Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 169 Domkreuzgang 1515

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Stiftskanoniker Wolfgang Wirsing. Im Ostflügel im dritten Joch an der Ostwand. Ursprünglich in der Allerheiligenkapelle bei der Kollegiatstiftskirche St. Andreas an der Wand nördlich des Altars, zu Ende des Jahres 1803 sichergestellt1). Später im Seminargarten an der Wand des Ökonomiegebäudes, dann in der Martinskapelle, wohl seit ca. 1901 am heutigen Standort2). Adneter Kalkstein. In der oberen Hälfte der Platte seitlich Pilaster mit Balustereinlagen an den Fronten, darüber Segmentbogen mit Wellenband in der Laibung und Zahnschnitt um die Stirn, in den Zwickeln je ein Haken, daran je ein Wappenschild und ein sie verbindender Feston aufgehängt; im Zentrum halbfigurige Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia und Birett, in den Händen ein Buch, darauf ein Kelch. In der unteren Plattenhälfte die sechszeilige Grabinschrift mit erhaben gearbeiteten Buchstaben, zwischen den Zeilen erhabene Trennleisten.

Maße: H. 188 cm, B. 103 cm, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 169 – Domkreuzgang – 1515

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Hie ligt her · Wolfgang · Wirsing · kor/Her · czv · S · Andres · stifter · diser · Capel/len · Vnd · dreier · wochen · Mes · sambt · / des · Ewigen · liechtz · stifter · starb an sand / nicolavs · tag Anno · d(omi)ni · 1 · 5 · 1 · 5 · Jar · / de(m) · got · gnad · vnd alle(n) gelavbigen selle(n)a)

Datum: 1515 Dezember 06.

Wappen:
Wirsing, Wirsing3).

Kommentar

Die Grabplatte wird dem Landshuter Bildhauer Stephan Rottaler zugeschrieben4). Zu den Schriftformen s. Einleitung CV.

Wolfgang Wirsing entstammte einer Freisinger Bürgerfamilie. 1486 immatrikulierte er sich an der Universität Ingolstadt5). Seit 1510 war er Kanoniker des Kollegiatstifts St. Andreas und stiftete dorthin die Allerheiligenkapelle, die 1514 errichtet wurde6) und mit einer aufwendigen Reliefplatte sowie mehreren Bildfenstern ausgestattet war, s. Nr. 166†, 170†. Ebenso veranlaßte er eine Jahrtagsstiftung nach St. Andreas7).

Textkritischer Apparat

  1. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. In einem Schreiben vom 7. November 1803 an den kurfürstlichen Hofkammerrat Mayer ordnet Generalkommissär Aretin an, daß die im Inventar gelisteten Stücke – gemeint ist die wandfeste Ausstattung – herausgenommen und sicher verwahrt werden solle, so auch der Grabstein, der in der unteren der beiden Kapellen auf der Evangelienseite des Altars eingemauert sei, s. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 175 prod. 8.
  2. Prechtl, St. Andreas 18; Schlecht, Inschriften III 73.
  3. Ein mit drei liegenden Halbmonden belegter Sparren.
  4. Liedke, Rottaler 120-122.
  5. Echtler, Quellen (24. Jan. 1937) 8; Matrikel LMU I Sp. 161 Z. 20, 23. Mai 1486.
  6. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 162 p. 59; Schlecht, Inschriften III 73.
  7. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163a fol. 5v, 25v, 26r; BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 161 fol. 351v, 352r.

Nachweise

  1. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163 p. 86; BSB Oefeleana 10 IV p. 341; AEM H 477 p. 607; AEM H 118 p. 353, p. 413 Nr. 75; AEM H 271; HVF U XI 10 St. Andreas p. 109; Prechtl, St. Georg 34; Schlecht, Inschriften III 73 Nr. 40, Taf. X; Alckens, Freising 56f.; Liedke, Rottaler 120-122, Abb. 75, 348.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 169 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0016906.