Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 93 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian 1282/1. H. 15. Jh.

Beschreibung

Gedenkplatte für Bischof Friedrich von Montalban. Im äußeren nördlichen Seitenschiff in der Leonhardskapelle an der Nordwand. Hier auch der ursprüngliche Standort1). Roter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, die linke Längsseite nicht ganz ausgefüllt. Plattenbruch im unteren Drittel, Ausbesserung mit rot durchfärbtem Mörtel.

Maße: H. 221 cm, B. 74 cm, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 93 – Dom Mariä Geburt und St. Korbinian – 1282/1. H. 15. Jh.

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. · vja) · jdvs · decembr(is) / · anno · d(omi)ni · m · cc · lxxxij · obyt · frisi(n)g(ensis) · rector · frideric(vs) · fortis · / vt · hector · trans · migrans / · iste · tva · poscit · gavdia · chr(ist)eb)

Übersetzung:

Am sechsten Tag vor den Iden des Dezember im Jahre des Herrn 1282 starb der Freisinger Rektor Friedrich, stark wie Hektor. Jetzt, wo er hinübergeht, verlangt er nach deinen Freuden, Christus.

Datum: 1282 Dezember 08.

Versmaß: Hexameter mit leoninischem Reim. (frisingensis bis christe)

Kommentar

Zu den Schriftformen vgl. Einleitung XCVIII.

Friedrich von Montalban entstammte einem der mächtigsten Ministerialengeschlechter des Südtiroler Vintschgaus und des Hochstifts Chur2). Sein Vater war Swiker III. von Montalban, sein Bruder Arnold von Montalban, sein Onkel der Dompropst Uto von Freising3). 1245 tritt er als Freisinger Domherr4) und Domizellar5), 1254 als Notar von Bischof Konrad II. auf6). Ab 1258 wird er als Propst von Schliersee7) und von 1259 bis ca. 1279 als Propst zu Ardagger8) genannt. 1261 erscheint er als wirklicher Domkapitular zu Freising9), seit diesem Jahr besaß er auch die Propstei von Innichen, die er 1270 resignierte10). Von da an ist er ausschließlich als Dompropst von Freising belegt11). Ab 1273 war er Pfarrer von Hohenkammer12) und auch Domherr von Trient13). Nach dem Tode des Bischofs Konrad II. 1279 versuchten seine Gegner im Domkapitel, seine auf dem Wege des Skrutiniums geplante Wahl zum Freisinger Bischof durch Appellation beim Apostolischen Stuhl zu verhindern und beschuldigten ihn verschiedener Vergehen. Trotzdem konnte er mehr Stimmen auf sich vereinen als der Gegenkandidat Emicho14). Am 3. Januar 1280 bestätigte Papst Nikolaus III. die Wahl und weihte Friedrich persönlich in Rom zum Bischof von Freising15). Über den kurzen Episkopat Friedrichs von Montalban gibt es nur wenig Zeugnisse: 1280 konsekrierte er den Neubau der Pfarrkirche St. Peter am Kammersberg, was Streitigkeiten mit dem Lavanter Bischof Gerhard von Ennstal in bezug auf die Pfarr- und Patronatsrechte nach sich zog. Dieser Streit wurde erst 1307 zugunsten von Bischof Emicho entschieden16). König Rudolf I. von Habsburg bestätigte Friedrich neben anderen Privilegien die freie Gerichtsbarkeit über die freisingischen Güter in Bischoflack und das Jagdrecht in Österreich17).

Friedrich von Montalban starb am 8. Dezember 1282 infolge eines Schlaganfalls oder einer Lähmung und wurde in der Leonhardskapelle im Freisinger Dom begraben18). In den Nekrologien der Freisinger Domkirche19) und von Weihenstephan20) sind Meßstiftungen des Bischofs verzeichnet.

Außer der Gedenkplatte gab es im Dom im inneren südlichen Seitenschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Fridericus de Montalban Ep(iscop)us XXVIII. Fris(ingensis) O(biit) 1282. 8. Dec(embris)21). Die Platte wurde im Zuge der Erneuerung des Bodens 1842 ausgebaut und durch eine Neuanfertigung mit ähnlichem Text ersetzt22).

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Beginn der Inschrift in Form einer Blüte mit quadratischem Umriß, nachfolgend sämtliche Worttrennzeichen quadrangelförmig.
  2. Gekürzt: xpe.

Anmerkungen

  1. AEM H 5 p. 128; AEM H 602 p. 72; Hundt/Gewold, Metropolis Salisburgensis I2 168, I3 113.
  2. Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206; Maß, Bistum 227; Gatz, Bischöfe I 192.
  3. Huter, Schnals 249; Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206.
  4. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 27r.
  5. Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206.
  6. Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206.
  7. BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee fol. 34v; AEM FS 118 p. 376; Schliersee, Lkr. Miesbach.
  8. BSB Cgm 1716 Ardacensis Praepositura in Austria fol. 15r, Catalogus Canonicorum fol. 27r; AEM FS 118 p. 148; Friess, Ardagger 433-437; Ardagger, Pol. Bez. Amstetten, Niederösterreich, Österreich.
  9. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 27r.
  10. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Candidi in Inichen in Tyrolli fol. 33v, Catalogus Canonicorum fol. 27r; AEM FS 118 p. 171; Innichen, Südtirol, Italien.
  11. BSB Cgm 1716 Catalogus Praepositorum Frisingensium Ecclesiae Cathedralis fol. Cr, 2v, Catalogus Canonicorum fol. 27r.
  12. Deutinger, Egger 516f.; Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206; Hohenkammer, Lkr. Freising.
  13. Strzewitzek, Sippenbeziehungen 206.
  14. Deutinger, Päpstliche Urkunden II 21-26 Nr. 7; Geiß, Ungedruckte Urkunden 198f., 202-105, Urkunde D; Bischofs-Chronik II 21 Anm. 7; Strzewitzek, Sippenbeziehungen 207. Die Wahl Friedrichs dürfte bald nach dem Tode Konrads im April 1279 erfolgt sein.
  15. Strzewitzek, Sippenbeziehungen 207.
  16. Gatz, Bischöfe I 192f.; St. Peter am Kammersberg, Pol. Bez. Murau, Steiermark, Österreich.
  17. Gatz, Bischöfe I 192f.; Bischofslack (Škofja Loka), Bez. Kranj, Slowenien.
  18. BayHStA HL Freising Nr. 3c fol. 123r; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 190; Heckenstaller, Dissertatio 30, 40; Deutinger, Matrikeln I 16; Deutinger, Kataloge 18, 49, 77, 181; Leidinger, Veit Arnpeck 886; Bischofs-Chronik II 21; Strzewitzek, Sippenbeziehungen 207. In den Jahrtagsverzeichnissen der Freisinger Domkirche sind auch Meßstiftungen eines Fridricus de Montalban, p(rae)positus n(oster) unter dem 28. August aufgeführt - offenbar von Friedrich während seiner Amtszeit als Dompropst veranlaßt -, doch bereits auch hier mit dem Vermerk ob(iit), s. BayHStA HL Freising Nr. 617 fol. 15r; BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 32; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 17v; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 93. Derselbe obiit-Vermerk unter dem 4. Oktober, doch wird Friedrich hier als Bischof bezeichnet, s. BayHStA HL Freising Nr. 617 fol. 17r; BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 38; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 20r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 94. Ebenfalls eine Meßstiftung als Bischof erfolgte am 7. Dezember, s. BayHStA HL Freising Nr. 617 fol. 20r; BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 50; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 96. Schlecht, Inschriften II 35, nennt dagegen als Todestag den 9. Dezember, vgl. Anm. 22.
  19. BayHStA HL Freising Nr. 617 fol. 15r, 17r, 20v; BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 32, 50; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 17v, 20r, 29v, 30r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 93f., 96.
  20. BSB Clm 1026 fol. 103r; MGH Necrologia III Weihenstephanense 218, hier als Datum der Jahrtagsmesse der 8. Dezember.
  21. BSB Oefeleana 10 IV p. 29; AEM H 482a p. 1091; AEM H 76 p. 316, 317; AEM H 8a p. 547; Schlecht, Inschriften II 35 Nr. 112.
  22. Der Text lautet hier: Fridericus / de Montalban Ep(iscopus) Fr(isingensis) / + 9 Dec(embris) 1282, vgl. Schlecht, Inschriften II 35 Nr. 112. Plattennummer der Bauaufnahme des staatlichen Hochbauamts Freising von 1993: SI.085.

Nachweise

  1. AEM H 5 p. 128; HABW Cod. Helmst. 205 fol. 257r; AEM H 602 p. 72; AEM H 669 fol. 33v; AEM H 253 p. 47, 129; Hundt/Gewold, Metropolis Salisburgensis I2 168, I3 113; BSB Cgm 5805 fol. 40r; AEM H 666 p. 54; BSB Cgm 1725 p. 159; AEM H 58 p. 13 (B), 425 (B); AEM H 57 p. 112; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 90; BSB Clm 1292 p. 11; BSB Cgm 1717 p. 481; BSB Cgm 1715 p. 91; AEM H 482a p. 591, 1091; BSB Cgm 1718 1 nach p. 273; AEM H 291 p. 313; AEM H 462; AEM H 8a p. 41, 547; AEM H 464 fol. 14r; HVO Ms. 318 fol. 20r; AEM H 465 fol. 160r; AEM H 467; AEM B 8 II p. 180; Deutinger, Kataloge 181; Deutinger, Viti Arnpeckhii 520; MGH SS XXIV 325; Leidinger, Veit Arnpeck 886; Schlecht, Inschriften I 63 Nr. 58; Bischofs-Chronik II 21; Bischofs-Chronik, Neuausgabe 37; Glaser, Grabsteinbuch 309 Nr. 32.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 93 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0009302.