grundplatte.
  9. Unter der Inschrift eine Marke im Schild: Vierkopfschaft mit Sternkreuzsprosse und Sturzsparrenfuß; weiter unten ein eingeritztes Zifferblatt.

Anmerkungen

  1. Der genaue Standort im Kreuzgang ist nicht bekannt, s. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 68r.
  2. Bei den von Schlecht als Künstlersignatur gedeuteten Buchstaben CFAVZ am Hut des Männerkopfes im linken unteren Medaillonzwickel handelt es sich um eine Ritzinschrift unbestimmter Zeitstellung, vgl. Schlecht, Inschriften V 32f. Nr. 48.
  3. Polling, Lkr. Weilheim-Schongau.
  4. Pöttmes, Lkr. Aichach-Friedberg, Schw.
  5. Wittlich, Lkr. Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz.
  6. Buchloe, Lkr. Ostallgäu, Schw.
  7. Schrägbalken, belegt mit drei übereinander angeordneten Eicheln.
  8. Riedenburg, Lkr. Neumarkt i. d. Opf., Opf.
  9. Schmid, Urkunden-Regesten d. Alten Kapelle I 427 Nr. 2025.
  10. Schmid, Urkunden-Regesten d. Alten Kapelle I 290 Nr. 1435, 310 Nr. 1532.
  11. Matrikel LMU I Sp. 333 Z. 38, 28. Oktober 1509.
  12. Dalham, Concilia Salisburgensia 303.
  13. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 68r.
  14. Dalham, Concilia Salisburgensia 341.
  15. BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 33r; BayHStA HL Freising Nr. 573.
  16. BayHStA Freising Urkunde 1557 März 28.
  17. Vgl. AEM H 482a p. 1050; BSB Cgm 1718 1 nach p. 534; AEM H 465 fol. 279v.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 68r; BSB Cgm 1724 p. 278 Nr. 45; BSB Oefeleana 10 IV p. 137; BSB Cgm 1717 p. 1014; AEM H 482a p. 1050f.; BSB Cgm 1718 1 nach p. 534, p. 535; AEM H 76 p. 335; AEM H 64 p. 621f.; HVO Ms. 318 fol. 76r; AEM H 477 p. 756; AEM H 61 p. 209; AEM H 465 fol. 279r, 279v, Appendix fol. 12v; AEM H 466; HVF U XI 11 p. 14 Nr. 108; Schlecht, Inschriften V 32f. Nr. 48, 48a; Glaser, Grabsteinbuch 360 Nr. 169.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 248 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0024808.