Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 225 Domkreuzgang 1550

Beschreibung

Epitaph für den Domherrn Arsaz Prunner von Thalhausen. Im Südflügel zwischen dem zweiten und dritten Joch an der Nordwand. Ursprünglich wohl ebenfalls im Südflügel nahe der Grabstätte1). Grauer Kalkstein. Im Bildfeld Darstellung Christi am Ölberg: Auf einem Hügel kniend Christus, die Arme ausgebreitet, unterhalb die drei schlafenden Jünger, im Hintergrund eine Parklandschaft, darin links ein überdachter Zugang, durch den drei Soldaten herannahen; in der Himmelszone ein hochschwingendes Wolkenband mit geflügelten Puttenköpfen links und am Scheitel, rechts ein kleiner Engel, mit seiner Rechten Christus einen Kelch reichend, in seiner Linken ein Kreuz; links unten in der Ecke eine verkleinerte Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in seinen Händen das Birett, vor ihm sein Wappenschild; rechts daneben querformatige Tafel mit der Grabinschrift (I). Darunter eine separate querformatige Tafel mit Gedenkinschrift (II), möglicherweise auf dieser eine weitere Inschrift (III). Über dem Bildfeld ein Dreiecksgiebel, darin ein Brustbild Gottvaters, seine Rechte segnend erhoben, in der Linken die Weltkugel, seitlich in den Giebelspitzen kindliche Engel. Die Randpartien sowie der gesamte untere Teil weitgehend abgewittert, die Inschriften bis auf einige wenige Reste völlig zerstört.

DI 69, Nr. 225 – Domkreuzgang – 1550

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

Maße: H. 197 cm, B. 96 cm, Bu. 2,5 cm (I).

Schriftart(en): Kapitalis.

I. Ergänzt nach AEM H 482a p. 716.

  1. [D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO)] / HI[Ca) IACENT OSSA VENERABILIS ET EGREGII QVONDA(M) / DOMINI ARSAC]II [PRON(N)ER, D(OCTORIS) D(ECRETORVM) ET CANONICI FRISINGEN(SIS) / QVI POST MVLTOS LABORES O(BIIT) AN(N)O D(OMI)NI M:D.L DIE / XI. MAJIb).]

Übersetzung:

Dem besten und größten Gott. Hier liegen die Gebeine des einstmals ehrwürdigen und ausgezeichneten Herrn Arsaz Prunner, Doktor des Kirchenrechts und Freisinger Kanoniker, der nach vielen Mühen starb im Jahre des Herrn 1550 am elften Tag des Mai.

II. Ergänzt nach AEM H 482a p. 716.

  1. ARSACIVS PRON(N)ER SATISc) CONCESSIT ACERBIS, HORRIDA QVOD NVLLId) CEDERE FATA SOLENT. INGENIO PRAESTANS, RERVM SPECTATVS IN VSV CONSILIOQVE POTENS, ORE DISERTVS ERAT.

Übersetzung:

Arsaz Prunner fügte sich dem bitteren Geschick, weil niemand dem schaudervollen Schicksal entrinnen kann. Er war von herausragendem Geiste, bewährt im Umgang mit der Welt, fähig zum Entschluß und mit dem Munde beredsam.

III. Ergänzt nach BSB Cgm 1717 p. 661 (Nachz.)2).

  1. Instituit plenu(m) servi/tium in festo S: Arsacy / annuatim I. t(alen)t(um) denar(iorum)

Übersetzung:

Er stiftete jährlich eine ganze Gottesdienstfolge am Fest des hl. Arsatius von 1 Pfund Pfennigen.

Versmaß: Distichen. (II)

 
Wappen:
Prunner3).

Kommentar

Arsaz Prunner von Thalhausen stammte aus einer Münchner Patrizierfamilie. Er war der Sohn von Kaspar Prunner zu Hohenbachern und seiner Frau Katharina, geb. Neuchinger (vgl. Nr. 218†). 1524 war er Pfarrer von Grasselfing4), ebenfalls seit 1524 Kanoniker im Kollegiatstift St. Andreas5). 1528 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt6), wurde dort zum Doktor beider Rechte promoviert7) und erlangte durch Verleihung von Bischof Philipp ein Domkanonikat in Freising. Seit 1530 gehörte er dem Domkapitel an, 1538 wählte man ihn zum Generalvikar und Offizial8). Nachdem er bereits seit 1534 die Propstei des Kollegiatstifts St. Johann übernommen hatte9), wurde er 1543 auch Stiftspropst in Petersberg10). Zwischen 1545 und 1550 ist er als Kanzler in Freising nachweisbar11). Arsaz Prunner veranlaßte Meßstiftungen nach St. Georg12) und an die Domkirche13).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: ARSACI(VS) PRVNER A TALHAVSEN NOB(ILIS) ET D(OCTO)R / CAN(ONICVS) VIC(ARIVS) OFFI(CIALIS) ET PRAEP(OSITVS) MAD(RONENSIS) AD S: PET(RVM) O(BIIT) A(NN)O 1550. 11 MAIJ.14).

Textkritischer Apparat

  1. Vergrößerter Versal.
  2. BSB Oefeleana 10: anno 1550. 11. die May; BSB Cgm 2290 XX, AEM H 482 p. 714: MDL. XI. Die Maj.
  3. BSB Oefeleana 10: fatis.
  4. AEM H 61: multi nulli.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 III fol. 142v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 40r.
  2. Diese Inschrift wird erstmals von Prey sowie – ihm folgend – Bugniet des Croisettes und Heckenstaller mitgeteilt, s. BSB Cgm 1717 p. 661 (Nachzeichnung und Textspalte rechts), AEM H 59 p. 52; Bugniet, Versuch 82; AEM H 60 p. 108a. Da die Angaben Preys nicht immer zuverlässig sind und die unteren Textabschnitte der Platte ab dem späteren 18. Jahrhundert weitgehend zerstört waren, bestehen Zweifel an der Existenz von Text III: So konnte Oefele die Inschriften I und II noch lesen, erwähnt Text III jedoch nicht, während in AEM H 60 p. 17f. der Text bereits ab XI. MAJI als unleserlich bezeichnet ist. Daher dürfte sich Prey einer älteren, heute verlorenen Quelle bedient haben, wobei nicht auszuschließen ist, daß von ihm dabei Text III – in der Vorlage als rein biographische Information aufgeführt – irrtümlich als Inschrift gedeutet wurde, vgl. den ähnlichen Fall bei Nr. 271.
  3. BayA1 130 (Tafel 136).
  4. BSB Cgm 2268 III fol. 142v; Grasselfing, Gde. Olching, Lkr. Fürstenfeldbruck.
  5. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 51: 1525; Bugniet, Versuch: 18. Februar 1524; AEM FS 118 p. 39: 1525; Prechtl, St. Andreas 117: 1525.
  6. Echtler, Quellen (Juni 1935) 8; Matrikel LMU I Sp. 488 Z. 17, 24. Januar 1528.
  7. Resch/Buzas, Doktoren 78, 28. Januar 1528.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 40r; Bugniet, Versuch 82.
  9. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Johannis Baptistae Frisingae fol. 27r. Nach Matrikel LMU I Sp. 488 Z. 17, 24. Januar 1528, wird Prunner in den Ingolstädter Matrikeln als prepositus Sancti Iohannis Frisinge magister bezeichnet. Diese Angabe kann sich jedoch nicht auf seine Immatrikulation beziehen: Stiftspropst Ulrich Höchstätter war am 1. Dezember 1527 verstorben, woraufhin bereits am 9. Dezember 1527 Johannes von Grafenegg zu seinem Nachfolger bestimmt wurde, vgl. AEM FS 118 p. 72. Die Propstwürde Prunners zu diesem Zeitpunkt ist daher auszuschließen. Es handelt sich also wohl um einen späteren Zusatz.
  10. BSB Cgm 2268 III fol. 142v; BSB Cgm 1716 Praepositi S. Johannis Baptistae Frisingae fol. 27r, Praepositi ad S. Petrum in monte Madronensi fol. 40v, Catalogus Canonicorum fol. 40r; AEM FS 118 p. 369; Bugniet, Versuch 82; Dachauer, Kirche am Petersberge 398; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  11. Geiß, Beamte 58.
  12. Prechtl, St. Georg 13 Nr. 146.
  13. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 43; BayHStA HL Freising 573.
  14. Vgl. AEM H 482a p. 714; BSB Cgm 1718 1 vor p. 343; AEM H 64 p. 659; AEM H 465 fol. 195v.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 104f.; BSB Cgm 1717 p. 660f.; BSB Cgm 2290 XX fol. 396v; AEM H 482a p. 714, 716; BSB Cgm 1718 1 vor p. 343, p. 344; BSB Oefeleana 294 fol. 5v, 6r; AEM H 59 p. 52; AEM H 60 p. 17f., 108a; AEM H 64 p. 622, 659; AEM H 76 p. 333; Bugniet, Versuch 82; HVO Ms. 318 fol. 77r; AEM H 477 p. 757; AEM H 61 p. 208; AEM H 465 fol. 195r, 195v; HVF U XI 11 p. 14f. Nr. 112; Schlecht, Inschriften III 89 Nr. 61; Glaser, Grabsteinbuch 362 Nr. 174.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 225 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0022500.