Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 236 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1553

Beschreibung

Epitaph für den Dompropst Georg IV. Graf von Ortenburg. In der Vorhalle an der Nordwand. Ursprünglich im äußeren nördlichen Seitenschiff in der Georgskapelle1), im Zuge der Umgestaltung des Doms 1723–1724 an den heutigen Standort versetzt. Heller Kalkstein. Ädikularahmung mit Balustersäulen, deren Postamente mit Arabesken-Ornamentik, am Architrav eine Beischrift (II), darüber ein heute verlorenes Relief des segnenden Gottvaters im Rundbogengiebel, an dessen Gesims eine weitere Beischrift (I). Im Bildfeld des Mittelteils Darstellung des Erbärmdechristus: Der Schmerzensmann im offenen Sarkophag stehend, die erhobenen Hände mit Wundmalen, im Hintergrund die Leidenswerkzeuge; an der Frontseite des Sarkophags Darstellung des Verstorbenen als kniender Orant im Chorgewand mit Almucia, das Birett vor die Brust haltend, rechts von ihm sein Vollwappen. Unten querrechteckiges Feld mit der Grabinschrift2) (III). Im Bildfeld deutliche Reste einer polychromen Farbfassung erkennbar. Der Giebelaufbau fehlt, starke Schäden im Bereich der linken Säule und der Figur des Oranten, die untere Schrifttafel bereits zur Hälfte zerstört.

Beschreibung und Text ergänzt nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318.

DI 69, Nr. 236 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1553

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

Maße: H. 171 cm, B. 91,5 cm, Bu. 2,5 cm (II, III).

Schriftart(en): Kapitalis.

I. Text nach HVO Ms. 318.

  1. ALPHA // ET O(MEGA)a)

II.

  1. · ECCE HOMOb) ·

III.

  1. REVERENDVSc) [TA]Mc) PIETATE QVAM GENERE [VE]RE / GENEROS[VS DO]MINVS [GEORGIVS EX C]OM[IT]IBV[S] / AB ORTENBVRG PLENV[S DIERVM HVIVS ECCLESIAE] / FRISINGENSIS [PRAEPOSITVS SPIRIT]VM [DEO OSSA] / HV[IC] M[AN]DA[VIT HVMO ANNO MDLIII] / DIE [S]EP[T]IM[O ME]NSIS [MA]II

Übersetzung:

Der hochwürdige, an Frömmigkeit wie auch an Herkunft wahrhaft edle Herr Georg aus dem Geschlecht der Grafen von Ortenburg, Propst dieser Freisinger Kirche, hat reich an Tagen, seinen Geist Gott, seine Gebeine dieser Erde übergeben, im Jahre 1553 am siebten Tag des Monats Mai.

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

Io 19,5. (II)

 
Wappen:
Ortenburg3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXIII.

Das Epitaph wird von Peter Reindl dem in München tätigen Bildhauer Sebald Hering zugeschrieben, der 1563 die Model für die Textkartuschen der Domglocken schuf (s. Nr. 259). Übereinstimmungen zum Werk Loy und Thomas Herings sieht Reindl vor allem im architektonischen Aufbau und in ornamentalen Details4). Die Schriftformen auf der Wappengrabplatte für Georg Wirttenberger verweisen auf denselben Künstler, vgl. Nr. 248. Georg IV. Graf von Ortenburg gehörte einem hochfreien niederbayerischen Adelsgeschlecht an, seine Eltern waren Sebastian Graf von Ortenburg und Maria, geb. Rorbeck von Rorbach5). 1486 erlangte er ein Kanonikat am Freisinger Domstift. Nach Studien in Ingolstadt 14916) und Bologna 15027) wurde er noch 1502 ins Domkapitel gewählt. 1506 nahm er am Konstanzer Reichstag teil8). Von 1510 bis 1519 bekleidete er ein weiteres Kanonikat am Augsburger Domstift9) und wurde 1511 Dompropst in Freising10). Von 1530 bis 1548 war er außerdem Domherr in Salzburg11). Nachdem er 1551 Leo Lösch zu seinem Koadjutor als Dompropst bestimmt hatte12), erhielt er in seinem letzten Lebensjahr noch die Propstwürde des Stifts auf dem Petersberg13). An der Freisinger Domkirche bestand für ihn eine Jahrtagsmesse14).

Außerdem gab es für Georg Graf von Ortenburg in der Kapelle Mariä Heimsuchung noch eine kleine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit folgender Inschrift: Georgius Comes de Ortenburg, Praepositus et Can(onicus) O(biit) A(nn)o 1553. 7. May15). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1842 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Unterbrochen durch Mitra. Text I in HVO Ms. 318 wie auch II und III in Minuskelschrift wiedergegeben, daher analog zum Originaltext II und III hier in Kapitalis.
  2. Worttrennzeichen paragraphenförmig.
  3. Vergrößerter Versal.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 35r.
  2. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 13 Nr. 99.
  3. Bay 17 (Tafel 11).
  4. Reindl, Loy Hering 424f.
  5. Hundt, Stammenbuch II 42.
  6. Matrikel der Universität Ingolstadt 1491, Sp. 208, Z. 19.
  7. Knod, Studenten 260 Z. 41.
  8. Huschberg, Ortenburg 317; Glaser, Grabsteinbuch 357 Nr. 161.
  9. Haemmerle, Canoniker 124 Nr. 613.
  10. BSB Cgm 1716 Catalogus Praepositorum Frisingensium Ecclesiae Cathedralis fol. Fr, 6r, Catalogus Canonicorum fol. 35r.
  11. Riedl, Salzburg’s Domherren 164 Nr. 183.
  12. Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 602 Nr. 44.
  13. BSB Cgm 1716 Praepositi ad. S. Petrum in monte Madronensi fol. 41r, Catalogus Canonicorum fol. 35r; vgl. Huschberg, Ortenburg 318f.; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  14. BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 33r.
  15. AEM H 58 p. 21; BSB Oefeleana 10 IV p. 33; AEM H 76 p. 316f.; AEM H 61 p. 14; Schlecht, Inschriften II 4 Nr. 66.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 35r; BSB Cgm 1724 p. 166 Nr. 4; BSB Oefeleana 10 IV p. 15; BSB Cgm 1717 p. 594f.; AEM H 482a p. 651, 653, 1089; BSB Cgm 1718 1 vor p. 301, p. 303; AEM H 76 p. 304 Nr. 9; AEM H 477 p. 754; HVO Ms. 318 fol. 74r; AEM H 58 p. 21 (H, -); AEM H 465 fol. 174v, 175v; AEM H 466; Huschberg, Ortenburg 317; AEM H 61 p. 14; HVF U XI 11 p. 12 Nr. 101; Schlecht, Inschriften I 17 Nr. 9, VI 119 Nr. 95; Glaser, Grabsteinbuch 357 Nr. 161.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 236 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0023605.