Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 128 Domkreuzgang 1483

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Heinrich von Schmiechen. Im Ostflügel im ersten Joch an der Ostwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, von der linken Längsseite unten zum Ende der rechten Längsseite verlaufend; im vertieften Mittelfeld unter einem Astbogen Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet, in seiner linken Armbeuge ein Buch; unter dem Mittelfeld ein querformatiges, vertieftes Sockelfeld, darin zwei Wappenschilde seitlich einer großen Blattranke. Das Wappenfeld mit größerer Schadstelle links.

Maße: H. 184 cm, B. 83 cm, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 128 – Domkreuzgang – 1483

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. · A(nno) · 1 · 4 · 8 · 3 · xiija) · Nouembr(is) · obyt · nobilisb) · ac · / egregius · Juris · u(triusque) · / doctor · d(ominus) · henri(cus) · de · smiehen · Can(onicus) · frising(ensis)c)

Übersetzung:

Im Jahre 1483 am 13. November starb der edle und ausgezeichnete Doktor beider Rechte Herr Heinrich von Schmiechen, Freisinger Kanoniker.

Wappen:
Schmiechen2), Barth3).

Kommentar

Zur Schriftgestaltung vgl. Einleitung CII.

Heinrich von Schmiechen entstammte einem 1608 erloschenen bayerischen Adelsgeschlecht, dessen Mitglieder mehrfach Freisinger Domherren und Ministerialen der Grafen von Andechs stellten4). Sein Vater war Stephan von Schmiechen, seine Mutter eine geb. von Barth. Seit 1455 ist er als Domherr in Freising und Passau nachweisbar5). 1459 immatrikulierte er sich an der Universität Wien6). 1472 berief man ihn als Professor an die juristische Fakultät der Universität Ingolstadt, wo er neben seiner Vorlesungstätigkeit auch zeitweilig als Vizerektor und Vizekämmerer wirkte7). 1480 erhielt er die Propstei des Kollegiatstifts St. Veit in Freising8) und fungierte bei Herzog Georg dem Reichen als Geistlicher Rat9). Weitere Kanonikate kamen 1482 in Regensburg10) und 1483 in Augsburg11) hinzu. Von ihm ist eine Jahrtagsstiftung nach St. Veit belegt12).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung rekonstruiert wird: HENRICVS DE SMICHEN CAN(ONICVS) ET PRAEPOS(ITVS) / S: VITI O(BIIT) A(NN)O 1483. 13 NOVEM(BRIS)13).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Henr(icus) Smihen. Can(onicus) O(biit) 1483. 13. Nov(embris)14). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Punkt über dem Schaft des j später ergänzt.
  2. Punkte über dem Schaft der i später ergänzt.
  3. Trennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 53v.
  2. BayA1 177 (Tafel 182).
  3. Bay 68 (Tafel 74).
  4. Busley, Domkapitel 47; Andechs, Lkr. Starnberg.
  5. Hundt, Stammenbuch II 283; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 53v; Haemmerle, Canoniker 154 Nr. 764.
  6. Geiß, Kemnater 139; Gumppenberg, Regesten V 363; Matrikel Wien I 82, 1410 I R Z. 71.
  7. Biographisches Lexikon LMU 378.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Viti Frisingae fol. 23v; AEM FS 118 p. 105; Prechtl, St. Veit 101.
  9. Biographisches Lexikon LMU 378.
  10. BZAR Bernclau, Episcopatus Ratisbonensis p. 376; StadtA Regensburg A 1929/14 p. 99; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 53v; Paricius, Nachrichten 46.
  11. Haemmerle, Canoniker 154 Nr. 764.
  12. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 36br; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 190; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 36r.
  13. Vgl. AEM H 482a p. 837; BSB Cgm 1718 1 nach p. 412; AEM H 64 p. 610; AEM H 465 fol. 228r.
  14. BSB Oefeleana 10 IV p. 206; AEM H 76 p. 321.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 53v; BSB Cgm 1724 p. 228 Nr. 57; BSB Oefeleana 10 IV p. 114; BSB Cgm 1717 p. 823; BSB Cgm 2786 III fol. 177r; AEM H 482a p. 837, 839; BSB Cgm 1718 1 nach p. 412, 424; AEM H 76 p. 330; HVO Ms. 318 fol. 61r; AEM H 477 p. 748; AEM H 61 p. 200; AEM H 465 fol. 227v, 228r, Appendix fol. 10v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 9 Nr. 66; HVF U XI 11 p. 8 Nr. 67; Schlecht, Inschriften III 67f. Nr. 32; Glaser, Grabsteinbuch 343 Nr. 121.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 128 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0012808.