Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 237 Domkreuzgang 1553, 1561–1611

Beschreibung

Wappenplatte für den fürstlichen Rat Hans Münch zu Münchhausen. Im Nordflügel zwischen dem sechsten und siebten Joch an der Südwand. Der Kreuzgang als ursprünglicher Begräbnisort nachgewiesen1), die Platte seit 1716 am heutigen Standort. Grauer Kalkstein. In der oberen Hälfte der Platte die Grabinschrift2) (I), hier in den Ecken zwei geneigte Ahnenwappenschilde, dazwischen die ersten beiden Zeilen der Inschrift einziehend; unter der sechszeiligen Inschrift Freiraum für weitere vier Zeilen. In der unteren Hälfte das Eheallianzwappen des Verstorbenen unter gemeinsamem Helm, darunter ein Totenschädel mit überkreuzten Gebeinen; in den unteren Ecken ebenfalls zwei Ahnenwappenschilde, in den oberen Ecken des Wappenfeldes zwei Blattvoluten. Leichte Schadstellen am Unterrand. Auf der gesamten Platte zahlreiche Ritzinschriften, überwiegend aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts (II-XXIX).

Maße: H. 161 cm, B. 70 cm, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur (I), Kursive (II-VI, IX-XI, XXVI, XXVII), Humanistische Minuskel (VII, VIII, XII), Minuskel (XIII, XVIII-XXV, XXVIII, XXIX), Mischschrift aus Minuskel/Kapitalis (XV), Kapitalis (II, XVI).

I.

  1. Alhie · ligt · Begraben · / der · Edl · vnnd · Vesst · / Hanns · munich · Zv · munichausen · F(ürstlicher) · / Rath · alhie · gewest · der · gestorben · ist · / Den · 28 · Augustj · Jm · 15 · 53a) · / Jar · dem · gott · Genedig · sein · welleb) ·

II. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. fon shroß burg3) / M A / M Ac)

III. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. hans sche– – –

IV. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Gott vor Allen dingen

V. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. daniel

VI. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Thomas Gasseman

VII. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Melchior Preninger / diaconus

Übersetzung:

Melchior Preninger, Diakon.

VIII. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Johannes Rämbsel Com[i]tatu Hagg4) / verbum D(omi)ni manet in AEternum

Übersetzung:

Johannes Rämbsel aus der Grafschaft Haag. Das Wort des Herrn währt ewiglich.

IX. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Sebald

X. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Paulluß Schuest(er) 1609 Jars

XI. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Johannes Ste– – –

XII. Im Freiraum unter der Grabinschrift.

  1. Primus Nemsiger / 1573

XIII. Unten am linken Akanthusornament in der linken oberen Ecke des Bildfeldes.

  1. Georgi

XIV. Auf dem Akanthusornament in der rechten oberen Ecke des Bildfeldes.

  1. Valentin(us) Wendius Pomeran(us)5)

Übersetzung:

Valentin Wend aus Pommern.

XV. In einem Blatt der linken Volute der Helmdecke.

  1. IoaNES Mögerl / von Burggd)6)

XVI. Auf der linken Volute der Helmdecke.

  1. SEBASTI[AN]

XVII. Am Ansatz der linken Helmdecke.

  1. W=T=G=M 1611 / MOgVNT(IACVM)7)

XVIII. Am Ansatz der linken Helmdecke.

  1. Ioseph(us)

XIX. Am Ansatz der linken Helmdecke.

  1. Joseph Gerzinger

XX. Am Ansatz der linken Helmdecke.

  1. Gregoryus / Münich / Minor

Übersetzung:

Gregor Münch der Jüngere.

XXI. Auf dem äußeren linken Fiederblatt der linken Helmdecke.

  1. Georgius / S– – –-

XXII. Auf dem äußeren linken Fiederblatt der linken Helmdecke.

  1. praesens Georgius Reiss / 1561

Übersetzung:

In Gegenwart von Georg Reiss, 1561.

XXIII. Unter dem Spangenvisier des Helms.

  1. Viol– – – corbinnian

XXIV. Unter dem Spangenvisier des Helms.

  1. Steffanus – – –

XXV. In einem Blatt der rechten Volute der Helmdecke.

  1. Georgi(us) Monach(us) / Lippensis8) / 1577

Übersetzung:

Georg Münch aus Lippe, 1577.

XXVI. Am Ansatz der rechten Helmdecke.

  1. Joannes Hel=/wachs

XXVII. Am Ansatz der rechten Helmdecke.

  1. Jacob(us) Hessel / von H– – –ingen / 73

XXVIII. Auf dem Haupt des linken Wappenschildes.

  1. Oswald klusy (?) / von lutzern9)

XXIX. Im rechten Wappenschild vorn im zweiten vertieften Balken.

  1. Stephanus Meir / 1[5]69

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

1 Pt 1,25. (VIII)

     
Wappen:
Münch von Münchhausen10), Messenbeck zu Schwendt11).
Perfall12) Lösch13)
Hausheimer14) Thann15)

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXVI.

Der Ritter Hans Münch von Münchhausen, Sohn des Koloman Münch und seiner Frau Anna, geb. Perfal von Greiffenberg16), war fürstbischöflicher Rat in Freising. Aus seiner 1550 geschlossenen Ehe mit Sibilla, geb. Messenbeck zu Schwendt, ging eine Tochter hervor, die jedoch jung verstarb17). Sein Onkel Jobst Münch von Münchhausen war Kanoniker im Freisinger Domstift und liegt ebenfalls im Domkreuzgang begraben (Nr. 270, 271). Ein weiterer Onkel, Gregor Münch zu Münchhausen, war Kanoniker der Kollegiatstiftskirche St. Johannes Baptist, wo sich auch seine Grabstätte befand (Nr. 322).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: IOANNES MVENCH DE MVENICHAVSEN / CONSILIAR(IVS) EP(ISCOP)I FRIS(INGENSIS) O(BIIT) A(NN)O 1553. 28 AVG(VSTI)18).

Textkritischer Apparat

  1. Ziffer 3 aus 4 korrigiert.
  2. Worttrennzeichen in Form kleiner Dreiecke.
  3. Zwischen den beiden letzten Initialen eine Marke: Pfeilkopfschaft mit Göpelfuß, überdeckt von einem nach unten und oben spitz abgewinkelten Schragen.
  4. Die Inschrift in einem Kasten mit Zeilenlinien.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 II p. 883.
  2. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 13 Nr. 100.
  3. Evtl. verballhornt aus Straßburg, Dép. Bas-Rhin, Frankreich.
  4. Haag, Lkr. Mühldorf a. Inn.
  5. Region Pommern in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowie in der Wojewodschaft Westpommern, Polen.
  6. Evtl. Burk, Lkr. Ansbach, Mfr.
  7. Mainz, Rheinland-Pfalz.
  8. Landesteil Lippe, Nordrhein-Westfalen.
  9. Luzern, Kt. Luzern, Schweiz.
  10. BayA1 165 (Tafel 171).
  11. BayA1 163 (Tafel 169).
  12. Bay 50 (Tafel 50): hier nur Stammwappen.
  13. Bay 15 (Tafel 9).
  14. BayA1 43 (Tafel 41).
  15. BayA1 94 (Tafel 92).
  16. BSB Cgm 2268 II p. 883; Hundt, Stammenbuch III 477.
  17. BSB Cgm 2268 II p. 883; Hundt, Stammenbuch III 477.
  18. Vgl. AEM H 482a p. 577; BSB Cgm 1718 3 nach p. 266; AEM H 465 fol. 157r.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 883; BSB Oefeleana 10 IV p. 140; AEM H 482a p. 573, 576; BSB Cgm 1718 p. 265, 3 nach p. 266; AEM H 76 p. 336, 381; AEM H 477 p. 754; AEM H 64 p. 621, 659; HVO Ms. 318 fol. 74r; AEM H 465 fol. 155v, 157r; HVF U XI 11 p. 13 Nr. 102; Schlecht, Inschriften V 30 Nr. 45; Glaser, Grabsteinbuch 357f. Nr. 162.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 237 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0023703.