Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 142 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1495

Beschreibung

Zwei Tafelgemälde mit Bildbeischriften. In der unteren Domsakristei (Sommersakristei) im südlichen Schiff im Antependium des Fußwaschungsaltars. Tempera auf Holz. An den Seitenflächen des Altarblocks je eine, an der Frontseite drei Tafelgemälde, diese von einer im 19. Jahrhundert erneuerten Rahmung als Antependium zusammengefaßt1). Die seitlichen Tafeln mit je einem Löwen, der eine Fahne hält; das mittlere Gemälde der Altarfront mit einem aufwendigen Vierpaßrahmen, darin Astwerk, oben Bänder einschwingend, im Zentrum ein lediger Wappenschild; links und rechts davon zwei Gemälde mit Darstellung der Verkündigung an Maria: auf dem linken Tafelgemälde die hl. Maria inmitten eines Raumes mit leicht geneigtem Haupt, auf dieses von rechts oben ein schmaler Lichtstrahl mit miniaturhafter Heilig-Heist-Taube treffend; links von ihr ein Lese- und Betpult, als hintere und rechte Raumbegrenzung eine bizarr-phantastische Segmentbogenarkade mit einer Brüstung aus Flechtband, über ihr ein symmetrisches Gesprenge aus Astwerk; am linken Bildrand eine kleine Schrifttafel (I) mit rechts oben konkav ausgerundeter Ecke. Auf dem rechten Tafelgemälde der prachtvoll gewandete Verkündigungsengel in leichter Kniestellung, die Linke segnend erhoben, in seiner Rechten ein Lilienstab, um dessen obere Hälfte sich ein mehrfach umschlagendes Schriftband windet (III); der architektonische Rahmen gleich dem des Pendants, jedoch das Abschlußgitter der Brüstung fehlend; rechts oben in der Ecke auf einem „festgenagelten“ Schild eine Jahreszahl (II). 1902 restauriert.

Maße: H. 63 cm, B. (jeweils) 55 cm, Bu. 0,3 cm (I), 3 cm (II), 1,5 cm (III).

Schriftart(en): Kursive (I), Frühhumanistische Kapitalis (III).

DI 69, Nr. 142 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1495

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/4]

  1. I.

    Eta) exultauit spirit(us) meosb) / in deo salutari meo Quiac) / respexit (etc.)d)

  2. II.

    · 1 · 4 · 9 · 5e) ·

  3. III.

    · AVE · GRACIAf) // + + // · PLENAg) · D(OMINVS TECVM)h)

Übersetzung:

Und mein Geist ist voll Jubel über Gott, meinen Retter. Denn er hat gnädig usw. (I)

Gegrüßet seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Lc 1,47s. (I)
  • Lc 1,28. (III)

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung CX.

Zweifellos stammen die fünf Gemäldetafeln des Antependiums vom selben Meister wie die über dem Altar angebrachte Gründonnerstagstafel (Nr. 141), Mair von Landshut1). Der Stiftungszusammenhang wird auch durch die übereinstimmende Datierung (II) beim Gemälde des Verkündigungsengels hergestellt.

Textkritischer Apparat

  1. Der Versal E in Rot.
  2. Sic, irrig für meus.
  3. Der Versal Q in Rot, a über das i gestellt.
  4. Kürzung in Form zweier Kommata mit übergestelltem kurzem Querstrich.
  5. Trennzeichen quadrangelförmig.
  6. Die Schriftzeile oben und unten von einer roten Linie eingefaßt. Nachfolgend zweimalige Unterbrechung, jeweils durch Umschlag des Schriftbandes. Der rückseitige Mittelteil des Bandes mit zwei Quadrangeln belegt, von deren Spitzen bogenförmige Zierlinien ausgehen, eine kreuzähnliche Form bildend.
  7. N spiegelverkehrt.
  8. Nach D Umschlag des Schriftbandes, wohl als Beginn von Dominus tecum zu deuten. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. Buchheit, Landshuter Tafelgemälde 20; Abele, Dom (1919) 42, spricht mißverständlich von sechs dazugehörigen Sockelbildern, von denen drei als Antependium des davorstehenden Altares eingelassen seien: Zum einen handelt es sich tatsächlich nur um insgesamt fünf Gemäldetafeln – eine etwa nicht eingefügte sechste Tafel existiert nicht (vgl. Schubert, Mair von Landshut 136) –, zum anderen waren die Tafeln von jeher als Altarvorsatz konzipiert, allein aufgrund ihrer Größe verbietet sich eine Anbringung als Sockel- bzw. Predellenbilder zur Gründonnerstagstafel, vgl. Ramisch, Spätgotische Domsakristei 156f. Den irrigen Angaben von Buchheit folgt ebenfalls Schlecht, Inschriften VI 83, der von sechs Sockelbildern ausgeht, wovon jetzt fünf als Antependium eines davor aufgestellten Altärchens verwendet werden; eines ist abhanden gekommen.

Nachweise

  1. Buchheit, Landshuter Tafelgemälde 20; Christoffel, Mair von Landshut 307.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 142 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0014204.