Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 187 Domkreuzgang vor 1525

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domscholaster Jakob Rudolf. Im Nordflügel im sechsten Joch an der Nordwand. Ursprünglich wohl ebenfalls im Nordflügel, seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift1), nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Maßwerkbogen, dessen Zwickel mit Dreipässen gefüllt sind, Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet; in den unteren Ecken je ein Wappenmedaillon, das Schriftband unterbrechend. Unterrand der Platte mit Abschlägen.

Maße: H. 220 cm, B. 117 cm, Bu. 11 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 187 – Domkreuzgang – vor 1525

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Venerabilis · Vir · d(omi)n(u)s · Iaco/bus · Ruodolff · Doctor · Can(oni)c(us)a) · et · scolastic(us)b) · // eccl(es)ie · fris(ingensis)b) · // moritur · A(nno) · m · dc) 〈· 25 · Die · 18 · Januaryd) ·〉

Übersetzung:

Der ehrwürdige Mann Herr Jakob Rudolf, Doktor, Kanoniker und Scholaster der Freisinger Kirche, starb im Jahre 1525, am 18. Tag des Januar.

Wappen:
Rudolf2), Schluder3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung XCIXf. Das Todesdatum wurde offenbar nachgetragen, wie sich aus der unregelmäßigen Raumverteilung in diesem Textbereich ablesen läßt.

Jakob Rudolf entstammte einer Münchner Patrizierfamilie. Sein Vater war Thomas Rudolf, seine Mutter Veronika, geb. Schluder von Weilbach4). Um 1456 geboren5), immatrikulierte er sich 1472 an der neu gegründeten Universität Ingolstadt6). Seit 1477 war er Domherr und Domzellerar in Freising. 1483 wurde er Domkapitular und bekleidete später die Ämter des Kapitelsrichters7), des Chorrichters und von 1510 bis 1521 des Domscholasters8). Außerdem versah er ab 1484 die Pfarrei Altfraunhofen9), von 1501 bis 1524 das St. Thomas-Benefizium im Freisinger Dom10), um 1506 die Pfarrei Weng11), von 1507 bis 1521 die Pfarrei Fürholzen12), von 1518 bis 1524 die Pfarrei Dorfen13) und bis 1518 die Pfarrei Pellheim14). Der Doktortitel ist für ihn erstmals 1486 nachgewiesen15). 1524 trat er der Priesterbruderschaft bei St. Peter in München bei16) und veranlaßte eine Stiftung an das von seiner Familie gegründete Rudolf-Seelhaus in München im Rosental17). Außerdem sind von ihm Meßstiftungen an die Freisinger Domkirche belegt18).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: IACOBVS RVDOLPH D(OCTO)R CAN(ONICVS) ET SCHOLAST(ICVS) O(BIIT) / A(NN)O 1525. 18 IAN(VARII)19).

Textkritischer Apparat

  1. c(us) hochgestellt.
  2. Nachfolgende Unterbrechung durch Wappenmedaillon.
  3. Worttrennzeichen punktförmig.
  4. Schlußzeichen in gebogener Keilform.

Anmerkungen

  1. Eine Kurzfassung der Inschrift in HVO Geissiana 454 p. 12 Nr. 93.
  2. BayA1 88 (Tafel 88).
  3. BayA1 90 (Tafel 99).
  4. Hundt, Stammenbuch III 591; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 44r; BSB Cgm 2290 XXIII fol. 437r; Stahleder, Rudolf 182.
  5. StadtAM Familien Nr. 400/3 (Freimanner-Chronik von 1606) fol. 28v; Stahleder, Rudolf 182.
  6. Matrikel LMU I Sp. 23 Z. 25, 5. August 1472.
  7. Hundt, Indersdorf II 204 Nr. 1647; Deutinger, Schulwesen 508.
  8. BSB Cgm 2269 fol. 118av; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 44r; Deutinger, Schulwesen 508; Stahleder, Rudolf 182.
  9. Scherg, Bavarica 92 Nr. 679; Altfraunhofen, Lkr. Landshut, NB.
  10. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 44r.
  11. BayHStA Freising Urkunde 1506 Oktober 11; Stahleder, Rudolf 182; Weng, Gde. Fahrenzhausen.
  12. Prechtl, Fürholzen 123; Fürholzen, Gde. Neufahrn, Lkr. Freising.
  13. Deutinger, Matrikeln III 377, 447; Dorfen, Lkr. Erding.
  14. Deutinger, Matrikeln III 444; Pellheim, Stadt Dachau, Lkr. Dachau.
  15. Hundt, Indersdorf II 135 Nr. 1429, 204 Nr. 1647; Stahleder, Rudolf 182.
  16. StadtAM Zimelie 20 fol. 20v; Stahleder, Rudolf 183.
  17. AEM Nachlaß Boegl Nr. 33 (Domherren 3); vgl. Stahleder, Rudolf 137.
  18. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 3; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 3r, 32r-33r; BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 3, 37, 42.
  19. Vgl. AEM H 482a p. 779; BSB Cgm 1718 1 nach p. 385; AEM H 64 p. 604; AEM H 465 fol. 214v.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2269 fol. 118av; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 44r; BSB Cgm 1724 p. 196 Nr. 24; BSB Oefeleana 10 IV p. 126; BSB Cgm 1717 p. 716; BSB Cgm 2290 XXIII fol. 437r; AEM H 76 p. 319; AEM H 482a p. 778f.; BSB Cgm 1718 p. 385, 1 nach p. 385; BSB Oefeleana 294 fol. 9v; HVO Ms. 318 fol. 69r; AEM H 477 p. 752; AEM H 61 p. 206; AEM H 465 fol. 213v, 214v; AEM H 466; Deutinger, Schulwesen 509; HVF U XI 11 p. 11 Nr. 94; Schlecht, Inschriften V 13 Nr. 18; Glaser, Grabsteinbuch 352 Nr. 146.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 187 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0018702.