Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 132 Domkreuzgang 1485

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Kaspar Schmidhauser. Im Nordflügel im sechsten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift zwischen zwei Linien, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem mit Ast- und Laubwerk reich verzierten Kielbogen Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet; in den unteren Ecken der Platte zwei kreisrunde Medaillons mit identischen Wappenschilden, das umlaufende Schriftband unterbrechend. An der linken Längsseite mittig die äußere Randlinie beschädigt, ebenso der Rand der unteren Schmalseite.

Maße: H. 226 cm, B. 120 cm, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 132 – Domkreuzgang – 1485

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Anno · d(omi)nj · 1485 · die · 26 mensis / · Juny · obyt · Egregiusa) · vir d(omi)n(u)s · Gaspar · Smidhauser · / Doctor · et · Can(oni)c(us)b) / Ac · rector · Jn · kimsdorfc) · hic · sepultus · Req(ui)escatd) · J(n) · pacee)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1485 am 26. Juni starb der ausgezeichnete Mann Herr Kaspar Schmidhauser, Doktor und Kanoniker und Rektor in Königsdorf. Er liegt hier begraben. Er ruhe in Frieden.

Wappen:
Schmidhauser2).

Kommentar

Die Grabplatte wird von Volker Liedke der Münchner Werkstätte der Haldner zugewiesen3), vgl. Einleitung XCIXf.

Kaspar Schmidhauser, Sohn des aus München stammenden Rentmeisters Hans Schmidhauser4), absolvierte 1453 das Studium der beiden Rechte in Wien5). 1464 begleitete er als Hofmeister die wittelsbachischen Herzöge Albrecht, Christoph und Wolfgang nach Italien6), besuchte die Universität Bologna und wurde dort 1465 zum Doktor des Kirchenrechts promoviert7). Noch im selben Jahr wurde er in das Domkapitel in Freising aufgenommen8), möglicherweise war er von seinem Onkel, dem Freisinger Weihbischof Johannes Frey (Nr. 117), empfohlen worden. Ein weiteres Kanonikat konnte er sich 1470 in Augsburg sichern9). Unter Papst Paul II. (1464–1471) erhielt er die Pfarrei Königsdorf, die er sich in einem langjährigen Inkorporationsstreit erkämpfen mußte10), ebenso war er Pfarrer zu Schwandorf11). 1476 wirkte er am Kaiserlichen Kammergericht12). Seit 1477 war er Freisinger Weinpropst für die Besitzungen in Südtirol13), seit 1479 auch Stiftspropst in Petersberg14). Schließlich wurde er 1481 zum Generalvikar des Freisinger Domkapitels ernannt15). Er stiftete zwei wöchentliche Messen auf den Margarethenaltar in die Krypta der Domkirche16), außerdem eine ewige Frühmesse nach Königsdorf17). In Weihenstephan wurde für ihn eine Jahrtagsmesse gefeiert18).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: CASPARVS SCHMIDHAVSER D(OCTO)R ET NOBILIS CAN(ONICVS) PRAEPOS(ITVS) / S: PETRI MADRON(ENSIS) ET RECTOR IN KIMSTORF O(BIIT) A(NN)O 1485. 26 IVNIJ19).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Caspar Smidhauser. Can(onicus) O(biit) 1485. 26. Jun(ii)20). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Angeblich befand sich in der Pfarrkirche zu Königsdorf ein Epitaph für Kaspar Schmidhauser. Es wurde zwischen 1777 und 1786 in den Eingangsbereich der Kirche versetzt und war schon im 19. Jahrhundert nicht mehr lesbar21).

Textkritischer Apparat

  1. In der Mitte des Wortes über dem g ein kurzer Schrägstrich, als Kürzungszeichen ohne Sinn.
  2. c(us) hochgestellt.
  3. Sic, wohl für Königsdorf.
  4. Ohne Kürzungszeichen.
  5. Worttrennzeichen punktförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 IV fol. 378v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 54r; AEM H 482a p. 840.
  2. Gespalten, in jedem Feld ein zur Mitte gewandtes Steinbockhorn.
  3. Liedke, Haldner 29-31; Liedke, Burghauser Sepulchralskulptur 6, datiert die Platte in die Jahre 1473/74.
  4. BSB Cgm 2268 IV fol. 378v.
  5. Matrikel Wien I 19, 1453 R 42.
  6. Hundt, Stammenbuch III 627; Schmidt, Erziehung XXVI.
  7. Knod, Studenten 498 Nr. 3351.
  8. BSB Cgm 2268 IV fol. 378v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 54r.
  9. Khamm, Hierarchia Augustana I 604; Haemmerle, Canoniker 154 Nr. 766: 1475; vgl. Scherg, Bavarica 51 Nr. 374.
  10. Genghamer, Königsdorf 193; Königsdorf, Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen.
  11. Pesserl, Schwandorf 581; Schwandorf, Lkr. Schwandorf, Opf.
  12. Lechner, Reichshofgericht 178 Nr. 310, 27. September 1476.
  13. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 53v.
  14. BSB Cgm 1716 Praepositi ad S. Petrum in monte Madronensi fol. 40v, Catalogus Canonicorum fol. 54r; Schmid, Urkunden-Regesten d. Alten Kapelle I 200 Nr.1025; Rosenegger, Petersberg 41; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  15. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 54r; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 610f. Nr. 18.
  16. Dom-Custos-Rechnungen I 792 Nr. 11.740; vgl. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 24, 54; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 26r, 31r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 91.
  17. Rosenegger, Petersberg 50f.
  18. BSB Clm 21556 fol. 44v; BSB Clm 1026 fol. 60v; MGH Necrologia III Weihenstephanense 212.
  19. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 125; AEM H 482a p. 855; BSB Cgm 1718 3 nach p. 308; AEM H 64 p. 603; AEM H 465 fol. 179r.
  20. BSB Oefeleana 10 IV p. 207; AEM H 76 p. 297, 321.
  21. Nach Genghamer, Königsdorf 196, befand sich in Königsdorf auch seine Grabstätte. Da jedoch in der oben edierten Inschrift direkt Bezug auf den Ort des Begräbnisses genommen wird, ist wohl eher davon auszugehen, daß die Grabstätte in Freising im Bereich der Benediktuskirche lag.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 IV fol. 378v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 54r; BSB Cgm 1724 p. 230 Nr. 60; BSB Oefeleana 10 IV p. 125f.; BSB Cgm 1717 p. 827; AEM H 482a p. 840, 855; BSB Cgm 1718 3 nach p. 308, p. 416; AEM H 76 p. 319; AEM H 59 p. 51; AEM H 60 p. 97; Bugniet, Versuch 78; HVO Ms. 318 fol. 61r; AEM H 477 p. 748; AEM H 61 p. 200; AEM H 465 fol. 179r, 229r, 229v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 9 Nr. 67; Knod, Studenten 498 Nr. 3351; HVF U XI 11 p. 8 Nr. 68; Schlecht, Inschriften V 13f. Nr. 19; Liedke, Haldner 31, 176; Glaser, Grabsteinbuch 344 Nr. 122.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 132 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0013207.