Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 176 Domkreuzgang 1518

Beschreibung

Wappenplatte für Georg Auer von Pullach. Im Nordflügel im dritten Joch an der Nordwand. Ursprünglich im Kreuzgang neben der Platte seines Bruders Rupert (Nr. 180) an der Wand1). Adneter Kalkstein. Die erhaben gearbeitete Grabinschrift im oberen Viertel der Platte, zwischen den Zeilen erhabene Trennleisten. Darunter ein Feld mit eingeschriebener Pilasterarkade, an deren Stirnseite Rosetten im Rapport, in den Zwickeln geschwungene Akanthusblätter, unter der Arkade das Vollwappen des Verstorbenen. Der linke Seitenrand unten am Pilaster beschädigt, der Unterrand rechts des Wappens mit großem Ausbruch.

Maße: H. 215 cm, B. 110 cm, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 176 – Domkreuzgang – 1518

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Anno d(omi)ni 1518 an dem 15 tag / Decembris starb der Edel vest Georg / Aver dem got genedig vnd Parm/herczig sey vnd alle(n) gelavbige(n) selen

Wappen:
Auer von Pullach2).

Kommentar

Die Wappenplatte wird von Volker Liedke dem Landshuter Bildhauer Stephan Rottaler zugewiesen3). Die Schrift zeigt charakteristische Merkmale dieses Meisters (vgl. Marolt, Nr. 165), weist jedoch bei einzelnen Buchstabenelementen eine veränderte Ausführung auf: Der obere Abschnitt des unteren Bogens des kastenförmigen a erscheint durchgängig gerade, der obere Bogen des Bogen-r ist nicht gebrochen, die i-Punkte fehlen; vgl. das Einleitungskapitel CV.

Georg Auer von Pullach war der Sohn des Christoph Auer – dieser hatte 1457 die Hofmark Adelzhausen erworben – und der Regina, geb. Ridler4). Angeblich bekleidete er Kanonikate in Freising und Augsburg (1489), die er jedoch später resigniert hätte5). 1504 ist er als Kämmerer des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. und als Pfleger zu Mainburg belegt6).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: GEORGIVS AVER DE PVELACH / EQVES O(BIIT) A(NN)O 1518. 15 DEC(EMBRIS)7).

Rupert Auer, der Bruder von Georg, liegt ebenfalls im Domkreuzgang begraben, s. Nr. 180, 181.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 I fol. 64v/p. 94.
  2. BayA1 8 (Tafel 6).
  3. Liedke, Rottaler 102f.
  4. Hundt, Stammenbuch III 230f.; BSB Cgm 2268 I fol. 64v/p. 94; Adelzhausen, Lkr. Aichach-Friedberg, Schw.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 3r; Khamm, Hierarchia Augustana I 609; Schlecht, Inschriften V 8; Haemmerle, Canoniker 9 Nr. 36a. Sicher ist die Angabe bei Liedke, Rottaler 351, irrig, Georg Auer von Pullach habe sich mit einer geb. von Seiboltsdorf vermählt, eine Notiz, die sich auf den 1483 verstorbenen gleichnamigen Onkel bezieht, s. BSB Cgm 2268 I fol. 64v/p. 94. Ebenso irrig ist auch die in Glaser, Grabsteinbuch 354, erwähnte Heirat mit Maria Lösch von Hilgertshausen (Nr. 238), denn diese ehelichte 1540 (!) einen gleichnamigen Neffen, s. BSB Cgm 2268 I p. 65/95.
  6. Grassinger, Aibling 268; Mainburg, Lkr. Kelheim, NB.
  7. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 131; AEM H 482a p. 93; BSB Cgm 1718 1 vor p. 28; AEM H 64 p. 605; AEM H 465 fol. 23v.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 I fol. 64v/p. 94; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 3r; BSB Cgm 1724 p. 9 Nr. 29; BSB Oefeleana 10 IV p. 131; BSB Cgm 1717 p. 31; BSB Cgm 2290 II fol. 459r; BSB Cgm 2291 I fol. 391r; AEM H 482a p. 87, 93; BSB Cgm 1718 p. 25, 1 vor p. 28; AEM H 76 p. 319, 371; HVO Ms. 318 fol. 71r; AEM H 477 p. 751; AEM H 465 fol. 21v, 23v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 11 Nr. 86; HVF U XI 11 p. 10 Nr. 87; Schlecht, Inschriften V 8 Nr. 9, Taf. XXVII; Liedke, Rottaler 100-103; Glaser, Grabsteinbuch 354 Nr. 152.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 176 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0017607.