Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 158 Domkreuzgang 1508

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Albert vom Hof. Im Südflügel des Kreuzgangs im vierten Joch von Westen an der Südwand. Im Südflügel des Kreuzgangs wohl auch der ursprüngliche Standort. Erhaben gearbeitete Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Spitzbogen aus Ast- und Laubwerk Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet, zu seinen Füßen ein Kelch auf einem Buch, in der linken unteren Ecke sein Wappenschild. Das Mittelfeld an einigen Stellen leicht abgetreten.

Maße: H. 200 cm, B. 98 cm, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 158 – Domkreuzgang – 1508

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. A(nn)oa) · d(omi)nj · 1508 · 4to · nonas / Marcy · obyt · preclarus · pontificy · ac · cesarei · Iuris / doctor · Albertus · de · curia / hui(us) · ec(c)l(es)ie · cano(n)ic(us) · c(uius) · a(n)i(m)a · req(ui)esc(a)t · in · sancta · paceb)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1508 am vierten Tag vor den Nonen des März starb der berühmte Doktor des päpstlichen und kaiserlichen Rechts Albert vom Hof, Kanoniker dieser Kirche. Seine Seele ruhe in heiligem Frieden.

Datum: 1508 März 04.

Wappen:
Vom Hof1).

Kommentar

Der Schriftduktus ist durch folgende Merkmale charakterisiert: Die oberen Quadrangeln der i-Schäfte liegen häufig auf den oberen Abschnitten der benachbarten Buchstaben auf. Das p ist mit einem zusätzlichen Quadrangel am unteren Bogenabschnitt versehen, der eine Verbindung zum benachbarten Buchstaben herstellt. Das Minuskel-s am Wortende wirkt leicht vergrößert im Verhältnis zu den übrigen Buchstaben. Das Kürzungszeichen für -us nimmt beinahe den gesamten Mittellängenbereich ein. Die Grabplatte konnte bisher keiner namentlich bekannten Künstlerwerkstatt zugewiesen werden; zur Schriftgestaltung s. auch Einleitung CIII.

Albert vom Hof war ein illegitimer Sohn des bayerischen Herzogs Albrecht IV. (1465–1508). 1482 erhielt er als Sechzehnjähriger Altersdispens für alle Weihen und Benefizien2), und wurde durch päpstliche Verleihung 1483 Domherr in Freising3). 1491 und 1494 ist er als Rektor der juristischen Fakultät in Padua4), 1493 und 1500 als Propst in Pfaffenmünster belegt5). Albert vom Hof war auch Pfarrer in Deggendorf6).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: ALBERT(VS) DE CVRIA DOCTOR CAN(ONICVS) O(BIIT) / A(NN)O 1508. 4 MAIJ.7).

Textkritischer Apparat

  1. o hochgestellt.
  2. Worttrennzeichen punktförmig.

Anmerkungen

  1. BayA1 16 (Tafel 13).
  2. Scherg, Bavarica 79 Nr. 582, 80 Nr. 590.
  3. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 7r; Schlecht, Inschriften III 53.
  4. Schlecht, Inschriften VI 121-123; Alckens, Albertus de Curia 4.
  5. BayHStA Kurbayern Äußeres Archiv Nr. 4005 fol. 51r-52v; (Pfaffen-)Münster, Gde. Steinach, Lkr. Straubing-Bogen, NB.
  6. Mayer, Thesaurus III 232; Deggendorf, Lkr. Deggendorf, NB.
  7. Vgl. AEM H 482a p. 154; BSB Cgm 1718 1 vor p. 46; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 38r.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II fol. 519v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 7r; BSB Cgm 1724 p. 43 Nr. 13; BSB Oefeleana 10 IV p. 100f.; BSB Cgm 1717 p. 110; BSB Cgm 2290 XIV fol. 247v; AEM H 76 p. 332; AEM H 482a p. 154f.; BSB Cgm 1718 1 vor p. 46, p. 46; Mayer, Thesaurus III 232; AEM H 64 p. 641; HVO Ms. 318 fol. 63r; AEM H 477 p. 750; AEM H 61 p. 203; AEM H 465 fol. 37r, Appendix fol. 10v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 10 Nr. 77; HVF U XI 11 p. 9 Nr. 78; Schlecht, Inschriften III 53 Nr. 11, VI 121-123; Glaser, Grabsteinbuch 347 Nr. 132.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 158 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0015809.