Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 209 Domberg 27 (ehem. fürstbischöfliche Residenz) 1530–1541

Beschreibung

Ahnenprobe von Bischof Philipp, Pfalzgraf bei Rhein. Im Obergeschoß des Nordflügels, an der Südwand des Gangs über der Tür. Malerei auf Putz. Sechzehnfache Ahnenprobe mit Wappenschilden und zugehörigen Überschriften auf einzelnen Bändern, die Überschriften der vierten Generation auf einem gemeinsamen Band. Seitlich schemenhaft erkennbar rahmende Architekturelemente. Oben in der Mitte der Wappenschild des Bischofs (I) unter einem Maßwerkbaldachin, links darüber der Wappenschild des Vaters, rechts darüber derjenige der Mutter (II). Unter dem bischöflichen Wappen links absteigend die väterliche Linie, (III.V, IV.V) dabei die Wappenschilde der männlichen Vorfahren jeweils rechts (heraldisch links) angeordnet, rechts absteigend die mütterliche Linie (III.M, IV.M), die Wappenschilde der männlichen Vorfahren hier jeweils links (heraldisch rechts) angeordnet. Bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts sehr schlecht erhalten1), die weiter oben angebrachten Wappen und ihre Beischriften kaum mehr erkennbar, zum Teil zerstört.

Die Textedition entspricht in ihrer Anordnung der absteigenden Generationenabfolge, wobei die Lesrichtung der Inschriften von links nach rechts beibehalten wurde. Somit wurde auch die unübliche „spiegelverkehrte“ Anordnung der Wappen der weiblichen Linie belassen. Zu den irrigen Vorfahren beider Linien s. Kommentar.

DI 69, Nr. 209 – Domberg 27 (ehem. fürstbischöfliche Residenz) – 1540–1541

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/4]

Maße: H. 130 cm, B. 288 cm, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

V = Väterliche Linie, M = Mütterliche Linie.

I. Philipp, Pfalzgraf bei Rhein (1498–1541).

  1. [..] Filipus [– – –]

II.
V: Philipp der Aufrichtige, Kurfürst von der Pfalz (1448–1508).
M: Margarete von Bayern-Landshut (1456–1501)

  1. [– – – // – – –]

III.
V: Margarethe von Savoyen (1410–1479), Ludwig IV., der Gütige, Kurfürst von der Pfalz (1424–1449).
M: Ludwig IX., der Reiche, Herzog von Bayern-Ingolstadt (1417–1479), Amalia Prinzessin von Sachsen (1435–1502).

  1. – – –] // Pf(a)l(zgraf) Ludwig [..] // H(erzog) · Ludwig. // [– – –

IV.
V: Armagnac (irrig statt Maria von Burgund), Amadeus VIII., Herzog von Savoyen (1383–1451); Mechthild von Savoyen-Achaja (ca. 1390–1438), Ludwig III., Kurfürst von der Pfalz (1378–1436).
M: Heinrich XVI., der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut (1386–1450), Margarete von Österreich (1395–1447); Friedrich II., der Sanftmütige, Kurfürst von Sachsen (1412–1464), Margarete von Österreich (1416–1486).

  1. [– – –] // Herz[– – –] saphoy // [– – –] saphy ∙ z[….] // H(erzog) Ludwig // H(erzog) hainrich // Österreich // hörczog Friderich // Österreich

V.
V: Genf (irrig statt Margarethe von Flandern), Armagnac (irrig statt Philipp der Kühne, Herzog von Burgund); Burgund (irrig statt Bonne de Berry), Amadeus VII. Graf von Savoyen († 1391); Österreich (irrig statt Katharina Gräfin von Genf), Amadeus von Savoyen-Achaja (?–?); Elisabeth von Zollern, Burggräfin von Nürnberg (1358–1411), König Ruprecht I., Pfalzgraf bei Rhein (1352–1410).
M: Friedrich, Herzog von Bayern (ca. 1339–1393), Magdalena Visconti (Mailand) (1366–1404); Albrecht IV., Herzog von Österreich (1377–1404), Johanna Sophia von Bayern-Straubing (gest. 1410, Tochter des Herzogs Albrecht I. von Bayern-Straubing, Graf von Holland); Friedrich I., der Streitbare, Kurfürst von Sachsen (1370–1428), Katharina von Braunschweig-Lüneburg (?–1442); Ernst, der Eiserne, Herzog von Österreich (1377–1424), Zimburga von Polen (Masowien) (1394–1429).

  1. Gennff · [– – – · ] Burgun[.. ·] Saphoy · Österrreicha) · Saphy h[….] · Nü[rn]berg · Rueprecht R(ex) R(omanorum) · Bair(en) · Mailandt · Österreich · Hollandt · Sachsen · Praunschweig · Österreich · Masannb)

      
Wappen:
Philipp, Pfalzgraf bei Rhein, Bischof von Freising2). (I)
Pfalz-Bayern3), Pfalz-Bayern3). (II)
Savoyen4), Pfalz5), Alt-Bayern6), Sachsen7). (III)
Armagnac8), Savoyen4), Savoyen-Achaja9), Pfalz5), Alt-Bayern6), Österreich10), Sachsen7), Österreich10). (IV)
Genf11), Armagnac8), Burgund12), Savoyen4), Österreich10), Savoyen-Achaja9), Burggraftum Nürnberg13), Hl. Röm Reich: Ruprecht14), Alt-Bayern6), Visconti (Mailand)15), Österreich10), Holland16), Sachsen7), Braunschweig16), Österreich10), Masowien17). (V)

Kommentar

Die zeitliche Einordnung für die Stammtafel ergibt sich einerseits aus dem wohl nicht vor 1530 anzusetzenden Auftreten der Frakturschrift in Freising, zum anderen aus Bischof Philipps Todesjahr 1541 als terminus ante quem.

Vergleichbar der sechzehnfachen Ahnenprobe auf dem Epitaph (Nr. 210), finden sich auch innerhalb der freskierten Stammtafel einige unrichtige Rekonstruktionen, besonders bei der Linie der Großmutter väterlicherseits18). So müsste bei V die Ahnenfolge korrekt beginnen: Flandern – Burgund / Berry – Savoyen / Genf – Savoyen-Achaja, entsprechend bei IV: Burgund (Maria von Burgund, 1380–1422).

Da das Residenzgebäude mehrfach umgestaltet wurde, läßt sich nicht mehr feststellen, welchem Funktionszusammenhang die freskierte Stammtafel angehörte bzw. welche Zweckbestimmung der zugehörige Raum besaß. Der heutige schmale Gang, der einer angemessenen optischen Erfassung der relativ großen Stammtafel entgegensteht, wurde mit Sicherheit erst später angelegt. Als Freskant wurde von Sigmund Benker der seit 1497 für Bischof Philipp tätige Hans Wertinger vorgeschlagen, später jedoch auch der Hauptvertreter der Donauschule, Albrecht Altdorfer, in Erwägung gezogen19).

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Nach Bogen-r zwei weitere normale r.
  2. Sic!

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm Obb II 379.
  2. Quadriert, 1. Pfalz (Volkert, Wappen der Wittelsbacher 14-16, Tafel 1 Nr. 4), 2/3. Bistum Freising (Bi 46, Tafel 76), 4. Bayern (Souv 15, Tafel 8).
  3. Souv1 15 (Tafel 18); Volkert, Wappen der Wittelsbacher 16f. (Tafel 1 Nr. 8).
  4. Souv2 28 (Tafel 62).
  5. Volkert, Wappen der Wittelsbacher 14-16 (Tafel 1 Nr. 4).
  6. Souv1 15 (Tafel 8).
  7. Souv1 18 (Tafel 23).
  8. Souv2 14 (Tafel 29).
  9. Souv2 29 (Tafel 63).
  10. Souv1 7 (Tafel 4).
  11. Souv2 49 (Tafel 127).
  12. Souv2 13 (Tafel 28).
  13. Souv1 12 (Tafel 12).
  14. Souv1 5 (Tafel 1).
  15. Souv1 48 (Tafel 7).
  16. Souv2 35 (Tafel 88).
  17. Souv1 27 (Tafel 747)
  18. Adler mit Brustspange.
  19. Vgl. Ulrich, Ahnenprobe 131-138.
  20. Benker, Schloß 169; Ehret, Hans Wertinger 87, 171 Nr. 83.

Nachweise

  1. Loos/Notter, Residenz Freising 25.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 209 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0020900.