Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 99 Domkreuzgang 1456

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Joachim von Nußdorf. Im Nordflügel im dritten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Mehrpaßbogen Darstellung des Verstorbenen im Superpelliceum, die Hände zum Gebet gefaltet; als Standfläche eine spitz zulaufende Konsole, darunter zwei diagonal gegeneinandergestellte Wappenschilde. Maßwerkbogen, Kopf, Körper und Wappen in extrem reduziertem Flachrelief, die Binnenfläche der Gewandung mit Ritzzeichnung. Zahlreiche Schadstellen an der porösen Oberfläche.

Maße: H. 215 cm, B. 109 cm, Bu. 9,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 99 – Domkreuzgang – 1456

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. An(n)o · d(omi)nja) · mo b) · cccco · lvj nobilis / optime · indolis · Joachim · N[u]s[t]arffer · can(oni)c(us)c) · eccl(es)ie · fris(ingensis) · die · / sancti · Blasy · migravit · / · i(n) p(ac)e · florem · tibi · adolescencie · reddens · christed) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1456 ging der edle, von bestem Charakter, Joachim Nußdorfer, Kanoniker der Freisinger Kirche am Tag des hl. Blasius in Frieden fort, indem er dir die Blüte der Jugend zurückgab, o Christus.

Datum: 1456 Februar 03.

Wappen:
Nußdorf2), Aschauer3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung C.

Joachim von Nußdorf entstammte väterlicherseits einem bayerischen Adelsgeschlecht, dessen Stammhaus bei Laufen an der Salzach4) lag, seine Mutter gehörte offenbar der Familie Aschauer an5). Er war seit 1455 Kanoniker in Freising6), spätestens seit 1456 auch Pfarrer zu Königsdorf7).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: IOACHIM DE NVSDORFF CAN(ONICVS) DOMICELLARIS O(BIIT) / A(NN)O 1456. 3 FEB(RVARII)8).

Außerdem gibt es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / IOACH(IM) / A NVSDORF. / CAN(ONICVS) O(BIIT) 1456. / 3. FEB(RVARII) / +9).

Textkritischer Apparat

  1. j aus y korrigiert.
  2. Hochgestellte o wohl später ergänzt.
  3. c(us) hochgestellt.
  4. Worttrennzeichen paragraphenförmig.

Anmerkungen

  1. Hundt, Stammenbuch II 196; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 33r.
  2. BayA1 22 (Tafel 18).
  3. Bay 19 (Tafel 12): hier Teil des Wappens.
  4. Laufen a. d. Salzach, Lkr. Berchtesgadener Land.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 33r. Krick, Stammtafeln 256 Nr. 116B, gibt dagegen als Mutter eine Puchberg an, vgl. jedoch das Wappen der Puchberg bei Siebmacher, BayA1 118: Drei zwei zu eins gestellte Halbmonde, die oberen voneinander abgewendet.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 33r.
  7. Genghamer, Königsdorf 199 Anm. 4; Königsdorf, Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen.
  8. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 131; AEM H 482a p. 642; BSB Cgm 1718 1 vor p. 297; AEM H 64 p. 605; AEM H 464 fol. 172v.
  9. Vgl. AEM H 76 p. 297, 321; vgl. Schlecht, Inschriften IV 111 Nr. 33.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 33r; BSB Cgm 1724 p. 157 Nr. 14; BSB Cgm 1717 p. 565; BSB Cgm 2290 XVIII fol. 407r; AEM H 482a p. 642f.; BSB Cgm 1718 1 vor p. 297, p. 299; AEM H 76 p. 319; HVO Ms. 318 fol. 56r; AEM H 477 p. 746; AEM H 61 p. 196; AEM H 465 fol. 172v, 173r, Appendix fol. 9r; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 7 Nr. 50; HVF U XI 11 p. 6 Nr. 51; Schlecht, Inschriften V 8 Nr. 8; Glaser, Grabsteinbuch 338 Nr. 104.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 99 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0009903.