Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 119 Domkreuzgang 1477

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Johannes von Muggenthal. Im Südflügel im achten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift zwischen zwei Leisten, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Mehrpaßbogen aus Maßwerk, dessen Spitzen mit Kreuzblumen verziert sind, Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, auf dem Kopf ein Birett, die Hände zum Gebet gefaltet; in den Ecken der Platte die vierfache Ahnenprobe in Wappenmedaillons, die Schriftleiste unterbrechend. Die Platte besonders in den Randbereichen stark schadhaft, hier mit teilweisem Textverlust.

Maße: H. 181 cm, B. 73 cm, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 119 – Domkreuzgang – 1477

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. A(nn)oa) · d(omin)ib) · mo · ccccc) // lxxvij · feria · q(ua)rta · p(ost) · lucie · ob(iit) · Eg(re)gi[(us) · v]ir · [d(omi)n](u)sc) // Ioh(anne)s · m//ugkent[a]lerc) · d(e)c(re)tor(um) · licent(iatus) · eano(n)ic(us)q(ue)d) · hui(us) · Eccl(es)iee)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1477 am Mittwoch nach Lucie starb der ausgezeichnete Mann Herr Johannes Muggenthaler, Lizentiat des Kirchenrechts und Kanoniker dieser Kirche.

Datum: 1477 Dezember 17.

Wappen:
Muggenthal2) Pfalzpeunt3)
Reglsdorf4) Unbekannt5)

Kommentar

Die Grabplatte wird von Volker Liedke der Münchner Werkstätte der Haldner zugewiesen6), was durch offensichtliche Gemeinsamkeiten mit den bekannten Schriftformen dieser Werkstätte Bestätigung findet, vgl. Einleitung XCIXf. Die Gewandfalten, die Haltung des Kopfes und der Arme sind denen bei Nr. 117 vergleichbar.

Johannes von Muggenthal entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht. Er war der Sohn des Michael von Muggenthal zu Erlach und der Margaretha von Pfalzpeunt7). Seit 1461 besaß er ein Kanonikat am Domstift Freising8), 1471 wird er auch als Regensburger Domherr genannt9).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: IOAN(NES) DE MVCKENTAL CAN(ONICVS) O(BIIT) / A(NN)O 1477. 17 DECEM(BRIS)10).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Joannes Muggenthal. Can(onicus) O(biit) 1477. 16. Decemb(ris)11). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. o hochgestellt.
  2. Gekürzt durch hochgestelltes i.
  3. Unterbrechung durch Wappenmedaillon.
  4. Verhauen für cano(n)ic(us)q(ue).
  5. Worttrennzeichen punktförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 29v.
  2. Bay 48 (Tafel 48).
  3. BayA1 170 (Tafel 175).
  4. BayA1 87 (Tafel 86).
  5. Ein mit zwei Spitzen belegter Balken.
  6. Liedke, Haldner 28f.
  7. Krick, Stammtafeln 245 Nr. 112.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 29v.
  9. Krick, Stammtafeln 245 Nr. 112.
  10. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 93; AEM H 482a p. 606; BSB Cgm 1718 1 nach p. 280; AEM H 64 p. 612; AEM H 465 fol. 163v.
  11. BSB Oefeleana 10 IV p. 207; AEM H 76 p. 297, 321; Schlecht, Inschriften IV 112 Nr. 37, dort die wohl irrige Angabe, der Stein sei noch vorhanden.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 29v; BSB Cgm 1724 p. 143 Nr. 35; BSB Cgm 1717 p. 514, 537; BSB Cgm 2290 XVIII fol. 234v; AEM H 482a p. 599, 606; BSB Cgm 1718 p. 278, 1 nach p. 280; AEM H 76 p. 331; HVO Ms. 318 fol. 60r; AEM H 477 p. 747f.; AEM H 61 p. 199; AEM H 465 fol. 163v, Appendix fol. 9v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 9 Nr. 64; HVF U XI 11 p. 7f. Nr. 64; Schlecht, Inschriften III 64 Nr. 27; Liedke, Haldner 28f., 173; Glaser, Grabsteinbuch 342 Nr. 118.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 119 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0011901.