Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 235 München, Bayerisches Nationalmuseum 1552

Beschreibung

Figurale Gedenkplatte für den Stiftskanoniker Matthias Hinderer. Im Depot. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Veit nahe dem Veitsaltar an einer Säule1), spätestens im Sommer 1803 ausgebaut und im Dombereich gelagert, die Platte im Oktober 1879 über das königliche Landbauamt an das Bayerische Nationalmuseum abgegeben2) (Inv.-Nr. R 6753). Heller Kalkstein. Rahmung des Bildfeldes aus Pilastern mit Rollwerkspangen, darüber zwei gegenständige Voluten, seitlich kleiner gestelzter Bogen entwachsend; entlang der Volutenanschwünge der Plattenrand beidseitig abgeschrägt; zwischen den Voluten ein Fries mit zweimal drei Schlitzen, zur Mitte hin in ein lilienförmiges, nach unten gerichtetes Ornament übergehend; darunter zwischen den Pilasterkapitellen ein flacher Segmentbogen. Im Bildfeld vor damasziertem Hintergrund ein Brustbild des Verstorbenen, bekleidet mit Superpelliceum und Birett, in seinen Händen ein aufgeschlagenes Buch haltend. Unten ein schmales Feld mit der Gedenkinschrift. Die linke obere Abschrägung oben teilweise abgeschlagen, außerdem die gesamte Plattenoberfläche durch Lagerung im Freien verschmutzt, zum Teil durch Vogelkot. 1803 nur noch der Textanfang mit Vor- und Familienname gut erkennbar, das Übrige unleßbar3).

Maße: H. 54 cm, B. 45 cm, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 235 – München, Bayerisches Nationalmuseum – 1552

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. MATHIAS HINDERER : VT ANIMA(M) DEVS : TERRA / CORPVS : POSTLIMINIO OLIM RECIPIAT : ET / ISTIC IN PACE QVIESCI PRAECATVR : ∙ 1552a)

Übersetzung:

Matthias Hinderer erbittet, daß die Seele Gott, die Erde den Körper nach dem Heimkehrrecht wieder dereinst empfangen möge und er an diesem Ort in Frieden ruhe. 1552.

Kommentar

Die Gedenkplatte für Matthias Hinderer, die den Verstorbenen im Brustbild zeigt, bleibt in Freising ohne direktes Vergleichsstück. Die aus Rollwerk und Voluten gebildete Ornamentik der Rahmung, die in den Vordergrund gerückte Porträtdarstellung sowie das kalkulierte Ungleichgewicht zwischen Bildanteil und Schriftzone weisen sie als qualitätvolles Werk des Manierismus aus. Vom selben Künstler stammt auch die ebenfalls 1552 datierte Tafel für Jörg Lot und seine Frau Anna, vgl. Nr. 234.

Matthias Hinderer war von 1538 bis zu seinem Tod Kanoniker des Kollegiatstifts St. Veit4), zuletzt auch Kaplan der Benediktuskirche5). Er veranlaßte Jahrtagsstiftungen an seine Stiftskirche6) und die Freisinger Domkirche7).

Abweichend von der Grabinschrift wird in den Quellen übereinstimmend als Todesjahr 1542 und als Todestag der 21. März8), einmal auch der 19. März genannt9). Daher dürfte es sich bei vorliegender Platte um eine Gedenkstiftung von Verwandten zu seinem 10. Todestag handeln, vgl. die im selben Jahr entstandene Gedenkinschrift aus St. Veit für Augustin Merbold (Nr. 233†).

Seine Grabplatte hat sich als Fragment erhalten, s. Nr. 216.

Textkritischer Apparat

  1. Die paarweisen Worttrennzeichen in Form von kleinen, mit den Spitzen zueinander weisenden Dreiecken, die einfachen Worttrennzeichen vor und nach der Jahreszahl quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 406. Kurzfassung der Grabinschrift im 1803 erstellten Grabschriftenverzeichnis des Kollegiatstiftes St. Veit, s. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 221 prod. 3 p. 5 Nr. 32; Feuchtner/Koschade, Kirchen und Grabdenkmäler 153 (hier als Todesjahr 1542 genannt, wohl aufgrund AEM FS 118 p. 127).
  2. BNM Erwerbungsakten ER0558 (Kasten 12).
  3. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 221 prod. 3 p. 5 Nr. 32.
  4. AEM FS 118 p. 127.
  5. AEM H 80 p. 12; HVO Geissiana 532.
  6. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 22v; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 160, 166, 209; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 25v, 43r.
  7. BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 12.
  8. BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM FS 118 p. 127; HVO Geissiana 532.
  9. AEM H 80 p. 12.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 406.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 235 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0023507.