Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 217 Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt 1544

Beschreibung

Baudatierung mit Namensinitialen des Bischofs Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein. Oben an der inneren Chorscheitelwand. Freskomalerei auf Putz. Seitlich eines stark verderbten Doppelwappens mit Tartschen – wohl das Wappen des Fürststifts Freising und das persönliche Wappen Heinrichs – die aufgeteilte Baudatierung, darunter die ebenfalls aufgeteilten Namensinitialen. Nur fragmentarisch erhalten.

Maße: B. 70 cm, Bu. 6,5 cm (Initialen), 8 cm (Datierung).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 217 – Gottesackerk. Mariä Himmelfahrt – 1544

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. H(ENRICVS) W(ORMATIENSIS)a) // [..] / 15 // [4]4b)

Übersetzung:

Heinrich von Worms ... 1544.

Kommentar

Die unvollständig erhaltene Baudatierung steht in engem Zusammenhang mit dem Erwerb des unteren Gottesackers 1542 und dem Neubau der Gottesackerkirche in den Jahren 1543 bis 1545 durch Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, Bischof von Worms und Freising1). Die Jahresangabe 15...4 muß demnach zu 1544 ergänzt werden, während rechts des Wappens die Initialen FE für (et) F(RISINGENSIS) E(PISCOPVS) denkbar sind. Die Gottesackerkirche wurde am 25. August 1549 durch Weihbischof Oswald Fischer konsekriert2).

An der inneren nördlichen Langhauswand findet sich darüberhinaus das freskierte Wappen von Bischof Heinrich, darunter in querrechteckigem Feld die zentrierte Inschrift: Von Gottes // Gnaden Heinrich / ADMINISTRATOR der Stifte Wormbs und / Freising, Probst u(nd) Herr zu Ellwang, Pfaltzgraf bei / Reihn [sic] u(nd) Herzog v(on) Baiern hat diese Kirche angefan=/gen zu bauen im Jahre 1543 und im 45 vollendet3). Aufgrund ihres plakativ historisierenden Charakters dürfte die Inschrift in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgeführt worden sein, zumindest wird sie bereits von Sighart 1855 erwähnt4). Ob sich ehemals an derselben Stelle ein Vorgängerbild – evtl. aus dem 16. Jahrhundert – befand, ist ungewiß.

Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, wurde am 15. Februar 1487 als sechster Sohn des Wittelsbacher Pfalzgrafen Philipp des Aufrichtigen und seiner Gemahlin Margarete von Bayern in Heidelberg geboren5). Von Jugend an für die geistliche Laufbahn bestimmt, wurde er mit einer Fülle von Pfründen ausgestattet: 1506 erhielt er die Propstei St. Alban in Mainz, 1518 die Dompropstei in Straßburg und die Propstei des Krönungsstifts St. Marien in Aachen sowie 1521 die Fürstpropstei Ellwangen6), außerdem besaß er ein Kanonikat am Kölner Dom. Nachdem er 1523 den Bischofsstuhl der Diözese Worms erlangt und von 1524 bis 1529 der Diözese Utrecht vorgestanden hatte, wurde er am 27. August 1540 von seinem Bruder, dem Freisinger Bischof Philipp, zu seinem Koadjutor bestimmt. Nach dessen Tod nahm er am 4. Oktober 1541 Freising in Besitz und empfing am 22. März 1542 die Reichslehen auf dem Reichstag zu Speyer. Während seiner zehnjährigen Regierungszeit kam es zur zeitweisen Entfremdung zwischen ihm und dem Kaiser sowie dem bayerischen Herzog Wilhelm IV., da er häufig Partei für seinen konvertierten Bruder Kurfürst Friedrich von der Pfalz ergriff und auch sonst gegenüber dem Luthertum nur wenig Berührungsängste zeigte. Für seine auf Ausgleich bedachte Haltung ist bezeichnend, daß er sich 1549 auf der Salzburger Provinzialsynode, auf der das weitere Vorgehen im Hinblick auf die Eindämmung des Protestantismus diskutiert wurde, vertreten ließ (durch den Domkapitular Johannes Weyer und Domdekan Anton von Albersorf). Heinrich, der niemals die Priesterweihe empfangen hatte, starb am 3. Januar 1552 in Ladenburg7) und wurde im Dom zu Worms begraben.

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgend Unterbrechung durch Wappenschilde.
  2. Vor und nach der Datierung je ein dreiteiliges Blatt mit geringeltem Stiel.

Anmerkungen

  1. Meichelbeck, Chronica 272; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 314; Kdm Obb II 376; Dehio Obb 320. Die Weihe des neuen Friedhofs fand am 21. März 1542 statt, s. BayHStA HL Freising Nr. 573.
  2. AEM H 668 fol. 64v.
  3. Vgl. Prechtl, Oeffentliche Denkmäler 61.
  4. Sighart, Mittelalterliche Kunst 134, später ebenso Sighart, Künste 427 Anm. 3. Die Inschrift auch von Prechtl wohl um 1870/80 erfaßt, s. HVF U XI 59 Nr. 1.
  5. Die biographischen Angaben nach: Meichelbeck, Chronica 271-274; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 313-320; Schlecht, Pfalzgrafen 63-72; Hoppe, Reformation 58f.
  6. Ellwangen (Jagst), Ostalbkreis, Regierungsbez. Stuttgart, Baden-Württemberg.
  7. Ladenburg, Rhein-Neckar-Kreis, Regierungsbez. Karlsruhe, Baden-Württemberg.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 217 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0021709.