Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 203 Domkreuzgang 1535

Beschreibung

Epitaph für den Stiftspropst Matthäus Hörlin. Im Südflügel zwischen dem fünften und sechsten Joch an der Nordwand. Ursprünglich ebenfalls im Kreuzgang, seit 1716 am heutigen Standort1). Sandstein, roter Kalkstein (Pilaster). Im rundbogig ausgenischten Bildfeld, dessen Zwickel mit Blattwerk gefüllt sind, Darstellung der Beweinung Christi: Vom Kreuz nur der untere Teil des Kreuzstammes sichtbar, davor der Leichnam Christi von Maria Magdalena gestützt, links daneben die hl. Maria, die sich mit gefalteten Händen kniend über den Leichnam beugt; in der linken Bildecke verkleinerte Darstellung des verstorbenen Stifters im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet, ihm gegenüber in der rechten Ecke sein Vollwappen; im Hintergrund Hügellandschaft, rechts des Kreuzstamms Stadtvedute. Unter dem Bildfeld querformatige Tafel mit der Grabinschrift2). Das Epitaph mit Ädikula-Rahmung: Unten Postamente, darin Reliefs von Balustervasen, die korinthischen Pilaster aus rotem Kalkstein, in den verkröpften Gebälkstücken Reliefs kugelförmiger Gefäße.

Maße: H. 133 cm, B. 86,5 cm, Bu. 1,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 69, Nr. 203 – Domkreuzgang – 1535

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. ANNO . D(OMINI) . M . D . XXXV , DIE TERCIA SEPTEMBRIS / DESIIT INTER HOMINES ESSE VEN(ERABILIS) ET EGREG(IVS) VIR / D(OMINVS) MATHEVS HOERLINa) , V(TRIVSQVE) I(VRIS) DOCTOR CAN(ONICVS) AC P(RAE)P(OSI)TVSb) / S . ANDREE FRISING(ENSIS) CVIVS ANIMAM TVLIT DEVSc) / · CARNEMd) MORBVS , OSSA HICe) CONDITAf) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1535 am dritten Tag des September hörte auf unter den Menschen zu sein der ehrwürdige und ausgezeichnete Mann Herr Matthäus Hörlin, Doktor beider Rechte, Kanoniker und Propst von St. Andreas in Freising. Seine Seele trug Gott fort, die Krankheit das Fleisch. Die Gebeine sind hier begraben.

Wappen:
Hörlin3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CXII.

Das Epitaph wird von Gertrud Otto dem schwäbischen Bildhauer Gregor Erhart zugeschrieben4).

Matthäus Hörlin, 1472 geboren, entstammte einer Augsburger Patrizierfamilie. Seine Eltern waren Ludwig Hörlin und eine geb. Erdwein5). 1514 ist er als Pfarrer von Wolnzach genannt6). Seit 1517 Domherr in Freising, wurde er 1519 zum Domkapitular gewählt7). Ab 1517 ist er auch als Propst der Kollegiatstiftskirche St. Andreas belegt8). Er tätigte eine Jahrtagsstiftung an die Freisinger Domkirche9).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: MATHAEVS HOERLIN D(OCTO)R CAN(ONICVS) ET PRAEPOS(ITVS) / S: ANDREAE O(BIIT) A(NN)O 1535. 3 SEPT(EMBRIS)10).

Für Matthäus Hörlin existierte auch eine Gedenkplatte, s. Nr. 204†.

Sein Bruder Markus Hörlin liegt ebenfalls im Domkreuzgang begraben, s. Nr. 157.

Textkritischer Apparat

  1. OE-Enklave.
  2. S über V gestellt.
  3. Letzte Zeile zentriert gesetzt, am Beginn eine geschwungene Zierlinie.
  4. Vorangehendes Worttrennzeichen paragraphenförmig.
  5. Worttrennzeichen auf der Grundlinie in Form kleiner Vierecke.
  6. Schlußzeichen in Form einer dreiblättrigen Blüte.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 19r.
  2. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 13 Nr. 96.
  3. Bei Siebmacher unter dem Namen Hörnlin, s. BayA1 76 (Tafel 75).
  4. Otto, Gregor Erhart 90.
  5. Augsburger Eliten 316.
  6. Hergenröther, Regesta I 397 Nr. 6217; Wolnzach, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm
  7. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 19r; AEM H 482a p. 404.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Andreae Frisingae fol. 20r; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 33; AEM FS 118 p. 4; Prechtl, St. Andreas 82-84.
  9. AEM H 80 p. 5.
  10. Vgl. AEM H 482a p. 406; BSB Cgm 1718 1 nach p. 181; AEM H 465 fol. 108r.

Nachweise

  1. BSB Oefeleana 10 IV p. 108; BSB Cgm 1717 p. 347, 360; AEM H 64 p. 618; AEM H 482a p. 404, 406; BSB Cgm 1718 p. 180, 1 nach p. 181; AEM H 64 p. 527; AEM H 76 p. 334; HVO Ms. 318 fol. 72r; AEM H 477 p. 753; AEM H 465 fol. 107v, 108r; HVF U XI 11 p. 12 Nr. 97; Schlecht, Inschriften III 85f. Nr. 56, Taf. XX; Otto, Gregor Erhart 90, Taf. 94; Glaser, Grabsteinbuch 355 Nr. 156.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 203 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0020300.