Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 113 Domkreuzgang 1474

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domkustos Ulrich Kemnater. Im Nordflügel im dritten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift zwischen zwei Leisten, nach innen gerichtet (I). Im Mittelfeld unter einer Spitzbogenarkade aus Maßwerk, deren Zwickel mit je einer Lilie gefüllt sind, Darstellung des Verstorbenen im Meßgewand, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte in Richtung des Betrachters segnend erhoben. Als Standfläche eine unten spitz zulaufende Konsole, an der Spitze eine kleine Jahrzahl in arabischen Ziffern eingeritzt (II). Vor der Konsole zwei Wappenschilde. Kopf, Körper und die Wappen in Flachrelief, die Gewandung mit eingeritzter Binnenzeichnung. Schäden in den Randbereichen und in der Mitte der Platte entstanden durch Auswitterungen an den Tonadern des Steines.

Maße: H. 215 cm, B. 110 cm, Bu. 10 cm (I), 2 cm (II).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 113 – Domkreuzgang – 1474

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    An(n)oa) · d(omi)ni · Mo · cccco · lxxiiiib) · / · vigesima · octaua · mensis · aprilis · obyt · venerabilis · vir / · vdalricvs · kemnater / · canonicvs · etb) · custos · ecclesie · frisingensisc) · c(uius) · a(n)i(m)a · re(quiescat) · i(n) pa(ce)

  2. II.

    1447d)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1474 am achtundzwanzigsten (Tag) des Monats April starb der ehrwürdige Mann Ulrich Kemnater, Kanoniker und Kustos der Freisinger Kirche. Seine Seele möge in Frieden ruhen. (I)

Datum: 1474 April 28.

Wappen:
Kemnater2), Steirer3).

Kommentar

Zu Gestaltung und Schriftformen vgl. Einleitung CIIf.

Ulrich Kemnater entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht, das mit ihm im Mannesstamm erlosch4). Seine Eltern waren Erhard Kemnater und Amalia, geb. Steyer5). 1436 erlangte er ein Kanonikat am Domstift Freising, wurde 1439 Domkapitular und 1442 Benefiziat zu St. Thomas in der Domkirche6), von 1437 bis 1452 war er auch Propst zu Maria Wörth7). Ab 1449 versah er die Pfarrei zu Altenstadt bei Kehlheim und ab 1450 das Amt des Propsts zu St. Johann in Kelheim8). Daneben übernahm er in Freising zwischen 1453 und 1456 das Amt des Zellerars9) und ab 1456 das des Domkustos, das er bis zu seinem Tode innehatte10). Er veranlaßte mehrere Meßstiftungen an die Freisinger Domkirche11). Der Freisinger Almosenstiftung vermachte er 250 fl., um mit den Zinserträgen jährlich einer armen Jungfrau bei ihrer Verheiratung die Aussteuer zu finanzieren12), ebenso ließ er dem Kloster Fürstenfeld liturgische Gewänder zukommen13). Dem Spital in Freising stiftete er 3 Pfd. Pfg. für die Kranken14).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: VDALRICVS KEMNATER CAN(ONICVS) ET CVSTOS O(BIIT) / A(NN)O 1474. 28 APRIL(IS)15).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: U[dalricus / K]emnater / Can(onicus) O(biit) 1474 / 28. April(is)16). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Worttrennzeichen in der Regel paragraphenförmig.
  2. Nachfolgendes Worttrennzeichen quadrangelförmig.
  3. Nachfolgendes Worttrennzeichen blütenförmig.
  4. Ziffern 47 wohl irrig vertauscht, recte: 74.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 II fol. 618v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 21r.
  2. BayA1 151 (Tafel 156).
  3. BayA3 98 (Tafel 63).
  4. BayA1 151.
  5. BSB Cgm 2268 II fol. 618r.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 21v.
  7. Pagitz, Maria Wörth 165f.; Maria Wörth (im Wörthersee), Pol. Bez. Klagenfurt-Land, Kärnten, Österreich.
  8. Geiß, Tandern 236.
  9. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 21v; AEM Nachlaß Boegl Nr. 33 (Domherren 3).
  10. BSB Cgm 2268 II fol. 618v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 21r; Geiß, Kemnater 140; Mitterwieser, Zubehör 2f.
  11. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 11, 25, 36, 49b; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 29r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 94; Boegl, Jahrtagsverzeichnis 5.
  12. Prechtl, Wohlthätigkeitsanstalten 96.
  13. MGH Necrologia III Fürstenfeldense 99; Fürstenfeld, Stadt Fürstenfeldbruck, Lkr. Fürstenfeldbruck.
  14. Dom-Custos-Rechnungen I 792 Nr. 11.744.
  15. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 130f.; AEM H 482a p. 431; BSB Cgm 1718 1 nach p. 194; AEM H 64 p. 605; AEM H 465 fol. 117r.
  16. BSB Oefeleana 10 IV p. 207; AEM H 76 p. 297, 321; AEM H 61 p. 198.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II fol. 618v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 21v; BSB Cgm 1724 p. 110 Nr. 3; BSB Cgm 1717 p. 402; BSB Cgm 2290 XVI fol. 126v; AEM H 482a p. 431, 437; BSB Cgm 1718 1 nach p. 194, 195; AEM H 76 p. 319; HVO Ms. 318 fol. 59r; AEM H 477 p. 747; AEM H 61 p. 198; AEM H 465 fol. 117r, 118r; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 9 Nr. 61; Geiß, Kemnater 144 Anm. 33; HVF U XI 11 p. 7 Nr. 61; Schlecht, Inschriften V 8f. Nr. 10; Pagitz, Maria Wörth 166 Anm. 78; Glaser, Grabsteinbuch 341 Nr. 115.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 113 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0011301.